
Hamburg – Ein bewegtes Jahr liegt hinter den Frauen des Hamburger SV. Sportlich wie strukturell haben die Rothosen 2025 große Schritte gemacht – das wird nicht nur an Ergebnissen und Zuschauerzahlen sichtbar, sondern auch an den Rahmenbedingungen. Zum Jahresende zog Leiterin Breuer Bilanz und der Club verstärkt sich zudem auf der Torhüterinnen-Position.
Besondere Momente und sportliche Entwicklung
Rückblickend reiht sich für Saskia Breuer ein Höhepunkt an den nächsten. In einem Interview auf der Vereinshomepage sagte sie vor Silvester: „Dieses Jahr lässt sich eigentlich kaum zusammenfassen – dafür gab es zu viele besondere Momente. Angefangen mit unserem ersten Spiel im Volksparkstadion vor fast 17.000 Zuschauern und dem ersten Tor von Emilia Hirche. Es folgte das unvergessliche Pokal-Halbfinale gegen Werder Bremen vor 57.000 Menschen. Dann der Doppelaufstieg innerhalb von 24 Stunden und die Feier auf dem Rathaus und an der Alster. Das sind Momente, die ich so noch nie erleben durfte. Sportlich war auch der Bundesliga-Start mit dem 3:3 in der Nachspielzeit gegen Wolfsburg ein echtes Ausrufezeichen – ein Spiel voller Leidenschaft, Emotionen und mutigem Fußball. Unsere Entwicklung in diesem Jahr ist außergewöhnlich und macht unglaublich viel Spaß.“
Mit dem Aufstieg in die Frauen-Bundesliga ging im Sommer ein personeller Umbruch einher. Neuzugänge wie Sophie Hillebrand und Melanie Brunnthaler führten schnell Verantwortung auf dem Platz. Breuer ordnet ein: „Im Zuge des Aufstiegs haben wir viel verändert – und die Integration der Neuzugänge ist uns sehr gut und schnell gelungen. Sie sind schnell ein Teil des Teams geworden, haben sich hervorragend eingefügt und identifizieren sich voll mit dem HSV. Es ist schön zu sehen, wie sie sich persönlich weiterentwickeln und unser Spiel bereichern.“
Verletzungen, junger Kader und Fan-Support
Die Hinrunde verlief jedoch nicht ohne Rückschläge. Verletzungen prägten den Saisonverlauf, insbesondere für einen jungen Kader. „Verletzungen sind leider nie planbar und für jede einzelne Spielerin sehr bitter. Jede Verletzung reißt eine Lücke. Gleichzeitig rückt das Team dadurch noch enger zusammen. Wenn eine Spielerin ausfällt, übernehmen andere mehr Verantwortung und machen den entscheidenden Schritt mehr – nur so können wir unsere gemeinsamen Ziele erreichen“, so Breuer.
Der HSV setzt bewusst auf junge Spielerinnen wie Leni Eggert, Lotta Wrede oder Almudena Sierra. „Das spricht für unsere Entwicklung und unsere Arbeit im Nachwuchs. Wir treten sehr mutig auf und wollen unseren Talenten möglichst viel Spielzeit geben, damit sie sich optimal entwickeln können. Eine positive Fehlerkultur ist dabei enorm wichtig: Junge Spielerinnen müssen spielen dürfen – und auch Fehler machen. Genau daraus lernen sie. Es macht uns große Freude, sie auf diesem Weg zu begleiten.“
Nach 14 Spieltagen stehen sieben Punkte und Tabellenplatz 13 zu Buche. Breuer bewertet die Lage realistisch, auch wenn die anderen beiden Mitaufsteiger bisher mehr als die doppelte Punktzahl erreichten: „Unsere Saison war bisher von Höhen und Tiefen geprägt – das ist für einen Aufsteiger völlig normal. Wir haben vieles umgestellt: den Schritt ins Profitum, neue Trainingsinhalte, ein neues Trainerteam. Für viele Spielerinnen ist es die erste Bundesliga-Saison überhaupt. Wir sind sportlich und strukturell deutlich gewachsen. Die Entwicklung geht voran und wir geben jedes Wochenende alles, um den maximalen sportlichen Erfolg zu erreichen. Aber natürlich sehen wir auch noch Potenziale, an denen wir täglich arbeiten. Es gab Spiele, in denen wir sehr gute Leistungen gezeigt haben, uns aber nicht belohnt haben. Das wollen wir in der Rückrunde besser machen und dafür die Winterpause zur intensiven Vorbereitung nutzen.“
Auch auf den Rängen zeigt sich die Entwicklung deutlich: Im Schnitt besuchten mehr als 6.000 Zuschauerinnen und Zuschauer die Heimspiele im Volksparkstadion. Breuer: „Der Support ist unbeschreiblich und bedeutet uns unglaublich viel. Die Fans tragen uns durchs Stadion, dafür sind wir sehr dankbar. Der Schritt ins Volksparkstadion war ein Meilenstein und eine große Wertschätzung für unsere Arbeit. Wir sind stolz darauf und spüren die volle Rückendeckung des Vereins und des Vorstands auf diesem gemeinsamen Weg.“
Neue Torhüterin und Blick nach vorn
Parallel zur sportlichen Analyse treibt der HSV auch die Kaderplanung voran. Mit Lea Paulick kommt eine erfahrene Torhüterin von Eintracht Frankfurt an die Elbe. Die 26-Jährige komplettiert künftig das Torhüterinnen-Team um Larissa Haidner und Inga Schuldt, die beide nicht immer glänzten.
Paulick bringt reichlich Erfahrung mit, die absolut von Nöten ist: Von 2016 bis 2024 stand sie beim 1. FC Nürnberg zwischen den Pfosten, absolvierte 148 Pflichtspiele und feierte dort Aufstiege bis in die Bundesliga. In der laufenden Saison kam sie in Frankfurt bereits zu einem Bundesliga-Einsatz. Ihre Motivation formuliert sie klar: „Der HSV hat sich wieder auf die Frauenfußball-Landkarte gespielt – und das mit einem unglaublichen Enthusiasmus und einer enormen Energie. Es ist beeindruckend, was die Mädels auf dem Platz, aber auch alle, die im Hintergrund für diesen Verein arbeiten, in den letzten Jahren geschaffen haben. Das Interesse am Frauenfußball in Hamburg ist so groß, dass Mal für Mal so viele Zuschauende den Weg ins Volksparkstadion finden. Umso glücklicher bin ich nun, ein Teil dessen zu sein und meinen Beitrag zum gemeinsamen Klassenerhalt leisten zu können. Ich habe Bock auf alles, was uns erwartet.“
Auch Breuer sieht in der Verpflichtung eine wichtige Verstärkung: „Lea bringt wertvolle Erfahrung auf höchstem Niveau mit und ist eine physisch starke Torhüterin, die in den vergangenen Jahren bereits hohe Trainingsintensität und -qualität erlebt hat. Nach dem Ausfall von Laura Sieger war es für uns wichtig, das Torhüterinnenteam gezielt zu verstärken. Wir sind überzeugt, dass Lea sportlich wie auch menschlich eine echte Bereicherung für unser Team sein wird.“
Erstes Spiel gleich ein Finale
Nach der Winterpause geht es für die HSV-Frauen am 25. Januar mit einem Heimspiel gegen die SGS Essen weiter. Breuer formuliert das Ziel klar: „Wir wollen uns weiter verbessern und im ersten Heimspiel des Jahres unbedingt drei Punkte holen. Die Pause ist kurz, tut aber allen gut, um einmal durchzuatmen. Jetzt gilt es, die Akkus aufzuladen und im Januar wieder voll anzugreifen.“ Und das ist vor allem wichtig, denn mit einem Sieg gegen den direkten Konkurrenten würde der Aufsteiger die Abstiegsplätze verlassen und so einen wichtigen Schritt Richtung Klassenerhalt machen.
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Bildquellen
- Paulick: Lobeca/Ines Hähnel
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