Ausgewechselter HSV lässt KSC beim Jubiläum keine Chance

Fast ohne Kittel lief es vor dem Pokal-Hit richtig gut

Jubel auf der HSV-Bank nach dem Tor von Mario Vuskovic. Foto: Lobeca/Norbert Gettschat

Hamburg – Die Rothosen darf man doch noch nicht aus dem Aufstiegsrennen in der 2. Bundesliga streichen. Am Sonnabend gewann der Hamburger SV sein Heimspiel gegen den Karlsruher SC mit 3:0 (2:0) vor 24.892 Zuschauern im Volksparkstadion. Glatzel, Vuskovic und Vagnoman trafen für die Hausherren. KSC-Abwehrspieler Gordon sah die Gelb-Rote Karte. Für die Gastgeber war es das 1000. Punktspiel vor heimischer Kulisse seit der Bundesliga-Gründung im Jahr 1963.

Sonny Kittel (HSV) sitzt erstmal auf der Bank. Foto: Lobeca/Norbert Gettschat

Die 1. Halbzeit: Ohne Kittel in der Startelf

Eine kleine Überraschung gab es in der HSV-Startelf, denn Kittel nahm vorerst nur auf der Bank Platz. Sein Fehlen merkte man nicht, denn die Gastgeber hatten nach einer Findungsphase alles im Griff. Jatta (5.) und Karlsruhes Kaufmann (10.) sorgte für die ersten Torwart-Prüfungen auf beiden Seiten. Der Hamburger Rechtsaußen wurde von Gordon (bekam dafür die Gelbe Karte) gefoult und sorgte so für den ersten Auftritt von Vuskovic (18.) bei Freistößen. Normal eine klare Sache für Kittel, doch weil der fehlte, durfte der Kroate ran. Der erste Versuch ging knapp über das Badener Gehäuse. Auf der anderen Seite verfehlte Hofmann (21.) nach einem schnellen Konter die Führung. Jattas mustergültige Flanke in der 23. Minute fand genau den Kopf von Robert Glatzel, der das Leder zum 1:0 ins Netz beförderte. Danach übernahmen die Rothosen mehr und mehr das Kommando. Suhonen spielte schnell auf Vagnoman (28.), der KSC-Keeper Kuster zum Flug im Fünfmeterraum zwang. Da fehlte nicht viel. Eine Minute später war HSV-Kapitän Schonlau nach einer Ecke vermutlich etwas überrascht, denn hinter seinen Kopfball bekam er kaum Druck. Es ging so weiter und das störte Daniel Gordon, der dieses Mal Glatzel foulte. Das war schon zu viel für Schiri Patrick Alt aus Illingen, der dem Karlsruher daraufhin die Ampelkarte zeigte. Zweiter Versuch für Mario Vuskovic (32.) aus 28 Metern direkt ins Netz traf zum 2:0 traf. Der Tabellenneunte kam vor dem Seitenwechsel noch einmal zu einer Chance, weil Schonlaus Kopfballrückgabe zu kurz geriet. Goller (38.) war auf einmal vor Hamburgs Schlussmann Heuer Fernandes, doch sein Schuss ging rechts am Kasten vorbei. Eine Minute gab es gleich zwei Möglichkeiten für die Rothosen über die linke Seite. Eingeleitet von Vagnoman verpasste erst Kittel-Vertreter Kaufmann in der Mitte und danach verzog Suhonen deutlich nach einem Schuss von der Strafraumgrenze. Danach drehten die Hausherren noch einmal am Zeigen und spielten ein Powerplay vor dem gegnerischen Tor. Der Halbzeitpfiff rettete den KSC vermutlich vor dem nächsten Treffer.

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Mario Vuskovic (HSV) beim Freistoß zum 2:0. Foto: Lobeca/Norbert Gettschat

Nach der Pause: HSV spielt weiter Powerplay

Der zweite Durchgang begann so, wie der erste aufhörte. Die Hamburger machten viel Druck und ließen die Karlsruher kaum eine Verschnaufpause. Eine Flanke von Jatta setze kaufmann (51.) knapp vorbei. Auch in der nächsten Szene konnte Jatta (58.) nicht aufgehalten werden, nur der Abschluss aus 18 Metern hielt Kuster. Viele gute Szenen gab es vom HSV rund um den 16-Meter-Raum der Gäste, die allesamt nichts Zählbares einbrachten. Die Überzahl machte sich auf jeden Fall bemerkbar, nur das dritte Tor wollte noch nicht fallen. Einen Vagnoman-Hammer (65.) lenkte Kuster zur Ecke. Kittel durfte danach dann doch ran und brachte gleich Wintzheimer mit in die Begegnung. Beide sahen, wie Josha Vagnoman (68.) einen Abpraller vor die Füße bekam und mit einem satten Schuss ins linke Eck das 3:0 erzielte. Karlsruhe war weiterhin auf Schadensbegrenzung aus und hatte Glück, dass Wintzheimer in der 72. Minute nur das Außennetz traf und in der 88. Minute an Kuster scheiterte. Und auch Kittel (81.) versuchte es zwischen diesen beiden Chancen einmal aus 18 Metern – drüber. Durch diesen Sieg hielt sich der Hamburger SV möglicherweise die allerallerletzte Option offen, die Top-3 in der Tabelle noch einmal anzugreifen. Vor den Sonntagsspielen robbte sich das Walter-Team auf fünf Punkte heran.

Schiedsrichter Patrick Alt zeigt die Gelb-Rote Karte für Daniel Gordon (KSC). Foto: Lobeca/Norbert Gettschat

Das Fazit: Die zwei HSV-Gesichter

Warum nicht immer so? Ob der Platzverweis gegen Daniel Gordon die spielentscheidende Szene war, ist zu bezweifeln. Der HSV hatte ab der 10. Minute vieles und fast alles im Griff, ließ dem KSC fast keine Chance. Das anfängliche Fehlen von Sonny Kittel und dem gesperrten Ludovit Reis fiel nicht auf und man hatte eher das Gefühl, dass der Rest der Mannschaft viel kreativer auftrat. Warum auch nicht, denn ein Kittel, an dem oft sonst das Spiel hängt, war nicht da. Es mussten also andere Lösungen gefunden werden. So schlimm der Hamburger Auftritt vor einer Woche in Kiel war, so gut war er am Sonnabend im Volkspark gegen Karlsruhe. Ein Bakery Jatta schaffte es vermutlich zum ersten Mal in dieser Saison eine Flanke perfekt in die Mitte zu bringen, wo Robert Glatzel gar keine andere Möglichkeit hatte, seinen achten Kopfballtreffer zu markieren. Rundum eine tolle Vorstellung bei dem Anssi Suhonen der Man of the Match war. Der finnische 1,75 Meter-Wirbelwind war überall zu finden, holte sich die Bälle aus der Defensive, trieb die Kugel nach vorne, blitzte sehr häufig vor des Gegners Tor auf und nervte die Karlsruher immer wieder mit Grätschen. Die Frage bleibt: warum nicht immer oder zumindest öfter so? Die Generalprobe vor dem Pokalspiel am Dienstag gegen Bundesligist SC Freiburg (siegte 3:0 gegen VfL Bochum) ist dem HSV geglückt und was macht die Liga-Konkurrenz am heutigen Sonntag?

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Man of the Match: Anssi Suhonen (HSV) behauptest sich gegen Tim Breithaupt (KSC). Foto: Lobeca/Norbert Gettschat

Die Stimmen nach der Partie

Christian Eichner (Karlsruhe): „Die Geschichte des Spiels ist relativ schnell erzählt. Die Anfangsphase ging an den HSV, nach ein paar Minuten haben wir ordentlich teilgenommen und den in unseren Möglichkeiten den Gegner vorne zu stressen. Wir hatten eine aussichtsreiche Chance durch Philip Hofmann. Danach kommt der Doppelpack und die gelb-rote Karte. Dann wird es schwer. In der zweiten Halbzeit ging es darum, das Ergebnis möglichst lange offen zu halten. Das hat die Mannschaft in der zweiten Halbzeit ordentlich gemacht. Für den Einsatz hat sie dafür auch ein Kompliment bekommen. Der Sieg des HSV war absolut verdient.“

Tim Walter (Hamburg): „Wir haben von Anfang an gezeigt, dass wir dieses Spiel gewinnen wollten. Wir hatten eine brutale Energie. Mit welcher Leidenschaft und mit welcher Power die Jungs auftreten, wie sie sich freuen, ist schön zu sehen. Es ist ein tolles Gefühl, ein Teil dieser Truppe zu sein. Über die gesamte Spielzeit hat man gemerkt, dass wir dieses Spiel sehr souverän runterspielen trotz des jungen Alters. Wir haben uns sehr viele Chancen herausgespielt und ganz wenig zugelassen. Ich denke, wir haben einen guten Auftritt meiner Mannschaft gesehen. Jetzt freuen wir uns auf Dienstag. Das Pokalspiel wird ein schöner Fight.“

Das 1:0 für den HSV durch Robert Glatzel. Torwart Markus Kuster und Jerome Gondorf (beide KSC) haben das Nachsehen. Foto: Lobeca/Norbert Gettschat

Der 30. Spieltag (16./17.4.)

Hannover – Düsseldorf 0:0
Sandhausen – St. Pauli 1:1
Dresden – Kiel 0:0
Hamburg – Karlsruhe 3:0
Bremen – Nürnberg (So., 13.30 Uhr)
Darmstadt – Schalke
Heidenheim – Aue
Rostock – Regensburg
Ingolstadt – Paderborn

Bengalos der KSC-Fans. Foto; Lobeca/Norbert Gettschat

Die Tabelle

1.FC Schalke 042959 : 3453
2.FC St. Pauli3055 : 4053
3.SV Werder Bremen2953 : 3853
4.SV Darmstadt 982957 : 3851
5.1. FC Nürnberg2944 : 3849
6.Hamburger SV3054 : 3048
7.1. FC Heidenheim 18462937 : 3945
8.SC Paderborn 072950 : 4141
9.Karlsruher SC3050 : 4739
10.SSV Jahn Regensburg2946 : 4138
11.Holstein Kiel3038 : 4838
12.Fortuna Düsseldorf3038 : 3637
13.F.C. Hansa Rostock2936 : 4637
14.Hannover 963029 : 4236
15.SV Sandhausen3034 : 4735
16.SG Dynamo Dresden3028 : 4029
17.FC Ingolstadt 042926 : 5519
18.FC Erzgebirge Aue2927 : 6119
Jubel beim HSV nach dem 1:0. v.l. Torschütze Robert, Josha Vagnoman, Mikkel Kaufmann und Anssi Suhonen. Foto: Lobeca/Norbert Gettschat

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