
Hamburg – Nach dem Rücktritt von Sportvorstand Stefan Kuntz (HL-SPORTS berichtete) befindet sich der Hamburger SV in einer Übergangsphase. In dieser Situation richtet sich der Blick verstärkt auf Dr. Eric Huwer, der seit Januar 2023 dem Vorstand der HSV Fußball Management AG angehört und dort bislang vor allem für die wirtschaftlichen und organisatorischen Bereiche verantwortlich ist – und das sehr gut.
Der Millionen-Macher
Huwer verantwortet beim HSV die Ressorts Finanzen, Organisation, Personal und Recht. Nach dem Abgang von Kuntz liegt der operative Fokus im sportlichen Bereich zwar weiterhin bei Sportdirektor Claus Costa und Cheftrainer Merlin Polzin, dennoch gilt Huwer intern als zentrale Führungsperson, die in der aktuellen Phase zusätzliche Verantwortung übernimmt. Der Verein betont, dass man auch nach dem personellen Einschnitt handlungsfähig sei.
Der 42-Jährige legte beim HSV einen konstanten Aufstieg hin. Bereits seit Oktober 2014 arbeitete Huwer in verschiedenen leitenden Funktionen für den Club, zunächst als kaufmännischer Leiter, später als Direktor Finanzen. Zum Jahreswechsel 2022/2023 rückte er schließlich in den Vorstand auf und sorgte dafür, dass der Club finanziell sehr gut dasteht. Seit vergangenem September gehört er dem DFL-Aufsichtsrat an.
Huwer studierte Betriebswirtschaftslehre an den Universitäten des Saarlandes und Valencia, absolvierte einen MBA (Master of Business Administration) im Sportmanagement an der Universität Bayreuth sowie das FIFA Diploma in Club Management. Seine Promotion schloss er mit summa cum laude ab. Vor seiner Zeit beim HSV war er unter anderem für die Allianz AG tätig. Zudem ist er bis heute als Dozent an Hochschulen aktiv.
Wer wird Kuntz-Nachfolger?
Wie sich die Führungsstruktur beim HSV mittelfristig entwickeln wird und ob es zu einer Neuausrichtung im sportlichen Bereich kommt, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen. Der gebürtige Saarländer Huwer braucht mindestens einen Kollegen an seiner Seite. Kuntz ist weg, doch wer sitzt bald auf dessen Stuhl?
Boldt, Allofs und Magath wären Optionen
Selbstverständlich gibt es einige Kandidaten, die dafür in Frage kommen. Jonas Boldt als Rückkehrer würden sich einige Fans wünschen. Klaus Allofs wäre frei, dürfte allerdings mit 69 Jahren eher zum alten Eisen zählen und nicht für den neuen Hamburger SV stehen. Altbewährt und immer für einen Job im Volkspark zu haben ist natürlich Felix Magath. Der 72-Jährige trat allerdings erst im vergangenen August sein Amt als Sportvorstand beim Regionalligisten Viktoria Aschaffenburg an. Ob er aus seiner Heimatstadt noch einmal in das große Fußballgeschäft zurückkehrt, ist nicht auszuschließen, jedoch unrealistisch.
Der Mann mit dem Rucksack…
Wer wäre denn realistisch und passend? Da gibt es einige Kandidaten, die nicht unbekannt sind oder viel Potenzial mitbringen, auch Erfahrung in der Bundesliga. Der erste wäre Peter Knäbel (59). Er war schon beim HSV als Sportdirektor und Interimstrainer tätig. Wer an den aktuellen Präsidenten des Schweizer Fußballverbandes (SFV) denkt, wird noch die “Rucksack-Affäre“ im Kopf sein, die ihn vor zehn Jahren in starke Bedrängnis brachte. Damals verlor Knäbel private und geheime Unterlagen des Vereins, samt Schlüssel, Kreditkarten und Personalausweis. Seit dem vergangenen August leitet er die Geschicke des Schweizer Fußballs. Für ihn spricht, dass er den Nachwuchs kennt, eine verantwortungsvolle, transparente und nachhaltige Führung besitzt sowie für Stabilität und Seriosität steht. Knäbel steht für Architektur, weniger für ein Gesicht. Ein “Kuntz-light“ also.
Bobic in Polen
Fredi Bobic (54) wäre ebenfalls ein Mann, der eine gewisse Ausstrahlung hat. Seit einem Jahr ist er Fußballabteilungsleiter beim polnischen Club Legia Warschau. Er ist Bundesliga-erprobt, kennt Krisen, Medien, Druck und kann kurzfristig Wirkung entfalten. Allerdings gab es bei seinen vergangenen Stationen immer wieder Konflikte, die in einer Trennung endeten. Liegt es vielleicht an einer möglichen Machtkonzentration?
Der Freund aus München wäre perfekt
Die vielleicht beste Option wäre Christoph Freund, wenn er denn eine Freigabe erhält. Der 48-Jährige ist derzeit beim FC Bayern München als Sportdirektor tätig und hat davor bei rB Salzburg bewiesen, wie man klare sportliche Leitplanken setzt. Er arbeitet datenbasiert, langfristig, ruhig. Der gebürtige Österreicher kann Trainer entwickeln und nicht nur austauschen, ist international vernetzt, aber nicht abgehoben. Sportlich wäre er der perfekte Sportvorstand im Volkspark. Problem ist nur, dass sein Vertrag an der Isar noch bis 2027 geht.

Oder Costa steigt auf?
Oder bleibt es in der aktuellen Fassung. Kein Glamour, aber sachlich absolut vertretbar: Huwer ist der neue Chef und Costa als Sportdirektor bekommt mehr Befugnisse. Das wäre HSV-like, dass man aus dem eigenen Netzwerk schöpft und so Personen aufbaut.
Ehemalige Hamburger und Ösi-Chefcoach mit Hüten im Ring
Und dann sind da noch folgende Kandidaten: Nico-Jan Hoogma (57) war bis zum vergangenen Oktober Technischer Direktor bei Heracles Almelo in den Niederlanden. Hasan Salihamidzic (derzeit ohne Aufgabe im Profifußball) war drei Jahre Sportvorstand beim FC Bayern München. Die beiden und Oliver Bierhoff spielten für die Hamburger. Der 57-Jährigte ist aktuell Funktionär in der NFL bei den New England Patriots. Extern und schon einmal im Gespräch: Ralf Rangnick (67). Ob der österreichische Trainer der Nationalmannschaft allerdings auf den US-Trip im Sommer verzichten möchte…? Danach wäre ein Engagement bei den Rothosen allerdings eine echte Option.
Eines ist allerdings absolut klar: Der HSV braucht auf jeden Fall jemanden, der leise arbeitet und laut liefert. Die Suche ist eröffnet…
Bildquellen
- Boldt: Lobeca/Felix Schlikis
- Freund: Lobeca/Ines Hähnel
- Huwer: Lobeca/Henning Rohlfs
Gefällt Dir unsere journalistische Arbeit?
Dann unterstütze uns hier mit einem kleinen Beitrag. Danke.





