Der SV Azadi Lübeck II empfing am Donnerstagabend den VfL Vorwerk. Foto: Lobeca/Niklas Runne

Lübeck – Am Donnerstagabend kam es zu einem Nachholspiel in der Kreisliga Südost. Mit dem SV Azadi Lübeck II und dem VfL Vorwerk trafen zwei Mannschaften aufeinander, die in den vergangenen Wochen kaum Punkte einfahren konnten. Dabei war die Gefühlslage allerdings sehr unterschiedlich, denn während der abstiegsbedrohte VfL gute Leistungen zeigte und sich einfach nicht belohnte, war bei der Zweitvertretung zuletzt wenig zufriedenstellend. Vor allem die Defensive zeigte sich enorm löchrig, was sich auch an diesem Abend widerspiegeln sollte.

Frühe Chance für Azadi

Personell sah es bei beiden Mannschaften sehr unterschiedlich aus. Der VfL Vorwerk kam mit nahezu voller Kapelle an den Koggenweg, musste einzig auf Innenverteidiger Ali Manzoune verzichten. Ansonsten standen Trainer Benjamin Schramm nahezu alle Spieler zur Verfügung, sodass auch die Bank ziemlich voll war. Beim SV Azadi Lübeck II sah dies ganz anders aus. In den vergangenen Wochen war dieser bereits von Ausfällen geplagt, was sich fortsetzte. Im Tor stand mit Luqman Rezai ein eigentlicher Feldspieler. Zudem fehlte Torjäger Ramezan Hassan, der gemeinsam mit Schlutups Mert Büyükdemir die Torjägerliste anführt. Trainer Awar Rashid rotierte etwas durch, dennoch sollte die Truppe individuell ausreichend sein, um den Tabellenletzten zu bezwingen. Von Beginn an war es der Aufsteiger, der den Ball durch die eigenen Reihen laufen ließ und klare Ballbesitzvorteile hatte. Das Tempo fehlte dabei allerdings, sodass wenig Zug nach vorne entwickelt wurde. Vorwerk stand in den ersten Minuten ziemlich hoch im 4-4-2 gegen den Ball. Die erste Chance hatten die Hausherren. Halo Ali steckte durch zu Adam Ogonowski, der allerdings an David Pioro scheiterte. Die anschließende Ecke fand erneut den Stürmer, der den Ball allerdings nicht festmachen konnte. In der elften Minute kam Vorwerk dann zu seiner ersten Möglichkeit. Niclas Tiessen, der erneut sehr auffällig war, verlagerte das Spiel nach links, anschließend kam die Kugel in die Mitte, wo mehrfach der Abschluss verpasst wurde. Tiessens Abschluss war letztlich leichte Beute für den Torhüter Azadis.

Vorwerk bejubelt den Führungstreffer. Foto: Lobeca/Niklas Runne

Vorwerk verpasst nachzulegen

Im Anschluss kam erneut die Zweitvertretung zum Schuss, doch Nojdar Farhans Schuss konnte Pioro im Nachfassen aufnehmen. Auf der Gegenseite machte Rezai im Tor eine unsichere Figur, woraus die Gäste allerdings kein Kapital schlagen konnten. Die ersten 20 Minuten in einem keineswegs ansehnlichen Kreisligaspiel gingen aufgrund von mehr Spielanteilen noch an die Heimmannschaft. Farhans Freistoß fand Ali, der per Kopf knapp verpasste. Elf Minuten später wurde Vorwerk nach einer Ecke gefährlich, wobei Azadi erneut nicht konsequent genug klären konnte, doch der abgefälschte Abschluss ging ein gutes Stück am Tor vorbei. Drei Minuten später fiel der erste Treffer des Abends. Ein Pass in die Tiefe fand Ömer Ünsal, der allein aufs Tor zulaufen konnte, doch zur Verwunderung aller den Ball per Hacke wieder ablegte. Stattdessen zog Timo Yilmaz (34.) ab und traf zur Vorwerker Führung. Es war nicht unverdient, auch wenn Azadi zu diesem Zeitpunkt noch die besseren Chancen hatte, allerdings war die Mannschaft aus dem Teichstadion gut im Spiel. Die Führung sollte der Schramm-Elf etwas mehr Sicherheit und Entschlossenheit geben, sodass die letzten Minuten des ersten Durchgangs klar an sie gingen. Im Minutentakt boten sich nun Gelegenheiten für den VfL. Zunächst nutzten sie eine unübersichtliche Situation, in der Azadi nicht richtig klären konnte, nicht. Im Anschluss tauchte Mehmet Sütlü allein vorm Tor auf, ging zu Fall, doch Vorwerk spielte weiter, nutzte den Vorteil aber nicht aus. Beides hätten das 2:0 sein müssen. Stattdessen kam mit der letzten Aktion vor dem Pausentee nochmal der Gastgeber zu einer guten Chance, Ogonowski setzte einen Kopfball allerdings völlig blank aus kurzer Distanz über den Querbalken.

Antwort direkt nach Wiederbeginn

Nach 45 Minuten war das Tabellenschlusslicht in Führung und dies war alles andere als unverdient. Sie zeigten eine gute erste Hälfte, einzig die schwache Chancenverwertung musste man sich ankreiden lassen. Azadi dagegen zeigte keinen guten ersten Durchgang und konnte keineswegs zufrieden sein. Vorne gab es zwar gute Möglichkeiten, doch hinten war es teils vogelwild, sodass man sich glücklich schätzen konnte, dass der Gegner dies nicht bestrafte. Zur Pause reagierte Trainer Rashid, sodass gleich drei neue Spieler in die Partie kamen. Alican Kaya, Cüdie Cibrail und Gidy Baroush ersetzten Ogonowski, Ali und Karo Mohammad. Die Umstellungen sollten fruchten, denn Azadi II kam deutlich schwungvoller aus der Kabine. Karusch Saade (47.) bestrafte einen individuellen Fehler der Vorwerker Hintermannschaft bei der Entstehung einer Ecke und glich nach dieser aus. Sollte dieses Spiel nun kippen? Das war eine spannende Frage. Azadi hatte weiterhin mehr den Ball, doch tat sich zunächst schwer, klare Chancen herauszuspielen. Oftmals ging es über Joker Alican Kaya, der die rechte Seite komplett belebte, allerdings stand Vorwerk kompakt. Erst in der 69. Minute gab es wieder eine klare Torchance, allerdings war Pioro gegen Kayas Abschluss zur Stelle. Im Anschluss kippte das Spiel wieder in Richtung Vorwerk, die klar wussten, dass an diesem Abend durchaus eine Menge drin war.

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Am Ende war der VfL dem Sieg näher. Foto: Lobeca/Niklas Runne

Schlusslicht lässt Siegtreffer liegen

Mehmet Sütlü schloss ab, doch Rezai war zur Stelle. Fünf Minuten später gab es dann die Riesenchance für das Kellerkind. Ramadan Al Selaivany schloss ab, der Torwart musste sich strecken und lenkte den Ball an den Pfosten. Es war die Riesenchance für die Gastmannschaft, erneut in Führung zu gehen. Chance um Chance wurde liegen gelassen, denn keine 120 Sekunden später folgte die nächste. Ömer Ünsal ließ den Keeper bereits hinter sich, hatte das fast leere Tor vor sich, doch bekam keine Kraft mehr hinter den Abschluss. So konnte Azadi klären, doch für den Offensivspieler kam es noch bitterer, denn er verletzte sich dabei und musste vorzeitig vom Feld. Es war ein Spiel, in dem keine Mannschaft so richtig zufrieden mit dem Remis sein würde, sodass beide durchaus weiterhin den Weg nach vorne suchten. Die Platzherren kamen erneut über Rechtsaußen Alican Kaya, der rüberlegte, doch sein Mitspieler brachte die Kugel nicht im Tor unter. Anschließend klärte Vorwerk. Die Nachspielzeit war angebrochen und es gab noch vier Minuten Zeit, um doch noch einen Sieger zu finden. Die Gäste wollten es dabei mehr und kamen zu letzten Chancen. Sütlü zog vorbei und mit der letzten Aktion fand ein Freistoß von Azan Malik Timo Yilmaz, der den Ball allerdings nicht festmachen konnte. So fand diese Partie am Donnerstagabend keinen Sieger. Für Vorwerk war es nach sechs Niederlagen in Serie mal wieder ein Punktgewinn, doch aufgrund der vielen ungenutzten Chancen war am Koggenweg deutlich mehr drin.

Chancenverwertung das große Manko

Benjamin Schramm, Trainer des VfL Vorwerk, sagte nach dem Spiel: „Ich denke, wir haben absolut einen Punkt verdient gehabt, wenn nicht sogar drei. Wir haben unglaublich viele Chancen gehabt, was wir da vorne heute liegengelassen haben, da kann sich Azadi, glaube ich, nicht beschweren, wenn wir 5:1 oder 6:1 gewinnen. Wir kommen aus der Halbzeit, hatten die ersten zehn Minuten die Spannung verloren, das ist etwas ärgerlich, da fällt dann wieder so ein blödes Gegentor, das unnötig war, weil vorher in der Entwicklung wieder ein Fehler war. Das kann man verhindern, aber ansonsten kann man der Mannschaft heute den Willen überhaupt nicht absprechen. Sie haben es gut gemacht, Gas gegeben, aber die Chancenverwertung war halt heute grausam. Dann hat man am Ende schon gemerkt, dass wir unten stehen, weil wir in einigen Situationen nervös werden, wenn es nicht so läuft. Da müssen die Jungs viel cooler werden, aber sie zeigen auch Woche für Woche, dass sie noch leben, und das ist ein gutes Zeichen. Wie ich immer sage, wir haben noch genügend Chancen, nun sind es noch sechs, heute haben wir einen Punkt eingefahren, das war auch fast das Minimalziel, wo wir gesagt haben, das wollen wir jetzt mal machen, um auch mal eine Belohnung zu haben. Wenn man den Spielverlauf so sieht, dann ist es natürlich zu wenig, denn hier sind drei Punkte fast schon Pflicht gewesen.“

Azadi bleibt sieglos

Der SV Azadi Lübeck II bleibt weiterhin außer Form und wartet nun seit schon fünf Spielen auf einen Sieg. Trainer Awar Rashid sagte zum Remis gegen Vorwerk: „Es war heute nicht unser Spiel. Wir haben ein bisschen Veränderungen drin gehabt, ein bisschen die anderen spielen gelassen, aber im Großen und Ganzen war es heute kein Fußballspiel, sondern ein Kampf mit dem Ball. Die Zweikämpfe nicht gewonnen, den Gegner vielleicht auf die leichte Schulter genommen, vorne zu viele Chancen liegengelassen, teilweise im Zentrum nicht da gewesen. Wir sind die meiste Zeit auch auf falschen Positionen gestanden, zu hektisch in den Zweikämpfen gewesen und dem Gegner zu viel Raum gelassen. Wir standen heute einfach nicht richtig. Vorwerk hätte das Spiel eigentlich auch entscheiden können. Glückwunsch an Vorwerk für den Punkt und wir gucken, was Sonntag passiert.“

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