Hamburg ist wieder schwarz-weiß-blau: HSV holt sich Stadtmeisterschaft vom FC St. Pauli zurück

Rothosen drehen 0:1-Pausenrückstand gegen Kiezkicker

HSV Jubel nach dem 2:1- Siegtreffer. Foto: Lobeca/Norbert Gettschat

Hamburg – Beim Hamburger SV wusste nur noch Bakery Jatta, wie sich ein Derbysieg gegen den FC St. Pauli an der Elbe anfühlt. Der Gambier stand beim letzten Erfolg der Rothosen vor fast genau drei Jahren schon auf dem Platz, als die Rothosen mit 4:0 am Millerntor die Braun-Weißen gewannen. Damals war er 20 Jahre alt, kam im zweiten Durchgang und traf in der 76. Minute Aluminium. Am vergangenen Freitag entschied er das 107. Duell der beiden rivalisierenden Clubs für seine Farben. Der HSV siegte am 20. Spieltag der 2. Bundesliga mit 2:1 (0:1) vor 2.000 Zuschauern. Die Kiezkiecker führten zur Pause nach einem Treffer von Guido Burgstaller. Sebastian Schonlau (55.) köpfte zum zwischenzeitlichen Ausgleich ein. Das Hinspiel gewann St. Pauli noch im vergangenen August mit 3:2. Der Stadtmeister-Titel ging nun wieder in den Volkspark.

Schenkten sich nichts im Derby: Moritz Heyer (HSV) im Zweikampf mit Maximilian Dittgen St. Pauli). Foto: Lobeca/Norbert Gettschat

Die 1. Halbzeit: Burgstaller effektiv

Die Rothosen machten von vornherein klar, wer Herr im Haus ist. Die erste Chance gab es bereits nach drei Minuten durch Alidou, dessen Abschluss im Strafraum über das St. Pauli-Gehäuse flog. Nach einer Ecke verlängerte Jatta den Ball zu Heyer (6.), der den Pfosten traf und den Nachschuss allerdings nicht kontrollierte. Eine zu kurze Abwehr landete bei Muheim (10.), dessen Schuss von Hartel abgefälscht und damit knappe über die Latte gelenkt wurde. Die Gäste vom Millerntor kamen in der ersten Viertelstunde gar nicht in die Begegnung, hielten aber dem HSV-Powerplay stand. Alle Zweikämpfe gingen in der Anfangsphase an das Walter-Team. Insbesondere Kittel und Reis drückten dem Spiel ihrem Stempel auf. Ein erstes Lebenszeichen in Braun-Weiß gab Burgstaller (16.) ab, dessen „Schüsschen“ kein Problem für Torhüter Heuer Fernandes war. Damit meldete sich der FC St. Pauli zugleich im 107. Stadtderby an und wurde besser. Die dicken Dinger jedoch blieben bei den Rothosen. Nur knapp verpasste Jatta (19.) die Führung per Kopfball nach einer Ecke. Heyer stand noch am langen Pfosten frei, kam allerdings einen Schritt zu spät. Die Kiezkicker erhöhten den Druck und liefen früher an. Prompt bekam der HSV etwas Probleme. Den Spielverlauf auf den Kopf stellte dann der beste Zweitliga-Torschütze, den Burgstaller (30.) traf zur Führung. Ein Freistoß wurde von Ameyido weitergeleitet und landete vom Kopf des 32-Jährigen im Netz. Das war für die 1.800 der 2.000 Zuschauer im Volkspark ein Schock. Der Treffer wurde auf ein Handspiel zwar noch überprüft, doch der Video-Schiedsrichter sah nichts Illegales. Zwei Minuten später kreuzten Alidou und Ohlsson sich im HSV-Strafraum. Der Kiezkicker fiel und wieder schaute der Video-Assistent-Referee (VAR) genau nach. Glück für die Hausherren, denn es gab zum Erstaunen einiger im Stadion keinen Elfmeter. Kurz vor dem Seitenwechsel hatte das Walter-Team noch zwei Möglichkeiten, die St. Pauli-Keeper Vasilj beide vereitelte. Bei der zweiten nutzte Glatzel den Nachschuss nicht. 1:0 für das Team vom Kiez zur Pause.

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Das 1:0 für St Pauli durch Guido Burgstaller. Foto: Lobeca/Norbert Gettschat

Nach der Pause: Mit Mut und Kittel zum Sieg

Die zweite Halbzeit begann wie die erste. Der Hamburger SV spielte sich Chancen heraus und die Braun-Weißen schalteten zu spät. Den nächsten Warnschuss feuerte Reis (48.) ab, doch Vasilj wehrte mit einer Hand ab. Der verdiente Ausgleich dann in der 55. Minute. Eine Standardsituation hielt her. Kapitän Schonlau wuchtete eine Kittel-Ecke per Kopf in die Maschen. Eine Minute später tauchte Alidou vor Vasilj auf, doch die Szene verpuffte. Strukturiert war danach nicht mehr viel auf beiden Seiten, aber einen Geistesblitz hatte Kittel auf jeden Fall in der Tasche. Er schickte Jatta (70.) mit einem Traumpass auf die Reise Richtung gegnerisches Tor. Der Flügelstürmer setzte sich gegen Paqarada auf der rechten Seite durch und zog direkt ab. Der Ball schlug im langen Eck hinter Vasilj zum 2:1-Siegtreffer ein – Spiel gedreht und Stadtmeisterschaft vor Augen. Die Kiezkicker schafften es nicht mehr heranzukommen. Die Bemühungen blieben in der regulären Spielzeit insgesamt zu harmlos. Zwar hatten Burgstaller (81.) und Dittgen (95.) hatten den Ausgleich zwar auf dem Fuß, doch beide Male scheiterten sie an Heuer Ferndandes. Am Ende blieb es dabei und der HSV holte sich nach vier Niederlagen und einem Unentschieden in den vergangenen drei Jahren den Titel in der Elbmetropole zurück. Der Hamburger SV ist wieder dran an der Spitze und liegt vor der Länderspielpause nur noch drei Punkte hinter dem Tabellenführer FC St. Pauli. Sollte Darmstadt 98 am heutigen Sonnabend um 13.30 Uhr beim FC Ingolstadt mindestens einen Zähler holen, wäre Platz eins für die Kiezkicker erst einmal futsch…

Bakery Jatta erzielt hier das 2:1 für den HSV. Leart Paqarada (St. Pauli) hat das Nachsehen. Foto: Lobeca/Norbert Gettschat

Das Fazit: Ganz starker HSV, harmlose Kiezkicker

Es ist schon etwas erstaunlich, welche Energie der HSV nach 120 Minuten plus Elfmeterschießen nach dem Pokalspiel in Köln zurück nach Hause und damit ins Stadtderby mitbrachte. Die Körpersprache war von der ersten bis zur letzten Minute viel klarer als die der „Boys in Brown“. In der ersten Viertelstunde wäre ein 3:0 nicht unverdient gewesen. Die klareren Chancen lagen auf Seiten der Rothosen. Auch weil Ludovit Reis und Sonny Kittel die Mannschaft antrieben und den Gegner immer wieder vor schwierige Aufgaben stellten. Der Tabellenführer dagegen wirkte zu langsam in vielen Situationen, kam nur selten richtig gefährlich vor das Tor. Und wenn das mal der Fall war, stand Daniel Heuer Fernandes im Weg. Mehr Mut und mehr Bereitschaft trichterte Tim Walter seinen Jungs dagegen ein. Ein verdienter Derbysieg, über den sich hinterher alle Parteien einig waren. Einziges Manko: Nur 2.000 Fans (davon 200 St. Pauli-Anhänger) durften aufgrund der Corona-Bestimmunen im Volksparkstadion dabei sein.

HSV-Kapitän Sebastian Schonlau und Liga-Top-Stürmer Guido Burgstaller (St. Pauli). Beide trafen im 107. Derby. Foto: Lobeca/Norbert Gettschat

Umfrage: 59 % lagen richtig

Die HL-SPORTS User haben richtig getippt. 59 Prozent sahen einen HSV-Sieg, nur 27 Prozent eine für das Team vom Millerntor. Über 500 User stimmten in der Vorwoche ab.

Wer gewinnt das Hamburger Stadtderby in der 2. Liga?

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  • Hamburger SV (59%, 303 Votes)
  • FC St. Pauli (27%, 136 Votes)
  • Unentschieden (14%, 74 Votes)

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Das 1:1 für den HSV durch Sebastian Schonlau. Foto: Lobeca/Norbert Gettschat

Die Stimmen nach der Partie

Timo Schultz (St. Pauli): „Glückwunsch an den HSV. Nach den letzten Spielen müssen wir dem HSV heute gratulieren. Alles in allem ist der Erfolg verdient. Zwar haben wir einige Chancen zugelassen, dann sind wir aber trotzdem in Führung gegangen. Die Masse an Ecken hat es dann am Ende ausgemacht. Das haben sie in der Situation gut gemacht. Wenn Bakery Jatta losläuft, weiß man, dass er schnell ist. In dem Moment hat er es gut gemacht. Nach dem Rückstand haben wir das Herz in die Hand genommen, haben Dampf und Druck gemacht. Die Chancen, die wir hatten, haben wir dann aber nicht gemacht und uns für den Mut nicht belohnt. Natürlich sind die Jungs niedergeschlagen.“

Tim Walter (Hamburg): „Wir sind sehr gut ins Spiel gekommen, hatten einige Torchancen, haben uns dafür aber nicht belohnt. Gerade am Anfang hatten wir zudem einige Kontersituationen bei hohem Ballgewinn, die wir schlecht ausspielen. Daran müssen wir weiterarbeiten. Das Gegentor kam dann etwas unerwartet. Trotzdem haben wir uns nur kurz geschüttelt und hatten auch vor der Pause noch einige Chancen. Wichtig ist, dass wir uns nicht verrückt machen lassen. Man hat aber gemerkt, dass die Jungs bei sich geblieben sind. Das haben wir dann getan. Bascho nach der Ecke mit einer Willensleistung und Baka nach einem tollen Pass von Sonny haben es dann gedreht. In der Schlussphase wurde es noch einmal eng, da St. Pauli auch viele lange Bälle geschlagen hat, aber meine Jungs haben das alles gut wegverteidigt. Wir freuen uns für unsere Fans. Wir haben aus meiner Sicht verdient gewonnen.“

Sebastian Schonlau (HSV) jubelt nach dem Ausgleichstreffer. Foto: Lobeca/Norbert Gettschat

Der 20. Spieltag (21. – 23.1.)

Hamburg – St. Pauli 2:1
Düsseldorf – Nürnberg 0:1
Paderborn – Bremen (Sa., 13.30 Uhr)
Rostock – Heidenheim
Ingolstadt – Darmstadt
Aue – Schalke (20.30 Uhr)
Karlsruhe – Sandhausen (So., 13.30 Uhr)
Hannover – Dresden
Regensburg – Kiel

Die Tabelle

1.FC St. Pauli2040 : 2737
2.SV Darmstadt 981943 : 2236
3.Hamburger SV2034 : 2034
4.1. FC Nürnberg2029 : 2333
5.1. FC Heidenheim 18461925 : 2533
6.SV Werder Bremen1935 : 2532
7.FC Schalke 041935 : 2431
8.SSV Jahn Regensburg1938 : 2831
9.SC Paderborn 071933 : 2230
10.Karlsruher SC1933 : 3026
11.SG Dynamo Dresden1921 : 2623
12.Hannover 961915 : 2723
13.Holstein Kiel1924 : 3122
14.Fortuna Düsseldorf2023 : 2920
15.F.C. Hansa Rostock1921 : 3220
16.SV Sandhausen1920 : 3917
17.FC Erzgebirge Aue1917 : 3215
18.FC Ingolstadt 041915 : 3910

Bildquellen

  • Heyer, Dittgen: Lobeca/Norbert Gettschat
  • Burgstaller: Lobeca/Norbert Gettschat
  • Jatta, Paqarada: Lobeca/Norbert Gettschat
  • Schonlau: Lobeca/Norbert Gettschat
  • Schonlau: Lobeca/Norbert Gettschat
  • HSV, Jubel: Lobeca/Norbert Gettschat
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