HSV mit Sturm-Problem: Harnik & Co. treffen einfach nicht
Foto: Lobeca/Gettschat
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Hamburg – Noch im vergangenen Jahr feierte der Hamburger SV die Herbstmeisterschaft in der 2. Bundesliga. Kaufen konnte man sich bei den Rothosen dafür am Ende auch nichts, denn der Aufstieg wurde nach dem 34. Spieltag verpasst. In diesem Jahr ist der inoffizielle „Halbzeit-Titel“ schon vor dem letzten Hinrunden-Spieltag nicht mehr zu ergattern. Der HSV hat nach dem 0:1 gegen den 1. FC Heidenheim (HL-SPORTS berichtete) bereits vier Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Arminia Bielefeld. Dafür sucht man bei den Hamburgern nach dem Schlüssel zum Erfolg. Von einer „Krise“ wird dabei schon medial gesprochen, doch als Tabellenzweiter in die 17. Runde zu gehen ist zwar nicht Platz eins, aber eine „Krise“ ist möglicherweise doch weit hergeholt…

Kittel bester „Torjäger“

Es herrscht ein anderes Problem am Volkspark. Die Stürmer bleiben blass und treffen nicht mehr ins gegnerische Netz. Sonny Kittel (4), David Kinsombi (2), Timo Letschert, Adrian Fein und Bakery Jatta heißen die erfolgreichsten Goalgetter beim HSV aus den vergangenen sechs Liga-Spielen. Dabei war Martin Harnik beim 6:2-Sieg gegen den VfB Stuttgart schon noch dabei, doch das liegt schon sechs Wochen zurück. Lukas Hinterseer hat dabei noch eine Woche länger nicht gejubelt. Er war beim 1:1 in Bielefeld am 21. Oktober erfolgreich.

Bobby Wood war gegen Dynamo Dresden meist nur dabei statt mittendrin
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Wood braucht nächsten „Kredit“

Besonders Hinterseer liegt in den Erwartungen noch zurück. In 14 Einsätzen kam er gerade einmal auf vier Saisontore. Im gleichen Zeitraum bei seinem Ex-Club VfL Bochum waren es derer acht Treffer – am Ende 18 (in 31 Spielen). Harnik müht sich ab, leistet dazu noch viel Defensivarbeit und läuft unheimlich viel. Der 32-Jährige kommt in neun Begegnungen auf zwei Tore insgesamt. Bobby Wood darf man in dieser Statistik aktuell am liebsten gar nicht dazuzählen. 152 Einsatzminuten in sechs Spielen = 0 Tore! Der US-Boy hat seinen Kredit nun endgültig aufgebraucht. Hier bedarf es keinem weiteren Kommentar.

Harnik: „Es ist aktuell ein bisschen der Wurm drin“

Harnik sagte nach dem Spiel gegen die Baden-Württemberger am vergangenen Freitag: „Heidenheim hat sich sehr auf die Defensive konzentriert und auf den Lucky Punch gehofft. Der ist ihnen gelungen. Wir müssen das Gegentor besser verteidigen und vorne geht einfach der Ball nicht über die Linie. Man kann auch nicht sagen: unvermögen oder schlecht, sondern es fehlt einfach das gewisse Quäntchen Überzeugung oder Glück und dann wächst so ein Torwart Kevin Müller über sich selbst hinaus. Es ist aktuell ein bisschen der Wurm drin, offensiv wie defensiv. Das müssen wir besser machen. Ich bin der Meinung, dass, wenn wir gerade gegen so einen Gegner, drei, vier oder fünf sehr gute Torchancen herausspielt haben, dass wir es dann nicht so schlecht gemacht haben. Am Ende stehen wir trotzdem als Verlierer da und damit können wir uns nicht zufriedengeben.“

Schaut man sich die Offensive der Rothosen an, versteht man spätestens dann – und nach den aktuellen Erkenntnissen: da muss im Winter nachgebessert werden. Vorne im Zentrum hakt es gewaltig. Klar, kann man es darauf schieben, dass Stürmer von ihren Mitspielern leben, doch die spielen, wie beim Handball, eher drumherum statt mittenrein. Teilweise wirkt es sehr ideenlos, was derzeit im gegnerischen Strafraum abläuft.

Hoffnung Jatta?

Einzig Jatta wird seiner Rolle gerecht und auch hier ist zu erkennen, dass er es manchmal zu kompliziert macht. Sein Nachweis: In 14 Spielen traf er zweimal. Khaled Narey versauert aufgrund der Verletzungen von Jan Gyamerah und Josha Vagnoman auf der rechten Verteidigerposition. Seine Offensivqualitäten kommen dadurch im Moment gar nicht zum Tragen. Jairo Samperio (156 Minuten im Einsatz) brachte es da schon wenigstens auf einen Treffer. Die englische Hoffnung Xavier Amaechi brachte es bisher auf 18 Minuten 2. Bundesliga. Jubeln durfte er dabei nur auf der Bank mit.

Nur 30 Prozent!

Es hakt, es knattert und es rumpelt im Hamburger Sturm. Zehn Tore erzielten die „Angreifer“ gemeinsam. Bei 33 erzielten Treffern der Gesamtmannschaft sind das gerade einmal 30 Prozent. Klar, dass die Verantwortlichen hier im Winter die Augen nach Verstärkung aufhalten müssen.

Winterzukauf?

Auf der Wunschliste kursieren viele Namen, doch wer am Ende für den HSV finanzierbar und vor allem zu finden ist, das wird sich zeigen. Vielleicht platzt der Knoten allerdings bei den Stürmern noch in den letzten beiden Spielen des Jahres in Sandhausen oder Darmstadt bis Weihnachten. Beides Auswärtsspiele – und da müssen die Rothosen eh nachlegen. Sechs Begegnungen auf des Gegners Platz wartet man schon auf einen Dreier.

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