Der HSV-Unterschied zu Hertha BSC: „Wir sind ein Team!“ – Familie Walter ist live dabei

Magath schiebt Zweitligisten die Favoritenrolle rüber

Robert Glatzel (Hamburger SV) gegen Lucas Tousart (Hertha BSC). Foto: Lobeca/Felix Schlikis

Hamburg – Der Sonntag stand ganz im Zeichen der Pressekonferenzen vor dem Relegationsrückspiel zur Bundesliga zwischen dem Hamburger SV und Hertha BSC am heutigen Montag (23.5.) um 20.30 Uhr im bereits ausverkauften Volksparkstadion. Der HSV gewann am vergangenen Donnerstag das erste Aufeinandertreffen im Berliner Olympiastadion durch einen Treffer von Ludovit Reis in der 59. Minute mit 1:0. Die Hauptstädter müssen mit einem Tor Unterschied gewinnen, um eine Verlängerung zu erzielen, ein höherer Sieg für sie würde den Klassenerhalt bedeuten und die Rothosen blieben in der 2. Liga. Gewinnen die Rothosen oder spielen sie Unentschieden wäre der Zweitligist nach vier Jahren zurück im Fußball-Oberhaus. Eine Auswärtstorregel gibt es nicht.

Das sagen die Berliner vor dem Spiel

Zuerst traten der Berliner Trainer Felix Magath sowie Geschäftsführer Fredi Bobic um 9.30 Uhr auf das Podium im Olympiastadion. Beide wirkten sehr angespannt.

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„Der HSV hat nun etwas zu verlieren“

Magath: „Wir waren in den vergangenen Wochen schon mehrfach kurz davor, den Klassenerhalt zu sichern. Relativ spät haben wir dann aber jeweils einen Rückschlag kassiert. Wir haben es bisher immer geschafft, nach einer Enttäuschung wieder zurückzukommen und anzugreifen. So sehe ich das nach dem Hinspiel auch. Ich bin davon überzeugt, dass wir auch diesen Rückschlag wegstecken. Es ist nicht viel passiert, es gibt so viele Beispiele, dass Mannschaften Rückstände im Rückspiel gedreht haben. Unsere Chancen sind nach wie vor groß! Wir müssen die Situation so nehmen wie sie ist. Im Moment sind wir raus. Wir haben eine Situation, in der wir nur noch gewinnen können. Der HSV hat nun etwas zu verlieren und der Druck liegt bei den Hamburgern, nicht mehr bei uns. Wir haben gute Chancen, das Ergebnis noch zu drehen. Die Stimmungslage ist zielgerichtet auf die Partie. Ich spüre, dass sich wieder etwas entwickelt in der Truppe. Wir sind bereit! Marco Richter und Stevan Jovetić stehen beide zur Verfügung, sind fit und gesund. Auch Santiago Ascacíbar kommt zurück, er hat uns am Donnerstag als sehr wichtiger Mentalitätsspieler gefehlt. Er ist ein laufstarker und für den Gegner unangenehmer Zweikämpfer. Santi wird am Montag eine große Rolle spielen, das gilt auch für Prince Boateng. Er ist ein Finalspieler, der weiß, wie es geht. Prince wird in der Offensive für Ordnung sorgen. Wir haben wieder mehr Qualität zur Verfügung und deswegen werden wir stärker auftreten.“

„Der Montag ist der entscheidende Tag“

Bobic: „Die Karten liegen auf dem Tisch. Es gibt nur noch dieses eine Spiel, das ist ein Finale für uns. Wir müssen gewinnen! Ich bin davon überzeugt, dass die Jungs mit einer gewissen Wut ins Spiel gehen. Wir haben so viele Nackenschläge kassiert, sind aber immer zurückgekommen. Jetzt zählt es! Wir brauchen Intensität und Leidenschaft auf dem Rasen. Die Woche wird nicht langweilig. Aber was war in diesem Jahr schon langweilig? Der Montag ist der entscheidende Tag, der ist sehr wichtig. Was danach kommt, darüber können wir ab Dienstag sprechen. Für Hertha BSC ist es eine sehr, sehr wichtige Woche.“

Das sagt Tim Walter

Um 11.30 Uhr ging es dann im Volkspark für Tim Walter beim HSV weiter. Ein kleiner Spaß am Anfang und eine lockere Stimmung zog sich durch das Gespräch mit den Journalisten.

„Wir haben keine Angst vor Druck“

Walter: „In den Tagen zwischen Hin- und Rückspiel geht es einzig und allein darum, gut zu regenerieren, um bis Montagabend wieder zu Power und zu Kräften zu kommen. In dieser Zeit wird jeder Spieler individuell gesteuert, daher waren auch einige nicht mit auf dem Trainingsplatz, sondern haben individuell gearbeitet. Denn es geht nur um das Spiel am Montagabend, um nichts anderes, und bis dahin liegt der volle Fokus auf der Gesundheit, damit wir alle Mann dabeihaben. Tim Leibold wird noch nicht im Kader sein, ist aber bei jedem Training dabei und auch so immens wichtig für die Mannschaft. Und gestern war auch Anssi Suhonen erstmals nach seinem Wadenbeinbruch wieder in der Kabine. Die Jungs haben sich riesig gefreut, ihn zu sehen, und Anssi hat auch schon wieder viel gelacht und richtig Energie reingebracht. Wir haben keine Angst vor Druck, denn wir wissen, dass Druck ein Privileg ist. Diese Situation haben wir uns schließlich selbst erarbeitet und wir können damit umgehen, zumal wir schon seit Wochen nur noch Endspiele haben und zusätzlich zur Liga und den mitunter schwierigen Phasen auch im DFB-Pokal gezeigt haben, dass wir solche Situationen meistern können. Deshalb machen wir einfach ganz genauso weiter wie bisher, wir ziehen unser Ding durch und gehen unseren Weg weiter. Denn der ist noch nicht zu Ende, wir sind noch nicht am Ziel, wir sind noch nicht fertig. Deshalb bleiben wir bei uns als Team, denn Teams können als echte Gemeinschaft Großes erreichen. Wir haben den totalen Fokus, es ist schließlich noch gar nichts gewonnen. Es ist erst Halbzeit, und in der Halbzeit freut man sich nicht, sondern konzentriert sich auf die zweite Hälfte. Montag geht`s weiter – nach diesem Motto verfahren wir seit dem Schlusspfiff in Berlin und so sind wir die Tage auch angegangen. Denn wir wissen, dass wir im Rückspiel alles reinhauen müssen, was in uns steckt. Aber die Jungs sprühen vor Energie, Mut, Überzeugung und Vorfreude auf den Montagabend. Wir konzentrieren uns zu 100 Prozent auf uns und unser Spiel, alles andere interessiert uns nicht und wird komplett ausgeblendet. Es geht nur um uns und unser Spiel, denn wir wollen uns, unsere Fans und die ganze Stadt glücklich machen.“

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Es werden fehlen…

…bei Hertha BSC: Alexander Schwolow, Kelian Nsona, Marton Dardai, Davie Selke, Dong-jun Lee, Lukas Klünter, Marcel Lotka und Linus Gechter.

…beim HSV: Elijah Krahn, Tim Leibold und Anssi Suhonen.

Dabei: Walter-Familie

Für den HSV-Coach wird es auch eine Familienzusammenführung, denn die kommt aus München und ist im Stadion live dabei. „Wir telefonieren jeden Tag, sogar mehrfach und die werden alle da sein“, so der 46-Jährige. Und dann ging es noch um das Lasso, dass der Trainer vielleicht wegen eines möglichen „Überpacen“ rausholen muss. Walter dazu: „Wenn ich ein Lasso werfe, ist es so weit gestreckt, dass alle da wieder rausschlüpfen können und trotzdem wissen, dass sie nicht über den Lassorand begeben sollten. Die Jungs wissen, wie sie es machen und ich brauche mich nicht darum zu kümmern. Der Weg dorthin war das Ziel und den sind die Jungs mitgegangen und den gehen wir weiter, denn wir sind noch nicht am Ende.“

Feier geplant?

Natürlich hoffen die HSV-Fans auf den Aufstieg, doch sollte es klappen, ist noch nicht klar, wie gefeiert wird. Als Idee gelten das Volksparkstadion und der Rathausmarkt am darauffolgenden Tag. Doch geplant ist offiziell noch nichts.

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