Aufregung im (Amateur)-Fußball: „Wie wollen wir das den Menschen verkaufen?“

Foto: Lobeca/Raasch

Lübeck – Die Nachricht der Woche kam aus dem Westen. Die Regionalliga West hat für sich beschlossen: „Wir sind eine Profiliga!“ Das sorgte bundesweit für ziemlich große Augen bei einigen anderen Verbänden und Vereinen. Dort ging es am Dienstag mit dem 13. Spieltag „ganz normal“ weiter. Borussia Dortmund II besiegte zum „Start“ Preußen Münster mit 2:0 und bleibt Tabellenführer… Die Begegnung zwischen Rot-Weiß Ahlen und Fortuna Köln fiel allerdings aus: die Gastgeber hatten einen „möglichen Corona-Fall im Umfeld des Teams“… soweit die sportliche Komponente.

Corona-Tests im Westen sind nicht erforderlich

Doch wie kam man im Westen auf die Idee, sich von der aktuellen Corona-Pandemie „freizusprechen“? Der Verband hielt Rücksprache mit der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen und kam zu dem Entschluss, dass die Regionalliga West eine Liga mit „professionellen Strukturen“ sei. Viele Vereine arbeiten unter Profibedingungen. Das mag möglicherweise für einige zutreffen, doch längst nicht für alle. Der Hammer dabei: Die Vereine unterziehen sich keinen Corona-Testreihen, so wie es die „Profi“-Clubs der Bundesliga, 2. Bundesliga und 3. Liga tun müssen.

- Anzeige -

Sommers mit klarem Statement

Hajo Sommers, Präsident von Rot-Weiß Oberhausen, sagte im „Reviersport“: „Manche werden mich vielleicht wieder für verrückt halten, aber ich verstehe es nicht, dass es weitergeht. Es gibt keine Testungen. Ich betone: die Spieler werden nicht getestet und es geht weiter. Wie wollen wir das denn den Menschen erklären, die Kinos, Theater, Kneipen oder Restaurants schließen mussten? Eins wurde mir heute auf jeden Fall nach 15 Jahren klar: Wir sind eine Profiliga. Sonst dürften wir ja nicht spielen. Aus finanzieller Sicht ist es natürlich schön, dass es Geld vom Land NRW gibt. Das wird auch Rot-Weiß Oberhausen helfen.“

Wer ist Profi, wer nicht?

Dabei ist seine Aussage nicht ganz richtig, denn Spitzenreiter BVB testet – alleine schon, weil es ein „richtiger“ Profi-Verein ist. Dennoch bleibt nun die Frage: Wenn die Regionalliga West eine Profiliga ist, dann müssen sie auch wie Profis handeln und unterliegen theoretisch dem Dach des Deutschen Fußball Bundes (DFB). Die anderen Vereine in den anderen Ligen schauen in die Röhre, denn ihr Verband ist nicht auf die diese Idee gekommen, mal eben so zu beschließen, dass sie von heute auf morgen den Profistatus einnehmen.

„Im Westen ist es überall rot“

Im Norden sieht man das sehr skeptisch. Jürgen Stebani, Spielausschussobmann im Norddeutschen Fußball Verband (NFV) und Spielplaner der Regionalliga Nord sagte zu HL-SPORTS: „Die Einstufung ist ja willkürlich, denn es gibt keine Definition was eine Profiliga ist und was nicht. Wenn man sich als Profiliga im Westen bezeichnet, was für mich etwas seltsam ist, dann muss man auch testen. So ist das von der ersten bis zur dritten Liga. Im Westen ist es überall rot, was die Corona-Zahlen angeht, ist etwas seltsam.“

Anzeige
Anzeige
AOK
Anzeige

Vereine scheuen hohe Kosten

Reenald Koch, im Norden Vorsitzender des Regionalligaausschusses und Präsident bei Eintracht Norderstedt meint: „Natürlich sind nicht alle Vereine in der Regionalliga West Profivereine. Ein Teil davon ja und ein anderer Teil nicht. Wenn man Profitum davon abhängig macht, wer Beiträge zur Verwaltungs-Berufsgenossenschaft zahlt, dann ist der Westen mit Sicherheit eine Liga, wo die Vereine Lizenzspieler haben und dann kann man das als professionelle Sportler betrachten. Das ist der Gegensatz zum Norden. Da gibt es eben Vereine, die nicht den gesamten Kader mit solchen Verträgen ausgestattet haben, weil sie diese hohen Kosten der VBG scheuen.“

Einheit? Fehlanzeige!

Wie schon in der Vergangenheit des Öfteren bemerkbar, entscheidet jeder Verband für sich selbst – so wie es in der Politik ebenfalls teilweise unterschiedliche „Lockdowns“ gibt. Der Westen macht sein eigenes Ding. Im Nordosten und Südwesten dagegen hat man sich dazu entschieden, die Zwangspause bis zum 30. November mitzumachen und in Bayern ging man bereits in die Winterpause, wobei man dort noch in der Saison von 2019 weiterspielt.

Umfrage im Norden

In der Regionalliga Nord läuft derzeit eine Umfrage unter den Vereinen. Dabei geht es um die Fragen: Trainieren und spielen, nur trainieren oder Aussitzen der Verfügungslage. In der kommenden Woche wird dazu ein Ergebnis erwartet. Danach wird sich der NFV mit den entsprechenden Innenministerien in Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Niedersachsen in den Dialog treten, wie es weitergehen kann. Das ist in NRW einfacher, dort gibt es nur eine Landesregierung…  

Gefällt Dir unsere journalistische Arbeit?

Dann unterstütze uns hier mit einem kleinen Beitrag. Danke.