Aufsichtsrat mit eigener Spielerberatungsagentur – Vereinsführung weiß von nichts!

VfB Lübeck mit Compliance-Thema?

Paul Manthey ist stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender beim VfB Lübeck. Foto: Lobeca

Lübeck – Die Blumen vom vergangenen Montagabend, als der VfB Lübeck seine Ausgliederung in eine Kapitalgesellschaft beschloss, verwelkten schneller, als der Regionalligist einen neuen Trainer verpflichtet hat. Vielleicht könnte da ein Aufsichtsrat helfen.

Nur zwei Tage nach der historischen Mitgliederversammlung und dem beschlossenen Ja zur Ausgliederung droht dem Traditionsverein von der Lohmühle ein echter Skandal. Nach exklusiven Recherchen von HL-SPORTS führt ein hochrangiges Mitglied des Aufsichtsrats eine eigene Firma für Spielervermittlung und Karriereplanung – ohne dass die Vereinsspitze davon Kenntnis hatte.

Es geht um Paul Manthey. Der Mann, der im Kontrollgremium des VfB eigentlich für die „sportliche Kompetenz“ zuständig ist, hat im Hintergrund ein weitreichendes Geschäftsnetzwerk im Profifußball aufgebaut.

Die nackten Zahlen aus dem Handelsregister

Ein Blick in die offiziellen Gesellschaftsregister (u.a. via North Data) zeigt die pikanten Fakten schwarz auf weiß:

  • Februar 2025: Nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt im VfB-Aufsichtsrat gründet Manthey die soccer 3000 GmbH als Mehrheitsgesellschafter.
  • April 2026: Manthey übernimmt offiziell auch den Posten des Geschäftsführers der Agentur. Der eingetragene Geschäftszweck: Spielervermittlung, Sportmarketing und Karriereplanung.

Im Originalauszug:

„Die nationale und internationale Vermittlung von professionellen und amateurhaften Sportlern und Trainern. Dieses umfasst die Beratung, Förderung, Vertragsverhandlungen, Karriereplanung sowie die Vertretung der Interessen der Sportler gegenüber Vereinen, Verbänden und anderen Institutionen. Darüber hinaus bietet das Unternehmen Dienstleistungen im Bereich Sponsoring, Marketing, Eventmanagement sowie Beratung und Unterstützung bei Transfers, Vertragsabschlüssen und sonstigen geschäftlichen Aktivitäten im Sportbereich an. Ergänzend dazu umfasst der Unternehmenszweck die Planung, Errichtung, Vermietung, Verpachtung und den Betrieb von Sport- und Freizeitanlagen sowie die Durchführung von Veranstaltungen und die Erbringung damit verbundener Dienstleistungen.“

Die Beteiligungen: Partner in Mantheys Firmenkonstrukt ist keine Unbekannte. Mit an Bord ist unter anderem die Nawrocki Capital GmbH des aktiven Fußball-Profis Maik Nawrocki als kapitalgebender Investor.

Vereinsführung wusste von nichts

Das größte Problem an dem brisanten Doppelpass zwischen Vereins-Kontrolle und dem im Handelsregister eingetragenen Geschäftszweck: die fehlende interne Kommunikation. Weder die operative Führung noch die eigenen Kollegen im Kontrollgremium wurden im Vorwege über Mantheys GmbH-Gründung und die spätere Übernahme der Geschäftsführung ins Boot geholt.

Auf Nachfrage zeigten sich die Verantwortlichen völlig ahnungslos. Der noch amtierende Vorstandsvorsitzende Dr. Dieter Gudel erklärte unmissverständlich, keinerlei Kenntnis von diesem Konstrukt gehabt zu haben. Auch Carsten Abbe, der bis vor einer Woche den Aufsichtsratsvorsitz innehatte und damit Mantheys direkter Vorgesetzter im Gremium war, zeigte sich überrascht und wusste nach eigenen Angaben von nichts.

Damit steht die Frage eines massiven Compliance-Problems im Raum. Zumal der VfB in der Vergangenheit bei diesem Thema extrem sensibel agierte: Dr. Dieter Gudel hatte vor seinem Amtsantritt als Vorstand seine eigene Berateragentur damals sauber abgegeben, um exakt solche Interessenkonflikte von der Lohmühle fernzuhalten.

Die Reaktionen der Beteiligten

HL-SPORTS hat Paul Manthey und den amtierenden Vorstand des VfB Lübeck heute mit einer detaillierten Frist zur Stellungnahme konfrontiert.

Das sagt Paul Manthey zu den Vorwürfen

Anzeige
Anzeige
Anzeige
AOK
Anzeige
Anzeige
Anzeige
VfB Lübeck
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Gegenüber HL-SPORTS wies Paul Manthey den Verdacht eines Interessenkonflikts entschieden zurück und erklärte das Firmenkonstrukt wie folgt:

„Die genannte soccer 3000 GmbH ist eine private unternehmerische Beteiligungsgesellschaft. Ihr tatsächlicher Geschäftsgegenstand ist eine Investition im Freizeitsportbereich: Die Gesellschaft hält eine Beteiligung an einem Padel-Sportprojekt auf Fehmarn. Mitgesellschafter ist unter anderem Maik Nawrocki – über seine Holdinggesellschaft Nawrocki Capital GmbH – als kapitalgebender Investor dieses Padel-Vorhabens.

Eine Tätigkeit als Spielervermittlung wird von der Gesellschaft nicht ausgeübt. Der entsprechende Passus im Gesellschaftszweck ist Teil eines breit gefassten Standard-Gründungsgegenstands und wurde zu keinem Zeitpunkt verfolgt: Die Gesellschaft hat keinen Spieler vermittelt, keinen Vermittlungsvertrag geschlossen, keinen Spieler angesprochen und in diesem Bereich keinen Umsatz erzielt.

Zwischen der soccer 3000 GmbH und dem VfB Lübeck besteht keinerlei geschäftliche Berührung – weder personell, sportlich noch wirtschaftlich. Es wurde kein Spieler des VfB Lübeck kontaktiert, beraten oder vermittelt. Damit besteht auch kein Interessenkonflikt zu meinem ehrenamtlichen Mandat im Aufsichtsrat. Meine Geschäftsführerbestellung diente allein der örtlichen Handlungsfähigkeit der Gesellschaft, insbesondere bei notariellen Terminen.“

Vorstand des VfB Lübeck reagiert nicht

Eine Anfrage an den Vorstand des VfB Lübeck bezüglich der Kenntnis und der internen Bewertung des Konstrukts blieb bis zum Ablauf der gesetzten Frist am Nachmittag unbeantwortet.

Was nun?

Wie der Verein dieses interne Beben im Kontrollgremium direkt nach dem wegweisenden Struktur-Beschluss moderieren will, ist völlig offen. Das nächste Kapitel auf der Lohmühle hat gerade erst begonnen.

Ausgliederung des VfB Lübeck - der richtige Schritt?

View Results

Wird geladen ... Wird geladen ...
Gefällt Dir unsere journalistische Arbeit?

Dann unterstütze uns hier mit einem kleinen Beitrag. Danke.

- Anzeige -

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein