
Hamburg – Freitagabend, Heimspielauftakt – es geht um die Vorherrschaft der Stadt Hamburg. Im Derby zwischen dem Hamburger SV und dem FC St. Pauli hat anscheinend nur eine Mannschaft die Bedeutung dieser Begegnung verstanden. Der FC St. Pauli gewann völlig verdient gegen einen absolut enttäuschenden Hamburger SV mit 2:0 (1:0).
Die 1. Hälfte: Klassenunterschied
Der HSV war in den ersten Minuten durchaus präsent, bissig in den Zweikämpfen und mit dem Versuch, Druck aufzubauen, doch ab der 15. Minute kippte das Spiel klar in Richtung St. Pauli, die zunehmend über Ballbesitz und Kombinationen Kontrolle übernahmen. Bereits nach sieben Minuten sah Dźwigała Gelb, doch Pauli ließ sich davon nicht beirren und ging nach einer einstudierten Ecke in der 19. Minute durch eben jenen Adam Dźwigała bis dato etwas glücklich in Führung. Schiedsrichter Dingert griff nach einigen hitzigen Szenen strenger durch, unterlief in der 25. Minute aber ein krasser Fehler, als er ein klares Zwei-gegen-Eins für St. Pauli wegen angeblichen Stürmerfouls abpfiff und damit das sichere 2:0 verhinderte, was den Eindruck verstärkte, dass seine Entscheidungen eher zum HSV neigten. Nach dem Gegentor blieb Hamburg ideenlos und fand keine spielerischen Mittel, während St. Pauli diszipliniert, laufstark und dominant auftrat. In der 41. Minute hatte Pereira Lage das 2:0 auf dem Fuß, verfehlte aber knapp. Zur Pause stand es nur 1:0 für St. Pauli, eine Führung, die gemessen am Spielverlauf und den Chancen deutlich höher hätte ausfallen müssen, während der HSV mit 0,06 Expected Goals praktisch nicht stattfand.
Nach der Pause: HSV im Pech, St. Pauli trifft
Der HSV kam direkt nach der Pause aus dem Nichts zum vermeintlichen 1:1 durch Königsdörffer in der 47. Minute, genau das, was aus St. Pauli-Sicht nicht hätte passieren dürfen, doch der lange Ball erwies sich als Millimeter-Entscheidung, Abseits – das Tor zählte nicht. Trotzdem war der HSV nun präsenter, kam in der 52. Minute zu einer guten Möglichkeit per Freistoß aus 18 Metern durch Muheim, den Vasilj stark parierte. Kurz darauf sorgte Pyrka mit einem brutalen Einsteigen gegen Capaldo für Aufregung, er traf zwar leicht den Ball, andernfalls wäre es wohl Rot gewesen und St. Pauli hätte zu Zehnt weiterspielen müssen. In der 56. Minute reagierte der HSV und brachte mit Dompé und Poulsen frische Kräfte und Unterschiedsspieler, doch den Unterschied machte auf der Gegenseite Andreas Hountondji, der in der 60. Minute nach einem überragenden Pass von Fujita Heuer Fernandes umkurvte und den Ball aus spitzem Winkel zur 2:0-Führung für St. Pauli einschoss. In der Folge stand St. Pauli tiefer und die Rothosen machten sich auf eine Schlussoffensive in der letzten Viertelstunde bereit. Zu allem Übel flog Giorgi Gocholeishvili in der 77. Minute auch noch mit Gelb-Rot vom Platz. Ein rabenschwarzer Tag für den Hamburger Sportverein. Obwohl die Gastgeber eigentlich dringend ein Tor benötigten, war es der KiezKlub, der deutlich näher am nächsten Jubel dran war. Zum Ende trudelte das Spiel vor sich hin und der FC St. Pauli krönte sich zum Sieger im 112. Stadtderby.

Bildquellen
- Sahiti: Lobeca/Henning Rohlfs
- Smith Duell: Lobeca/Henning Rohlfs
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