HSV: Luka Vuskovic lässt Frust raus

Polzin lobt Leverkusen und bleibt beim Null-Ausreden-Kurs

Luka Vuskovic (Hamburger SV). Foto: Lobeca/Henning Rohlfs

Hamburg – Der Hamburger SV hat sich am 17. Spieltag der Bundesliga einem Top-Gegner geschlagen geben müssen. Nach dem 0:1 vor ausverkauftem Haus gegen Bayer 04 Leverkusen (HL-SPORTS berichtete) wirkte Trainer Merlin Polzin auf der Pressekonferenz enttäuscht, aber bemerkenswert klar in der Analyse – und blieb seiner Linie ohne Ausreden treu.

„Verdiente Niederlage gegen eine absolute Top-Mannschaft“

Polzin stellte gleich zu Beginn klar, dass der Sieg der Werkself in seinen Augen gerecht war. Er sprach von einer „absoluten Top-Mannschaft der Bundesliga“, die nicht nur mit dem Ball extrem unangenehm zu bespielen sei, sondern auch gegen den Ball große Qualität habe. Dass im Vorfeld vereinzelt Kritik am Leverkusener Spiel geäußert worden war, konnte er nach diesem Auftritt nicht nachvollziehen – gerade die erste Halbzeit habe eindrucksvoll gezeigt, welches Niveau der Gegner aktuell hat.

Unterm Strich bleibe eine „verdiente Niederlage“, die man intern sauber einordne. Emotionale Überreaktionen wolle Polzin vermeiden, zumal die Woche kurz sei und der Fokus bereits auf dem nächsten Spiel liegen müsse.

Plan mit Ball – und die Anpassung nach der Pause

Inhaltlich gab Polzin einen guten Einblick in die Spielidee des HSV. Man habe von hinten heraus Fußball spielen, sich über geschickte Positionierungen lösen und Leverkusen so vor schwierige Aufgaben stellen wollen. Doch der Matchplan ging zunächst nur bedingt auf: Der Druck des Leverkusener Pressings war so hoch, dass der HSV, wie Polzin es formulierte, „ehrlicherweise kaum reingekommen“ ist.

Die Konsequenz: eine Anpassung in der Halbzeit. Der HSV stellte auf mehr lange Bälle um, die gesichert werden sollten, um dann höher im Feld ins eigene Spiel zu kommen. Im Verlauf der zweiten Halbzeit sei diese Umstellung auch sichtbar gewesen. Das große Ziel sei gewesen, das Spiel gegen eine Topmannschaft möglichst lange offen zu halten – auf die eigene Art und Weise – und sich so zumindest einen Zähler zu erarbeiten.

Vuskovic und die Emotionen – „völlig normal“

Für die Bilder des Abends sorgte Luka Vuskovic, der nach der verpassten Großchance in der Nachspielzeit vor Frust mehrfach gegen den Pfosten trat und seine Schuhe auf die Bank schleuderte. Polzin nahm seinen Abwehrspieler in Schutz. Vuskovic lebe von seiner Emotionalität, sagte der Trainer, und wenn man vor 60.000 Zuschauern kurz vor Schluss gegen so einen Gegner die Möglichkeit auf den Punkt habe, sei eine solche Reaktion „völlig normal“.

In der Kabine sei die Stimmung dagegen kontrolliert gewesen. Man habe „ganz ruhig“ mit der Mannschaft gesprochen und die Partie sachlich eingeordnet. Wichtig sei es jetzt, schnell den Blick nach vorn zu richten.

Keine Ausreden trotz Ausfällen – Fragezeichen bei Jatta

Ein großes Thema waren die personellen Sorgen: Gleich drei Kapitäne fehlten, hinzu kam die Verletzung von Bakary Jatta, der bereits in der ersten Halbzeit runter musste. Jatta habe beim Wechsel gesagt, dass er „etwas gespürt oder sogar gehört“ habe – keine guten Anzeichen, wie Polzin durchblicken ließ. Genauere Informationen sollen die Untersuchungen der Ärzte liefern.

Trotz der prominenten Ausfälle verweigerte sich der Trainer aber konsequent jeder Opferrolle. Man werde nicht anfangen zu jammern – weder über die eng getakteten Spielansetzungen noch über fehlende Spieler. Jeder, der auf dem Platz gestanden habe, habe es sich verdient, Bundesliga zu spielen und habe diesen Anspruch auch an sich selbst. Die Niederlage habe „nichts mit den Ausfällen“ zu tun, sondern in erster Linie mit der Qualität des Gegners.

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Otto Stange als positiver Lichtblick

Positiv äußerte sich Polzin über Otto Stange, der nach seiner Zeit in der Fremde wieder beim HSV ist. Stange habe seine typische Unbekümmertheit behalten und in wenigen Szenen gezeigt, dass „immer etwas entstehen kann“, wenn er am Ball oder in seiner Nähe ist. Genau dieses Gefühl brauche ein Offensivspieler, um wichtig für Mannschaft, Trainer und Stadion zu sein.

Polzin bescheinigte dem Youngster, „definitiv die nächsten Schritte“ gemacht zu haben. In seiner Persönlichkeit sei er in den vergangenen Monaten gereift, zugleich bleibe er ein „ganz, ganz junger Kämpfer“, den man eng begleiten wolle. Wichtig sei, dass er weiter arbeite – das Potenzial, dauerhaft in dieser Liga mitzuhalten, habe er an diesem Abend erneut angedeutet.

Blick nach vorn

Trotz der Enttäuschung über das verpasste Remis wirkte Polzin in seiner Gesamtsicht gefasst. Die Mannschaft könne die Niederlage gegen einen Spitzenklub einordnen, nun gehe es darum, schnell zu regenerieren, am Sonnabend beim VfL Wolfsburg ein gutes Spiel zu zeigen und ein „gutes Ergebnis“ einzufahren. Der nächste Schritt in der Entwicklung sei klar definiert – und eines ist offensichtlich: Ausreden wird es unter Merlin Polzin auch nach einem 0:1 gegen Bayer Leverkusen nicht geben.

Schafft die VSG Lübeck den Doppel-Klassenerhalt?

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