FC St. Pauli stellt den Kiez auf den Kopf und Borussia Dortmund ins Abseits

Braun-Weiß besiegt Schwarz-Gelb im DFB-Pokal

Foto: Lobeca/Marcus Kaben

Hamburg – Die Sensation im DFB-Pokal-Achtelfinale schafft der FC St. Pauli am Dienstag vor 2.000 Fans am Millerntor gegen den Bundesliga-Zweiten Borussia Dortmund. Die „Kiezkicker“ siegten mit 2:1 (2:0) und dürfen sich nun auf mehr als 1 Million Euro Zusatzeinnahmen freuen, die man in der nächsten Runde garantiert kassiert.

Pyro-Empfang des FC St. Pauli durch die Fans vor dem Spiel. Foto: M. Fenske

Amenyido mit anderthalb Toren

Schon nach vier Minuten jubelten die Braun-Weißen als Amenyido nach Pass von Hartel den Ball in den Strafraum ins Tor stolperte. Da stand der Kiez das erste Mal Kopf. Der BVB fortan spielbestimmend und hatte durch Reus (19.) die Chance auf den Ausgleich, doch St. Pauli-Schlussmann Smarsch parierte im Eins-gegen-Eins-Duell. Zum zweiten Mal bebte das Millerntor in der 40. Minute: Dortmunds Witsel traf zum 2:0 für die Hausherren ins eigene Netz, als er vor Amenyido klären wollte. Nach dem Seitenwechsel hatte Burgstaller (54.) das Pech, dass BVB-Torwart Kobel seinen Kopfball aus dem Eck fischte. Zwei Minuten später spielte St. Paulis Medic die Kugel mit dem linken Arm – Elfmeter. Der Videoschiri bestätigte das Vergehen und Haaland (58.) verwandelte flach ins rechte Eck. Die Westfalen drängten auf den Ausgleich: Malen (78.) ans Außennetz, doch mehr fiel den Dortmundern nicht ein. Schluss. Der Kiez stand Kopf!

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Schultz: „Das ist fantastisch“

St. Pauli Cheftrainer Timo Schultz: „Wir haben heute Außergewöhnliches geleistet. Für uns als Verein ist es nicht normal, dass wir die erste Runde überstehen. Jetzt stehen wir im Viertelfinale und spielen um den Einzug ins Halbfinale. Das ist fantastisch. Wir haben heute einen klasse Pokal-Fight meiner Mannschaft gesehen. Wir sind gut reingekommen ins Spiel und haben relativ schnell zwei Tore erzielen können. Gegen eine tolle Mannschaft, die nicht nur aus tollen Einzelspielern besteht, sondern auch als Mannschaft gut funktioniert. Natürlich haben wir Probleme bekommen, wir standen auch tief. Wir hatten zwar wenig Raum zwischen den Ketten angeboten, dafür aber immer wieder Probleme, Tiefe hinter unsere letzte Ketter zu bekommen. Dementsprechend ist Dortmund auch zu einigen Chancen gekommen, Dennis Smarsch hat uns da im Spiel gehalten. Wenn man die 90 Minuten sieht, wie wir uns dagegengestemmt haben und gelaufen sind, ist es auch nicht mehr unverdient. Klar gehört immer auch eine Prise Glück gegen so eine klasse Mannschaft dazu, aber die haben wir uns verdient. Als Mannschaft haben wir es gut gelöst und immer wieder verhindert, dass gerade auf Erling Haaland Bälle gespielt wurden. Ein Kompliment auch unsere unsere beiden Innenverteidiger, die sich im Eins-gegen-Eins häufig sehr geschickt verhalten haben. Die Mannschaft hat nach dem Anschlusstreffer eine super Reaktion gezeigt. Dass sich eine Mannschaft wie Dortmund Chancen kreiert, ist ganz normal. Wir haben es Allgemein aber sehr gut wegverteidigt. Jeder möchte vor möglich vielen Fans spielen, gerade so ein DFB-Pokal-Achtelfinale gegen so einen tollen Gegner hätte eine andere Kulisse verdient. Ich hoffe, dass im Viertelfinale, egal wo wir spielen, hoffentlich wieder mehr Fans dabei sein werden. Es wäre heute noch mal eine ganz andere Atmosphäre gewesen. Die 2.000 Fans haben uns heute toll unterstützt, das brauchten wir am Ende auch. Jetzt steht am Freitag das Derby an und da wollen wir mindestens so eine gute Leistung zeigen. Da müssen wir auch wieder voll da sein, denn der Stadtrivale ist auch gut drauf.“

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Foto: Lobeca/Marcus Kaben

Borussen-Coach gratuliert

Marco Rose (BVB-Cheftrainer): „Herzlichen Glückwunsch an Schulle und den FC St. Pauli. Es ist sehr bitter für uns. Wenn man die ersten 15 Minuten des Spiels betrachtet, mit der Art und Weise, wie wir das Pokalspiel angegangen sind, ist es folgerichtig, dass man hinten raus die Dinge nicht immer reparieren kann. Wir lagen relativ schnell hinten, St. Pauli hat es mit dem Ball in der Raute und gegen den Ball im 4-4-2 flach gut gemacht. Mit Ball hatten sie vorne mit ihrem Dreieck viel Wucht, viel Enge und viel Tiefe. Nach dem Eigentor und dem 2:0 wurde es dann unter den Bedingungen, schwerer Platz und guter Gegner, sehr schwer. Wir sind zwar zurückgekommen, aber am Ende ist es folgerichtig, wenn man unsere ersten Minuten sieht, dass wir es am Ende noch drehen. Zwar hatten wir unsere Möglichkeiten, aber in der Summe sind wir schwer enttäuscht, weil wir aus den vergangenen Partien viel Energie mitgebracht haben. Davon war gar nichts zu sehen und das ist sehr enttäuschend. St. Pauli wünsche ich alles Gute in der Liga und im Pokal.“

Die Anzeigentafel am Millerntor nach fünf Minuten zum Pokal-Hit gegen Borussia Dortmund. Foto: M. Fenske

Fazit: Leidenschaft besiegt Top-Stars

Es lag schon irgendwie Tage vor dem Spiel in der Luft, dass es ein ganz außergewöhnliches Spiel wird. Entweder in die eine oder andere Richtung. Der FC St. Pauli hat sich gegen oftmals einfallslose Top-Stars aus der Bundesliga beeindruckend durchgesetzt. Mit Leidenschaft und Kampf heißt es am Ende Viertelfinale für die „Boys in Brown“. Hut ab!

Alle Spiele im Achtelfinale

1860 München – Karlsruhe 0:1
Köln – Hamburg 4:5 n.E.
St. Pauli – Dortmund 2:1
Bochum – Mainz 3:1
Hannover – Mönchengladbach (Mi., 18.30 Uhr)
Leipzig – Rostock
Hoffenheim – Freiburg (20.45 Uhr)
Hertha BSC – Union Berlin

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