St. Pauli-Keeper Robin Himmelmann
Foto: Lobeca/Kaben

Den Namen „Gloria“ werden die Spieler und Betreuer des FC St. Pauli wohl so schnell nicht vergessen. So hieß nämlich das Sturmtief, das Mitte Januar für mehrere Tage in Ostspanien wütete. Straßen wurden überflutet und vor der Küste wurden Wellen in rekordverdächtiger Höhe gesichtet. Besonders heftig betroffen war die Region Valencia. Genau dort hatte die Mannschaft in der Winterpause ihr Trainingslager aufgeschlagen. Vom 12. bis zum 20. Januar sollte der Hamburger Verein im Parador El Saler südlich von Valencia gastieren.

Bereits am vorletzten Tag des Trainingslagers zwang das extreme Wetter die Kiezkicker dazu, eine geplante Einheit in den Kraftraum des Hotels zu verlegen. Auch ein Lauf am letzten Tag wurde gestrichen. Doch damit fingen die Turbulenzen erst an: Eigentlich sollte die Mannschaft am Montag, 20. Januar, von Alicante aus per Direktflug die Rückreise nach Hamburg antreten. Der Flughafen der Touristenhochburg blieb wegen des Sturms aber komplett geschlossen. Der neue Plan: Abflug von Valencia mit Umstieg in Düsseldorf.

Kiezkicker erreichen Heimat einen Tag später als geplant

Doch auch daraus wurde nichts: Nach einer langen Verspätung wurde schließlich ebenfalls der Flug nach Düsseldorf wegen Gloria gecancelt. Also mussten die Jungs vom Millerntor kurzfristig eine Nacht in einem Hotel in Valencia verbringen. Da sich die Wetterlage am Dienstag nicht wesentlich gebessert hatte, fassten die Club-Verantwortlichen kurzerhand einen Entschluss: Sie buchten ein Charter-Flugzeug von der spanischen Hauptstadt Madrid aus.

Ausschlaggebend für diese Entscheidung sei auch der bevorstehende Saisonbeginn der 2. Liga in der folgenden Woche gewesen. Und so ging die Reise für die Spieler zunächst per Bus von Valencia nach Madrid. Zum Glück nahm die Irrfahrt ein gutes Ende: Am Dienstagnachmittag landeten die Kicker sicher in Hamburg.

Erneuter Sieg gegen Wehen Wiesbaden

Der FC St. Pauli hatte bei seinem Trainingslager in Spanien weder auf eine große Anzahl von Spielen noch auf internationale Gegner gesetzt. Stattdessen ging es gegen zwei Teams, die ebenfalls in der 2. Liga spielen. Ein Kräftemessen unter sehr realistischen Bedingungen also.

Der erste Gegner war am 16. Januar der SV Wehen Wiesbaden, der auf einem Abstiegsplatz überwintern musste. Für die Hessen könnte es also direkt wieder zurück in die 3. Liga gehen. Gut einen Monat zuvor hatte St. Pauli das Ligaspiel gegen den SVWW noch mit 3:1 gewonnen. Und auch dieses Mal ging die Mannschaft in Braun-Weiß als Sieger vom Platz. Am Ende stand ein 5:2-Sieg.

Knappe Last-Minute-Niederlage gegen Bielefeld

Zwei Tage später forderte der FCSP dann Arminia Bielefeld heraus. Ein Spiel unter anderen Vorzeichen: Die Arminen verabschiedeten sich als Herbstmeister in die Winterpause und dürfen von der ersten Saison im Oberhaus seit 2008/2009 träumen. Auch bei Anbietern von Fussball Wetten wie William Hill wird das Team von der Alm als einer von zwei Top-Kandidaten auf die Zweitliga-Meisterschaft gehandelt. Gleichauf ist ausgerechnet St. Paulis Lokalrivale, der HSV. Der VfB Stuttgart folgt als Dritter (Stand: 28. Januar).

Dem FC St. Pauli gelang es jedoch nicht, die Überraschung vom 18. Spieltag zu wiederholen, als man den Tabellenführer mit 3:0 nach Hause schickte. Stattdessen stand es nach packenden 120 Minuten am Ende 3:4, wobei Arminia Bielefeld das entscheidende Tor fast mit dem Schlusspfiff erzielte.

Luhukay zieht positives Fazit

Trotz des Resultates gegen Bielefeld blickt Trainer Jos Luhukay „sehr positiv gestimmt“ auf die Winterpause zurück. Vor allem die Offensive lobte er. Bei acht Toren in zwei Begegnungen gegen direkte Konkurrenten sieht er mit Optimismus in die Rückrunde. Auch die Trainingseinheiten bewertet er als erfolgreich: Die Mannschaft und er seien mit dem geplanten Programm gut durchgekommen.
Die Erfahrungen mit Gloria könnten am Ende doch etwas Positives haben: Zumindest wird den Kiezkickern das berüchtigte Hamburger Schmuddelwetter nun nicht mehr ganz so schlimm vorkommen. Und vielleicht freuen sich die Jungs ja auch, die nächsten Reisen zu Auswärtsspielen auf dem Landweg antreten zu können. (AW)