HSV: „Lachend in die Kreissäge“ oder „tolle Unterhaltung“ – wie lange geht das noch gut?

Neverending Story: Tim Walter steht wieder einmal in der Kritik

HSV-Trainer Tim Walter und Sportvorstand Jonas Boldt. Archivfoto: Lobeca/Ines Hähnel

Hamburg – Ob die aktuelle Länderspielpause für den Hamburger SV nun gut ist oder nicht, wird sich am kommenden Freitag zeigen, denn dann ist der Tabellenzweite der 2. Bundesliga erst wieder im Einsatz. Die Kiel-Niederlage (HL-SPORTS berichtete) zog zumindest in den Tagen danach noch einen Rattenschwanz hinter sich her. Viel Unruhe gab es wieder um den Volkspark und in der zentralen Kritik stand erneut einmal Cheftrainer Tim Walter.

Trotz Platz zwei – Aufstieg in Gefahr?

Die Fans sind in zwei Lager gespalten. Die einen lieben den 48-Jährigen, die andere wollen die Ablösung. Dabei muss sich der Verantwortliche beim einstigen Bundesliga-Dino dieser Herausforderung stellen. Größter Knackpunkt bleibt weiterhin das bedingungslose Offensivspiel der Hamburger. „Lachend in die Kreissäge laufen“ hört man hier, „tolle Unterhaltung“ dort. Die Defensive ist löchrig, langsam und mit zu vielen eklatanten Fehlern behaftet. Besonders auswärts ist der HSV in dieser Spielzeit eher ein Punktelieferant. Aus sieben Auftritten in der Fremde gab es nur einen Sieg und drei Unentschieden. Der Aufstieg, das Ziel des Clubs, ist somit in Gefahr, wird diese Auswärtsschwäche nicht abgestellt. Dafür muss man kein Prophet sein.  

Auftrag nicht erledigt

Nach fast zweieinhalb Jahren darf man eine Analyse ziehen, wie sich Walter selbst und auch seine Mannschaft entwickelte. Die fällt im Endergebnis allerdings ernüchternd aus. Zweimal scheiterten die Hamburger in der Relegation, der seit fünf Spielzeiten ersehnte Aufstieg wurde mit einem immer besser zusammengestellten Kader nicht erreicht. Am Ende muss man das nüchtern betrachten und das lässt folgendes Zwischenfazit zu: “Auftrag nicht erledigt“.

Walter schafft ein neues “Wir-Gefühl“

Klar ist aber auch, dass Walter den Hamburger SV eine neue Identität gab, die Spieler zum größten Teil weiterentwickelte und für ein neues “Wir-Gefühl“ mit den Fans sorgte. Das ist beeindruckend, doch auf der anderen Seite lernt weder das Team noch der Chef aus den wiederholten Fehlern. Selbstkritik ist nicht angedacht, eine Planänderung wirkt ausgeschlossen. Man geht seinen Weg weiter und entweder es passt oder es passt nicht. Die Gegner, gegen die man verliert, geben dann nach Ansicht des Coaches immer noch ein paar Prozentpunkte mehr. Ist diese lapidare Analyse nicht zu kurzgedacht?

HSV wie TuS Dassendorf

Die Frage ist, was die Vereinsführung, wie Vorstand und Aufsichtsrat, selbst möchte. Nach dem “Dassendorf-Prinzip“ immer oben mitspielen oder doch zurück auf die große Bühne, wo man allerdings Gefahr läuft wieder gegen den Abstieg zu spielen? Walter-Chef Jonas Boldt scheint nun schon rechtzeitig auf das Gaspedal zu drücken. Der Sportvorstand hielt bisher stets zu seinem Cheftrainer, doch nach dem 2:4 in der Vorwoche scheint der Ton in seinem Büro rauer zu werden. Dessen Kontrollgremium klingelt ebenfalls Alarm. Eine Vertragsverlängerung für Walter ist derzeit nicht in Sicht. Der Druck auf Coach und Team soll erhöht werden. Im vergangenen Jahr gab man hier schnell nach, wurde am Ende mit zwei klaren Niederlagen in der Bundesliga-Relegation gegen den VfB Stuttgart enttäuscht. Dennoch wurde im sportlichen Verantwortungsbereich nichts geändert.

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Moral ist da, Punkte fehlen

Das Paradoxe ist, dass beim HSV trotz des zweiten Tabellenplatzes der Haussegen schiefhängt. Die Erklärung ist dafür allerdings simpel. Es gab zwei Niederlegen bei SV Elversberg sowie VfL Osnabrück (jeweils 1:2) und ein Remis bei SV Wehen Wiesbaden (1:1) – alles Aufsteiger aus der 3. Liga. In Kaiserslautern gab es nach einem 1:3-Rückstand noch ein Unentschieden, wobei gerade Walter hinterher lobte, dass man Moral bewies und „zurückkahm“. Die Kraftanstrengungen um genau dieses ständige “Zurückkommen“ ist einfach zu krass. Die Frage, die sich alle stellen ist, warum man immer wieder genau in solche Situationen kommt: Auswärts einen Rückstand aufholen und am Ende mit Glück einen Zähler holen oder eben nicht.

Erst Gala, dann Drama?

Jetzt kommt am Freitag Eintracht Braunschweig in den Volkspark. Dort wird alle Voraussicht nach wieder eine Gala-Vorstellung geboten, wobei alles andere als ein Sieg eine Überraschung wäre. Dann geht es zum FC St. Pauli, dem bisher ungeschlagenen Spitzenreiter – und es ist das Stadtderby, allerdings auswärts. Verlieren verboten gilt somit im dreifachen Sinne bei diesen beiden Begegnungen. Geht das schief, wird die Diskussion ziemlich großer Wahrscheinlichkeit verschärft. Der HSV steht also in vielerlei Hinsicht wieder einmal unter einem extremen Druck.

Wie schneidet das DFB-Team in der Länderspielpause ab?

  • Zwei Niederlagen (32%, 131 Votes)
  • Zwei Siege (25%, 103 Votes)
  • Ein Unentschieden, ein Sieg (18%, 74 Votes)
  • Eine Niederlage, ein Sieg (14%, 59 Votes)
  • Ein Unentschieden, eine Niederlage (10%, 41 Votes)
  • Zwei Unentschieden (2%, 7 Votes)

Total Voters: 415

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