Broder-Jürgen Trede vom HSVnetradio. Foto: rk
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Hamburg – Wie funktioniert Radio beim Fußball? Darf man alles sagen? Was macht die Vereinsbrille bei einem Kommentator und wie kommen blinde und sehbehinderte Menschen ins Stadion? Broder-Jürgen Trede Leiter des HSVnetradio – kommentiert jedes Spiel und ist Fan des Zweitligisten. Der Mittvierziger ist freier Journalist, Sportwissenschaftler und Hochschuldozent zu Sport, Medien und Geschichte. Am heutigen Mittwoch gibt er Schülerinnen und Schülern einen Einblick beim „Tag des Radios“. Um 14 Uhr findet der Workshop statt – wo? Natürlich im Volksparkstadion. HL-SPORTS traf ihn davor.

HL-SPORTS: Hallo Broder, erste Frage: Wie kommt man zu seinem Namen?

Broder-Jürgen Trede: Ich bin auf Föhr geboren, habe vier ältere Schwestern und es dänisch oder plattdeutsch und heißt einfach Bruder.

HL-SPORTS: Wie lange machst du das mit dem HSVnetradio?

Broder-Jürgen Trede: Wir sind jetzt in der vierten Saison, hatten es vorher schon drei Jahre etwas versteckt im HSV-TV gemacht. Da brauchte man ein Abo und dann haben wir einmal im Pokal in Osnabrück für alle frei gemacht und gleich den NDR überholt. Wir dürfen eben durchsenden. Der HSV hat erkannt, dass das eine gute Sache ist und die Fans nehmen diesen Service sehr gut an. Wir bekommen ganz viel positives Feedback, von allen möglichen Teilen aus der Welt. Ganz frisch eine Rückmeldung aus Chile. Der HSV hat durch seine Größe überall Fans, auch noch in der 2. Liga.

HL-SPORTS: Wie viele Zuhörer habt ihr?

Broder-Jürgen Trede: Wir haben am Anfang Mal an der Zehntausendergrenze gekratzt und dann hatten wir das Glück, dass der HSV, noch in der Bundesligasaison zu Beginn zweimal freitags spielte und der neue Eurosportplayer massive technische Probleme hatte. Da sind die alle zu uns gewechselt und da haben wohl einige gemerkt, dass das ganz cool ist und seitdem haben wir so um die 30.000 Zuhörer pro Spiel. Wir erhalten auch hin und wieder Tipps, wie man einen Spielenamen richtig ausspricht. Das finden wir gut, dass über die Sozialen Medien Feedback kommt.

46' ⏱ Weiter geht's im Volksparkstadion 🚀 Die zweite Halbzeit läuft!Weiter für euch am Ball: unsere Reporter vom…

Gepostet von HSV am Samstag, 8. Februar 2020

HL-SPORTS: Wie viele Leute machen das HSVnetradio?

Broder-Jürgen Trede: Neben mir sind es noch drei andere Reporter. Philipp Langer macht keine Heimspiele mehr, weil er im Stadionsprecher-Team drin ist. Tom Husmann und Lars Wegener sind noch dabei. Wir haben uns hingesetzt und gesagt: Dafür wollen wir stehen. Jeder weiß genau, wo man wach sein muss. Wichtig ist uns, dass wir wirklich rüberbringen, dass wir live im Stadion sind und nicht vor dem Fernseher. Da erzählen wir auch Mal, was um uns herum passiert. Ich kann mich an das Hinspiel in Karlsruhe erinnern. Es war tierisch heiß und alle waren am Schwitzen. Neben uns saß ein Typ mit einem Handtuch und einem kleinen USB-Ventilator. Das haben wir eben beschrieben. Das ist schon lustig.

HL-SPORTS: Wie bist du zum Netradio gekommen?

Broder-Jürgen Trede: Ich habe seit 2003 das Projekt Blindenreportage an der Uni. Man muss da ganz viel beschreiben und erklären. Wenn du das kannst, kannst du auch Radio moderieren. Rumschreien darf man da einfach nicht. Das soll ganz vernünftig rüberkommen. Ein Blinder kann das viel mehr verstehen. Lars war damals Student bei mir, kannte das. Ich fragte ihn, ob wir das nicht beim HSV machen wollen. Borussia Dortmund hatte so etwas damals schon. Unser erstes Spiel war damals gegen den VfB Stuttgart. Es war ein spannendes Spiel mit allem, was man sich als Fan vorstellt. Danach ist Dietmar Beiersdorfer schwer begeistert gewesen und seitdem läuft das.

HL-SPORTS: Ist das Blindenradio das gleiche wie das HSVnetradio?

Broder-Jürgen Trede: Nein, das trennen wir. Beim HSVnetradio haben wir dafür schon etwas mehr die Vereinsbrille auf.

HL-SPORTS: Gibt es Grundsätze im Radio?

Broder-Jürgen Trede: Klar, man muss schon Journalist bleiben und sich benehmen, nicht rumgrölen. Es ist eben eine Ernsthaftigkeit, weil man den Verein repräsentiert. Emotionen sind aber natürlich erlaubt.

HL-SPORTS: Was hat das mit dem Workshop auf sich?

Broder-Jürgen Trede: Es geht um das Thema „wie kommt der Fußball eigentlich ins Radio?“. Der erste Tag ist bei uns und ich erzähle dann etwas dazu. Beispielsweise müssen die Kids dann die Sachen zeichnen, die sie hören. Einer muss beschreiben und die anderen sollen es nachmalen, ähnlich bei den Montagsmalern.

HL-SPORTS: Bei dir dreht sich also alles ums Radio?

Broder-Jürgen Trede: Wir machen noch Sachen für den NDR. Leichtathletik- oder Fußball-WM, Olympia und noch andere Sachen, auch für Blinde. Es kommt durch die Uni und unsere Studenten, die dabei sind. Nebenbei schreibe ich noch.

HL-SPORTS: Dankeschön und weiterhin viel Erfolg.