
Lübeck – Donnerstag, 18.30 Uhr, Treffpunkt Lohmühle. Der VfB Lübeck lud ein. Eigentlich sollte es ein ganz normales Netzwerktreffen des “Club der Hanseaten“ werden. Verschiedene Unternehmen waren eingeplant, um sich bei den VfB-Sponsoren vorzustellen, doch kurzfristig wurde der Abend um einen weiteren Tagesordnungspunkt erweitert. Fans, Liquidität und “Anstoß Zukunft“ wurden mit aufgenommen und diese drei Themen bestimmten den dynamischen Ablauf.
Für dieses Fiasko möchte anscheinend niemand verantwortlich sein
Ausschlaggebend war ein Interview des Vorstandsvorsitzenden Dr. Dieter Gudel Anfang dieser Woche bei HL-SPORTS (hier lesen) und RADIO LÜBECK. Dort sagte er, dass „neben diesen ganzen positiven Entwicklungen für diese Rückrunde immer noch mindestens 250.000 Euro fehlen“. Ein versteckter Hilferuf? Vielleicht, denn die Saison endet in weniger als zwei Monaten. Der 50-Jährige nannte es „die letzte Hürde“ vor der geplanten Ausgliederung in eine Kapitalgesellschaft zur neuen Spielzeit. Diese scheint inzwischen auch von den Fans mit einer deutlichen Mehrheit akzeptiert zu sein. Auf der dafür erforderlichen Außerordentlichen Mitgliederversammlung scheint also niemand mehr den Spielverderber spielen zu wollen. Die Botschaften des Finanzamtes waren klar: Wird das nicht erledigt, dürfte dem Gesamtverein die Gemeinnützigkeit entzogen werden. Für dieses Fiasko möchte anscheinend niemand verantwortlich sein. Also sieht es nach einem Schulterschluss zwischen allen Gremien aus – ein Signal, auf das viele Sponsoren gewartet haben, um selbst wieder Sicherheit für ihre Investitionen zu gewinnen.
Der Netzwerkabend sollte also noch einmal die Sponsoren abholen und motivieren die letzte Meile auch noch zu schaffen. Und so kam es dann auch – zumindest wurde dafür der Aufschlag gemacht.
Aufsichtsrat steht hinter Vorstand
Nachdem Gudel unter Beobachtung der drei anwesenden Aufsichtsräte Carsten Abbe, Dennis Tensfeldt und Eckhard Evers den Unterstützern des Vereins die Situation bis ins kleinste Detail erklärt hatte, war die Erleichterung im Raum spürbar: Transparenz schafft Vertrauen.
Besonders das Signal aus dem Kontrollgremium wog schwer: Abbe unterstrich die neue Einigkeit und stärkte dem Vorstand öffentlich den Rücken. „Ich stehe auf Dieters Seite“, so sein klares Statement für den Vorstand, das als deutliches Aufbruchssignal für das gesamte Gremium gewertet wurde. Ein Schulterschluss, der für die kommenden Tage und die finale Umsetzung von “Anstoß Zukunft“ die notwendige politische Stabilität liefert.
Vier Sponsoren eröffnen am Donnerstag “Sonderbeitragskonto“
Nach einer kurzen Pause war für einige im Raum klar, dass nun Taten folgen müssen – schnell. Das war ein Zeichen für die rund 40 Sponsoren – und vier von ihnen zückten Geld aus der Tasche, brachten es innerhalb einer Minute auf 11.000 Euro “Sonderbeitrag“. Bemerkenswert dabei: Die Zusage der Unterstützer war an eine klare Bedingung geknüpft. Das Geld fließt als Vertrauensvorschuss in die Person Gudel und seinen Sanierungskurs. Für die Sponsoren ist die personelle Kontinuität an der Vereinsspitze die Grundvoraussetzung, um diesen letzten Kraftakt überhaupt mitzutragen.
Rehder setzt ein kleines Zeichen
Diese Aussage und dieses Blitz-Engagement der Anwesenden ließ auch den ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Thomas Rehder nicht kalt, der den Abend sichtlich interessiert verfolgte. Rehder, dem der Verein noch 75.000 Euro aus einem früheren Darlehen schuldet, setzte ein kleines Zeichen: Er gab bekannt, die fällige Rückzahlung aufzuteilen. Ein Teil soll im Spätsommer, der Rest erst im kommenden Jahr fließen.
Auch wenn der Unternehmer aktuell kein “frisches Geld“ zuschießt – was nach den turbulenten Ereignissen und seinem Rücktritt im Jahr 2024 menschlich für alle im Raum mehr als nachvollziehbar war –, leistet er durch dieses Stillhalten einen entscheidenden Beitrag zur Stabilität. Rehder beweist damit einmal mehr seine Verbundenheit zum VfB Lübeck und verfolgt die aktuelle, positive Entwicklung unter Gudel wohlwollend. Es ist ein Signal der Versöhnung und des Respekts vor dem eingeschlagenen Sanierungskurs, das in der aktuellen Phase Gold wert ist.
Stolz und neugewonnene Seriosität
Nach vier Stunden stand der Plan: Der “Club der Hanseaten“ soll sich zum “Club der Retter“ wandeln. Bewusst hatte die Vereinsführung bisher auf eine erneute, breit angelegte öffentliche Sammelaktion verzichtet. Nach der großen Rettungsaktion vor knapp anderthalb Jahren sollte der VfB nicht als Bittsteller dastehen, der ständig die Hand aufhält. Diesen Stolz und die neugewonnene Seriosität hat Gudel dem Verein zurückgegeben und sich damit viel Respekt verdient.
Doch nun geht es nicht um das Stopfen von Löchern, sondern um den letzten, entscheidenden Befreiungsschlag. Aus dem “Club der Hanseaten“ heraus soll die finale Hürde genommen werden – quasi als geschlossene Einheit der regionalen Wirtschaft. Innerhalb weniger Augenblicke schrumpfte die Lücke bereits von 250.000 Euro auf 239.000 Euro. Ein weiterer Erfolg für Gudels Kurs der klaren Kante. Die Devise lautet nun: Ein letzter, gemeinsamer Kraftakt, um den VfB schuldenfrei und ohne Altlasten in das Projekt “Anstoß Zukunft“ zu führen. Es ist die einmalige Chance, die Vergangenheit endgültig hinter sich zu lassen und als saubere Kapitalgesellschaft völlig neu zu starten. Ambitioniert ist das Ziel, denn bis zum kommenden Freitag (27. März) müssen 100.000 Euro Liquidität vorhanden sein. Der Rest bis Mai.
Letzter Schritt zur Freiheit
Noch am Freitag wurden die Mitglieder des „Club der Hanseaten“ schriftlich über die Situation informiert. Dabei soll es einen Gegenwert geben und nicht einfach nur “geschenktes Geld“. Diese wurden dabei bereits genannt: „Hanseaten-Spiel“, Ticketkontingente für soziale Einrichtungen, Gemeinsame Fanshop-Aktionen, Lebenslange Dauerkarte oder VIP-Kontingente für die kommende Saison und einiges mehr.
Nun hoffen Gudel und sein unermüdliches Team auf der Geschäftsstelle sowie in der Mannschaftskabine, dass die Summe in kleinen Beträgen zusammenkommt. Wie sagte ein Sponsor am Donnerstag: „Wir sind 140 Sponsoren, wenn jeder nur 1.000 Euro beisteuern würde, wäre der Kahn wieder auf See.“ Und wer mehr dazu beitragen kann oder möchte, wird sicherlich mit offenen Armen empfangen. Es geht um den letzten Schritt zur Freiheit.
Bildquellen
- Gudel: Lobeca
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