HSV gerät weiter unter Druck – sportliche Realität trifft strukturelle Fragen

Nach Essen-Unentschieden nun Abstiegsplatz – FBL vs. DFB: keine Einigung

Saskia Breuer (Leiterin HSV-Frauen). Foto: Lobeca/Felix Schlikis

Hamburg – Nach der 1:3-Heimniederlage gegen RB Leipzig (HL-SPORTS berichtete) ist die Situation für den Hamburger SV wieder ernster geworden. Trotz früher Führung durch Lotta Wrede reichte es am Ende nicht zu einem Punktgewinn. Es war bereits die elfte Niederlage in dieser Frauen-Bundesliga-Saison – und eine, die Fragen aufwirft.

HSV-Frauen-Leiterin Saskia Breuer ordnete die Partie nach Abpfiff ein: „Die Niederlage ist schon bitter und tut echt weh. Wir werden noch ein wenig brauchen, um das zu analysieren. Am Ende haben wir uns heute wieder selbst geschlagen. Wir waren auf Augenhöhe, haben uns gute Chancen rausgespielt und standen kompakt zusammen. Aber wir schaffen es leider im Moment nicht, über 90 Minuten unsere Leistung zu zeigen. Wir haben im Winter tolle neue Spielerinnen dazubekommen, die unser Team nochmal verstärken. Das Team arbeitet immer sehr hart, aber wir müssen dann den Fokus am Spieltag noch mehr auf uns richten und nicht nach links oder rechts schauen. Das alles gehört zu unserer Entwicklung dazu. Wir haben uns für ein junges, unerfahrenes Team entschieden. Den Weg gehen wir weiter und dann gehört es eben auch dazu, Niederlagen einzustecken. Alle müssen mit ihren Aufgaben wachsen.“

In der Bewertung des Spiels lässt sich festhalten: Der HSV begann mutig und zielstrebig, verlor nach dem Ausgleich jedoch zunehmend an Kontrolle. Während Leipzig im zweiten Durchgang den Druck erhöhte und sich belohnte, gelang es den Hamburgerinnen nur noch selten, offensiv Akzente zu setzen. Am Ende stand eine Niederlage, die in ihrer Entstehung folgerichtig war. Trainerin Liese Brancao äußerte sich gar nicht nach der Pleite.

Zwischen Entwicklung und Ergebnissen

Der Verweis auf einen Entwicklungsprozess ist nachvollziehbar, doch die Tabelle lässt wenig Spielraum. Zehn Punkte nach 17 Spielen reichen aktuell nicht für den Klassenerhalt. Besonders gegen direkte Konkurrenten fehlen Zähler – und damit auch Sicherheit. Die kommenden Aufgaben gegen Hoffenheim und Bremen in der Liga sowie Bayern im DFB-Pokal lassen keinen einfachen Ausweg erkennen.

Der personelle Umbruch im Sommer hat bislang nicht den erhofften Effekt gebracht. Auch die Nachjustierungen im Winter zeigen noch keine unmittelbare Wirkung. Das bedeutet nicht, dass die Entscheidungen grundsätzlich falsch waren – wohl aber, dass die Zeit im Abstiegskampf ein entscheidender Faktor wird. Viel Zeit bleibt nicht mehr. Im Volkspark muss gehandelt werden.

Frauen-Bundesliga im Wandel

Parallel zu den sportlichen Herausforderungen des HSV befindet sich auch die Liga selbst in einer Phase der Neuorientierung. Der Frauen-Bundesliga FBL e.V. hat auf seiner Mitgliederversammlung in Frankfurt festgestellt, dass die vom Deutscher Fußball-Bund (DFB) vorgeschlagenen Rahmenbedingungen für ein Joint Venture nicht umsetzbar sind. Stattdessen sollen Gespräche über alternative Kooperationsformen geführt werden.

FBL-Präsidentin Katharina Kiel betonte dabei die Rolle der Clubs als sportlicher und wirtschaftlicher Motor der Liga. Der DFB wiederum erklärte, die Frauen-Bundesliga unabhängig davon weiterführen und in den kommenden Jahren 100 Millionen Euro in den Frauen- und Mädchenfußball investieren zu wollen.

Diese strukturellen Diskussionen zeigen: Der Frauenfußball entwickelt sich rasant – sportlich wie wirtschaftlich. Für Vereine wie den HSV bedeutet das, dass sportliche Wettbewerbsfähigkeit und klare Perspektiven immer stärker miteinander verknüpft sind.

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Abstiegsplatz und steigender Druck

Am Montag verschärfte sich die Lage in Hamburg weiter: Durch das torlose Remis der SGS Essen gegen den 1. FC Köln rutschte der HSV wieder auf einen Abstiegsplatz. Schlusslicht FC Carl Zeiss Jena liegt nur einen Punkt zurück und hat noch zwei Nachholspiele.

Für die Hamburgerinnen zählt nun weniger das große Bild als das nächste Ergebnis. Entwicklung bleibt wichtig – Punkte sind jedoch unerlässlich. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der HSV den eingeschlagenen Weg stabilisieren kann oder ob der Druck weiter wächst.

Die Tabelle

1.FC Bayern München1661 : 546
2.VfL Wolfsburg1551 : 2137
3.TSG Hoffenheim1632 : 1929
4.SV Werder Bremen1623 : 2128
5.Bayer 04 Leverkusen1727 : 2628
6.Eintracht Frankfurt1637 : 3027
7.SC Freiburg1731 : 2726
8.1. FC Köln1721 : 2025
9.1. FC Union Berlin1725 : 3418
10.RB Leipzig1725 : 3517
11.1. FC Nürnberg1720 : 4316
12.SGS Essen1713 : 3810
13.Hamburger SV1716 : 4410
14.FC Carl Zeiss Jena1514 : 339

Gelingt es dem SV Todesfelde die Aufstiegsbasis zu schaffen?

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Bildquellen

  • lobeca_234121_felix_schlikis_20251117: Lobeca/Felix Schlikis
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