Dompteur Tim Walter will noch mehr Dominanz – HSV startet bei den Löwen

Rothosen wollen von Beginn abliefern – Wackelkandidaten im Fokus

Tim Walter (Trainer). Foto: Lobeca/Norbert Gettschat

Hamburg – Bauchlandung? Verboten! Der Hamburger SV geht als der Top-Favorit in die neue Zweitliga-Saison. Wie es allerdings einem solchen Favoriten ergehen kann, das zeigte am Freitagabend die Eröffnungspartie von Hannover 96 bei Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern. Die Niedersachsen verloren auf dem Betzenberg. Der HSV ist am Sonntag um 13.30 Uhr beim zweiten Liganeuling zu Gast: Eintracht Braunschweig.

Eintracht-Trainer: „Jeder weiß, was auf uns zukommt“

Die Löwen schafften den direkten Wiederaufstieg und wollen zuhause eine gute Vorstellung leisten. Braunschweig-Trainer Michael Schiele sagt vor der Partie: „Wir sind vorbereitet, mit dem HSV kommt aber ein Schwergewicht auf uns zu, das sicher ein Top-Favorit auf den Aufstieg in die Bundesliga ist. Die Vorfreude ist groß, wir haben wenige Verletzte und haben in der Vorbereitung gut arbeiten können. Benjamin Girth wird ausfallen, er hat sich eine leichte Bänderverletzung zugezogen, ist aber bereits auf dem Weg der Besserung. Es ist nichts dramatisches.“ Dabei hat er seinen Kollegen genaustens studiert: „Jeder, der die Spielphilosophie von Trainer Tim Walter verfolgt hat, der weiß, was auf uns zukommt. Der HSV ist wirklich brutal spielstark, sie haben immer eine Menge Ballbesitz und viele Positionswechsel. Spieler tauchen auf Positionen auf, in denen sie nominell nicht aufgestellt sind. Sie haben enorme individuelle Qualität und gehen auch ins Risiko. Auch über Standards und aus der Distanz haben sie Qualität und auch Tempo im Spiel. Das werden wir vom HSV sehen.“

Vom „Wut-Walter“ zum Softi?

Rothosen-Dompteur Tim Walter bleibt bei sich und seiner Mannschaft. Dabei wurde er in der Trainingswoche etwas lauter. Dazu sagte er: „Ich habe die Alliteration vom „Wut-Walter“ in den Medien wahrgenommen. Auf den Wut-Walter folgt der weiche Walter“ und lacht dabei. „Ich bin ein Mann der klaren Worte. Wenn mir etwas nicht passt, dann spreche ich das an. Ich will, dass die Jungs fokussiert bleiben. Es darf kein Schlendrian einkehren. Wir müssen immer aufpassen, die Sinne zu schärfen. Die Jungs machen es gut. Die Messlatte ist gelegt und gut, aber ich will das jeden Tag sehen. Es ist völlig menschlich und normal, dass es dann mal lauter wird. Sobald es in die Kabine geht, ist das Thema wieder erledigt. Auf dem Platz geht es mir um die Arbeit, aber nicht um die Menschen an sich. Grundsätzlich sind wir auf einem guten Weg. Unsere Abläufe sind viel eingespielter. Die Philosophie, die ich versucht habe, im Club zu implementieren, hat bereits ein anderes Level erreicht. Wir sind auf einem hohen Niveau und wollen unseren Weg jetzt weitergehen.“

Walter: „Wir wollen das abliefern, was alle von uns erwarten.“

Von Druck wollte er in der Pressekonferenz nur einmal sprechen. „Ich habe schon oft betont, dass Druck ein Privileg ist. Nur derjenige, der um etwas spielt, kämpft und arbeitet, darf das auch haben. Ich empfinde Druck als angenehm und Bestätigung der Arbeit. Mir macht es Freude, in diesem Club arbeiten zu dürfen. Nicht jeder darf das. Es ist kein Druck, sondern ein Anreiz. Wenn es nach mir geht, hätten wir noch viel früher anfangen können. Ich konnte es gar nicht abwarten, bis es weitergeht. Wir scharen mit den Hufen. Wir wollen es noch besser machen. Wir sind voller Energie und Tatendrang. Wir wollen das abliefern, was alle von uns erwarten. Wir sind in einer Situation, in der wir die Herausforderung annehmen, Favorit zu sein. Damit sollte die Nachfrage zu Beginn der Saison aber auch einmal final geklärt sein. Wir müssen jetzt nicht jeden Spieltag eine Wasserstandsmeldung zu unserem Ziel abgeben.“ Und das ist klar definiert: Aufstieg! „Wir wollen noch dominanter sein und noch mehr Dominanz ausstrahlen.“

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Bewegung im Kader auf der Abgangsseite möglich

Im Kader kann noch das eine oder andere passieren. Der Rumpf steht. Abgänge wird es sicherlich noch geben. Zur Leihe stehen Robin Meißner (Viktoria Köln soll Interesse haben) und Aaron Opoku (vielleicht zu Fortuna Düsseldorf, Eintracht Braunschweig oder Rapid Wien). Bei dem 23-Jährigen könnte es sogar ein kompletter Abgang werden. Dreimal wurde er in Folge bereits verliehen. Die Tage von Torwart Marko Johansson sind gezählt, das sollte klar sein. Er fehlte auf dem Mannschaftsfoto. Ein Abgang gilt als ziemlich sicher. Der Schwede ist derzeit bei seinem Heimatverein Malmö FF und hält sich dort fit.

Kommt noch ein Vagnoman-Ersatz?

Auf der rechten Abwehrseite ist es noch vakant, wer dort als Stammspieler fungieren wird. Moritz Heyer ist der einzige Rechtsverteidiger. Rückkehrer Ogechika Heil könnte eine Notlösung sein. Die Position ist wirklich noch schwach in der zweiten Ausgabe. Spannend dürfte auch die Entwicklung von Stephan Ambrosius mit anzusehen sein. Der Innenverteidiger ist nach seinem zweiten Kreuzbandriss innerhalb von drei Jahren wieder da – und fit! Er will spielen, aber kommt er an Kapitän Sebastian Schonlau und Mario Vuskovic vorbei? Und dann ist da ja auch noch Jonas David. Schwierig…

Jatta und Kittel im Wechsel

Die Leader-Figur ist Sonny Kittel nicht mehr in Hamburg. Zu oft ließ er seinem Arbeitgeber den Beweis in der vergangenen Spielzeit schuldig. Ein Wechsel im Sommer in die USA scheiterte anscheinend am Medizincheck. Sein Platz in der Zentrale dürfte Neuzugang Laszlo Benes übernehmen. Auf dem einen Flügel ist Ransford-Yeboah Königsdörffer erst einmal gesetzt. Solange Bakery Jatta verletzt ist, könnte sich Kittel über den anderen Flügel fest spielen – oder raus, hat er wieder so viele „Hänger“. Neues Jahr, neuer Kittel?! Nur so kann es seine Devise sein.

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