
Hamburg – Der Hamburger SV hat am Sonnabend gleich mehrere Befreiungsschläge gefeiert. Wenige Stunden nachdem der Verein die langfristige Vertragsverlängerung mit Cheftrainer Merlin Polzin und seinem Trainerteam bis 2029 bekanntgegeben hatte, gelang gegen den 1. FC Köln der erste Bundesliga-Sieg der Saison. Beim 2:1 (1:0) erzielten die Rothosen zugleich ihre ersten Saisontore und gaben nach zuvor drei Niederlagen und 0:12 Toren die Rote Laterne ab.
Die 1. Halbzeit: Köln bestimmt zunächst das Geschehen
Dabei sah es lange Zeit nicht danach aus, als würde der HSV ausgerechnet gegen Köln die Wende schaffen. Die Gäste hatten in der ersten Hälfte deutlich mehr vom Spiel, während sich Hamburg im Aufbau schwertat. Die erste Gelegenheit hatte Thijs Dallinga, dessen Abschluss nach sechs Minuten aus spitzem Winkel am Außennetz landete. Nach einer Ecke wurde es erneut gefährlich, als ein Kopfball von Guram Kashia Lochoshvili über Jordan Torunarigha (19.) knapp am Pfosten vorbeiging. Auch danach blieben die Gäste gefährlicher. Kamil Jozwiak Moore (26.) zwang Daniel Heuer Fernandes mit einem Schlenzer zum Eingreifen, Said El Mala (37.) scheiterte ebenfalls am Hamburger Schlussmann. Die bis dahin größte Gelegenheit hatte Dallinga (38.), doch Heuer Fernandes parierte dessen Kopfball aus fünf Metern stark. Und plötzlich führte der HSV. Nach einer Ecke von Albert Grönbaek stieg Nicolas Capaldo (44.) im Fünfmeterraum am höchsten und köpfte den Ball zum 1:0 ins rechte Eck. Es war im vierten Bundesliga-Spiel der erste Saisontreffer der Rothosen. Mit der schmeichelhaften Führung ging es in die Pause. Köln hatte in den ersten 45 Minuten rund 70 Prozent Ballbesitz und die besseren Möglichkeiten, daraus allerdings kein Kapital geschlagen.
Nach der Pause: Poulsen sticht als Joker
Polzin reagierte zur Pause und brachte Poulsen für Terem Moffi. Zunächst hatte allerdings wieder Köln die große Chance. El Mala setzte sich auf der linken Seite durch und bediente Moore (47.), der aus rund zehn Metern über das Tor schoss. Dann schlug der HSV erneut zu. Nach einem Fehler von Marvin Schwäbe verpasste Albert Grönbaek (49.) zunächst noch das 2:0. Eine Minute später machte es Hamburg besser. Nach schnellem Umschalten bediente Grönbaek den eingewechselten Poulsen, der aus kurzer Distanz abschloss. Schwäbe war zwar noch am Ball, konnte den zweiten Hamburger Treffer aber nicht verhindern – Yussuf Poulsen (50.) erhöhte auf 2:0. Köln antwortete umgehend. El Mala scheiterte erneut an Heuer Fernandes (52.). Auf der anderen Seite köpfte Nicolai Remberg (55.) nach einer Freistoßflanke von Grönbaek am Tor vorbei. Der HSV kam nun besser in die Zweikämpfe und ließ die Gäste nicht mehr so leicht zu klaren Abschlüssen kommen. Gleichzeitig boten sich den Hausherren Räume. Poulsen scheiterte aus spitzem Winkel an Schwäbe (69.). Auf der Gegenseite wurde es noch einmal richtig eng, als ein Abschluss nach einer Aktion von El Mala und Ragnar Ache (75.) den Außenpfosten touchierte. Fabio Vieira zwang Schwäbe anschließend mit einem Freistoß zu einer Parade (79.), ehe Poulsen zwei Minuten vor Schluss eine weitere Möglichkeit zur vorzeitigen Entscheidung vergab. Köln gab sich dennoch nicht geschlagen. Ragnar Ache (90.) köpfte eine Flanke von Ellyes Skhiri zum 1:2 ins rechte Eck und sorgte damit in der Schlussphase noch einmal für Spannung. Der HSV brachte den Vorsprung durch die dreiminütige Nachspielzeit und durfte anschließend erstmals in dieser Bundesliga-Saison einen Sieg feiern. Nach den drei Auftaktniederlagen gelangen damit nicht nur die ersten Tore, sondern auch die ersten drei Punkte.
Torschütze lobt Trainerteam
Poulsen sagte anschließend: „Nach drei Spielen ohne Sieg und Tor ist das heute natürlich ein schönes Gefühl. Wir haben bis zum Ende gekämpft, das Stadion immer mitgenommen. Beim Ball auf Grönbaek in die Tiefe habe ich direkt gewusst, dass ich durchlaufen muss und der Ball auf mich kommen wird. Das sind genau unsere Abläufe. Wir waren insgesamt sehr klar in dem, was wir nach der Halbzeit machen wollen. Das Trainerteam hat uns gute Anpassungen mit auf den Weg gegeben.“
Der Angreifer verwies zudem auf die Entwicklung der neu zusammengestellten Mannschaft: „Wir waren in der ersten Hälfte stabil, haben wenige Großchancen zugelassen. Es war wichtig, erstmal defensiv stabil zu stehen. Das war in der Vorsaison eine unserer größten Stärken. Wir wollten eine bessere Defensivstruktur als in den letzten Wochen. Wir hatten vor einem Jahr genau die gleichen Gespräche, Diskussionen und Themen wie jetzt nach drei Spieltagen. Auch damals habe ich gesagt, dass es einfach Zeit braucht, wenn du so viele neue Spieler hast. Wir sind ruhig geblieben und wir bleiben auch dieses Mal ruhig. Wir haben volles Vertrauen in den Trainer und das Trainerteam. Und wir wissen: Je länger wir zusammenspielen, desto besser werden wir, weil allen die Abläufe klarer werden. Es war heute ein sehr großer Schritt in die richtige Richtung, auch wenn natürlich nicht alles schön war.“
HSV verlängert mit Polzin und Trainerteam
Bereits vor dem Anpfiff hatte der HSV ein deutliches Zeichen gesetzt. Die Verträge von Merlin Polzin sowie seinen Co-Trainern Loic Fave, Richard Krohn und Max Bergmann wurden langfristig verlängert. Polzins neuer Vertrag läuft bis 2029.
Sportvorstand Kathleen Krüger erklärte zur Entscheidung: „Unser grundsätzliches Bekenntnis haben wir frühzeitig und zuletzt immer wieder klar kommuniziert. Wir werden gemeinsam in die Zukunft gehen, wissen parallel auch um die aktuelle sportliche Situation. Vertrauen bedeutet nicht, dass Ergebnisse zweitrangig werden, sondern basiert auf kritischer Auseinandersetzung. Umso bewusster und aus voller Überzeugung verlängern wir die Verträge von Merlin, Loic, Richi und Max. Sie überzeugen mit ihrer Expertise, ihrer Akribie, ihrem Fleiß und ihrer tagtäglichen Leidenschaft.“
Auch Sportdirektor Claus Costa stellte sich hinter das Trainerteam: „Unser Trainerteam beeindruckt mich sowohl inhaltlich als auch menschlich. Auf unserem bisherigen Weg haben wir uns stets offen, kritisch und ehrlich miteinander auseinandergesetzt und dadurch auch anspruchsvolle Herausforderungen gemeinsam bewältigt. Ich habe seit Jahren Einblick in Merlins tägliche Arbeit und konnte miterleben, wie er sich als Führungspersönlichkeit kontinuierlich weiterentwickelt hat. Besonders schätze ich seinen Blick für das Team und seinen unbedingten Willen, gemeinsam mit seinem Umfeld immer weiterzuwachsen.“
Polzin selbst sagte zur Verlängerung: „Unser gemeinsames Commitment ist ein Zeichen des Vertrauens. Gleichzeitig interpretiere ich es als große Verantwortung und als unseren Auftrag, den Verein besser zu machen. Jeder weiß, wie viel mir diese Stadt, dieser Club und dieses Stadion bedeuten. Umso mehr freut es mich, mein gesamtes Trainerteam und den Staff weiterhin an meiner Seite zu haben und von der Geschäftsstelle, den Fans und vielen weiteren Menschen rund um den HSV eine brutale Unterstützung zu erfahren.“
Polzin hatte die Mannschaft am 24. November 2024 zunächst interimistisch übernommen und wurde zum Jahreswechsel Cheftrainer. Unter seiner Leitung gelang dem HSV nach sieben Jahren in der 2. Liga die Rückkehr in die Bundesliga. Die vergangene Saison beendeten die Hamburger auf dem 13. Tabellenplatz. Nun folgte unmittelbar nach der Vertragsverlängerung auch der erste Sieg der neuen Spielzeit.








