Marcello Meyer verlässt Phönix Lübeck
Foto: Lobeca/Kaben

Lübeck – Die Leitwölfe Marcello Meyer und Jan-Andre Sievers verlassen den 1. FC Phönix Lübeck zum Saisonende. Nach nur anderthalb Jahren ist die Zeit der beiden beliebten Ex-Regionalliga-Kicker des VfB Lübeck beim Stadtnachbarn wieder vorbei. Verein und Spieler einigten sich nicht auf einen neuen Vertrag. Dabei sollen, nach Informationen der „Lübecker Nachrichten“ gescheiterte Gehaltsgespräche ausschlaggebend gewesen sein. Dem Blatt bestätigte Frank Salomon, Sportlicher Leiter des Oberliga-Spitzenreiters, dass „der eine oder andere eher Abstriche machen müsse“. De facto: Trotz möglichem Aufstieg in die 4. Liga weniger Geld für Spieler.

Spieler fühlen sich unfair behandelt

In sozialen Netzwerken wurden die beiden Phönixer Spieler als „Söldner“ betitelt. Dagegen wehrt sich Sievers, der bei HL-SPORTS sagt: „Wir haben die letzten drei Jahre wirklich immer alles gegeben und alles für den Erfolg getan und auch da schon öfter zurückgesteckt. Klar ist die Situation für alle schwer und deshalb ist man ja auch jetzt bereit gewesen auf Geld zu verzichten für die aktuelle Situation. Doch Regionalliga bedeutet noch mehr Aufwand und das Ganze. Das ist quasi ein Halbtagsjob zu meiner regulären Arbeit. Wie soll ich das machen und dann noch für sehr wenig Aufwandsentschädigungen. Klar denken viele jetzt „die Söldner“, aber jeder normale Mensch, der arbeitet und viel Zeit dafür investiert, macht es nicht unbedingt umsonst.“

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Jan-Andre Sievers (1. FC Phönix Lübeck)
Foto: Lobeca/Kaben

Meyer ist ebenfalls enttäuscht: „Ich wollte mit Phönix etwas erreichen, war da auch nie Topverdiener, wie viele denken. Ich habe aber immer meine Leistungen gebracht, alles gegeben und mich auch hinter Frank und Daniel gestellt. Aber mich jetzt hinzustellen, als jemanden der nur auf Kohle aus ist, das ist nicht fair.“

Sievers, der Kapitän der Mannschaft und Meyer waren zuvor schon bei Strand 08, arbeiteten dort mit Salomon und Trainer Daniel Safadi erfolgreich seit Sommer 2017 zusammen. Nun wird dieses Kapitel beendet.

Weitere Abgänge?

Wie das Blatt weiter berichtet, könnten weitere „Adlerträger“ die Segel streichen. Marc Lindenberg und Winter-Neuzugang Leon Dippert sollen das sein. Diese Löcher zu stopfen wird schwer für Phönix. Die Regionalliga ist nicht mit der Oberliga zu vergleichen. Die genannten Spieler wissen das, denn sie haben alle früher für den VfB dort gekickt.

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Phönix investiert eher in Infrastruktur

Viel Geld für Lizenz, Stadionumbau und eine Beteiligung an Kosten für das Ersatzstadion „Buniamshof“, das aktuell keine Regionalliga-Tauglichkeit besitzt, hat der Club von der Travemünder Alle in die Hand genommen und muss dieses noch tun. Dabei kommt die aktuelle Situation der Liga-Unterbrechung ebenfalls ungelegen. Salomon bestätigte, dass man Verluste bei Sponsoren hinnehmen müsse.

Frank Salomon und Co-Trainer Dirk Brestel (1. FC Phönix Lübeck)
Foto: Lobeca/Kaben

Kleinere Brötchen am Flugplatz und womöglich gar keine Regionalliga?

Der Verein will auf jeden Fall aufsteigen. Das unterstrich der Sportliche Leiter, der nach Informationen von HL-SPORTS selbst viel Geld in „sein“ Projekt steckt. Man möchte „wettbewerbsfähig“ sein. Der 55-Jährige ist dafür bekannt, dass er gut vernetzt ist. Die Frage ist nur, ob das auch finanzierbar ist. Auf jeden Fall ist klar, dass Phönix monetär attraktiv sein muss, wenn man Spieler mit Regionalliga-Format haben möchte. Andere Clubs aus der Region haben vorgemacht, wie es nicht klappt. Ob nun der SV Eichede oder Eutin 08 – beide stiegen sang- und klanglos wieder ab.

Aufstiegsrunde im Visier

Bevor es soweit ist und der 1. FC Phönix wieder im nennbaren Bereich des deutschen Amateurfußballs angekommen ist, muss man allerdings die Aufstiegsrunde dazu überstehen. Sollte diese überhaupt ausgetragen werden, haben es die Lübecker mit diesen möglichen Vertretern der anderen Verbände zu tun. In Niedersachsen steigt der Meister direkt auf. Dort hat Borussia Hildesheim zwei Punkte Vorsprung auf Atlas Delmenhorst. Zudem hat der Tabellenvierte 1. FC Germania Egestorf/Langreder ebenfalls die Viertliga-Lizenz beantragt. Der Vizemeister nimmt an der Aufstiegsrunde teil. Die Gegner aus Hamburg (Teutonia 05) und Bremen (FC Oberneuland) stehen bereits fest. Sie meldeten als einzige Vereine in ihren Bundesländern, so wie Phönix auch. Hier verzichtete der SV Todesfelde in weiser Voraussicht auf ein mögliches Himmelfahrtskommando.