Irrer Auftakt in die 2. Liga: HSV ringt Schalke nieder

Rothosen mit Spektakel gegen Knappen

Torjubel des HSV im Eröffnungsspiel gegen Schalke 04. Foto: Lobeca/Norbert Gettschat

Hamburg – Wahnsinn im Volksparkstadion! Ein Eröffnungsspiel, was so schnell nicht in Vergessenheit geraten wird. Im Eröffnungsspiel der 2. Bundesliga für die Saison 2023/2024 gewann der Hamburger SV verdient mit 5:3 (1:2) gegen den Bundesliga-Absteiger Schalke 04 in einer rasanten, intensiven und äußerst interessanten Begegnung. In der unterhaltsamen Partie spielten die Rothosen einen guten Kombinationsfußball. Die Abschlussstärke der Schalker wirkte zwischenzeitlich wie ein Knackpunkt für den HSV, allerdings eroberte die Mannschaft von Tim Walter in der Schlussphase immer mehr Oberwasser, auch geschuldet durch die Gelb-Rote Karte für Ibrahima Cissé, und sicherte sich über die 90 Minuten kurz vor Schlusspfiff durch die Tore von Robert Glatzel und Jean-Luc Dompé verdient die drei Punkte am 1. Spieltag.

Die 1. Halbzeit: Deutliches Chancenplus, trotzdem Rückstand

Die Rothosen eröffneten die Begegnung mit viel Druck und Pressing. Die Schalker wurden die ersten zehn Minuten in ihre Hälfte gedrückt und der HSV bestimmte die Kugel. In der 12. Minute verpasste Ransford-Yeboah Königsdörffer nur knapp, nachdem Robert Glatzel durch die Mitte steckte. Zuvor kam Glatzel bereits doppelt zur Torchance. Auf der anderen Seite tauchte Kenan Karaman zum Torschuss vor dem Tor in der 14. Minute auf, jedoch parierte Keeper Daniel Heuer Fernandes den zentralen Schuss aus kurzer Distanz. Dann war es so weit. Die gute Anfangsphase der Hamburger wurde belohnt durch das 1:0 von Glatzel in der 17. Minute. Die Hereingabe von der rechten Seite gab Immanuel Pherai, der punktgenau in die Mitte legte, wo der Torjäger per Grätsche einschieben musste. Bereits kurz darauf die nächste Chance der Hamburger. Diesmal umgekehrt legte Glatzel zurück in den Rückraum auf Pherai, den Flachschuss parierte Torwart Marius Müller allerdings stark. Die intensive und sehr ansehnliche Begegnung nimmt immer weiter Fahrt auf, nun meldeten sich die Schalker zurück und erzielten doch recht überraschend den 1:1-Ausgleich. Karaman flankt den Ball ohne Gegenwehr in den Strafraum, woraufhin Routinier Simon Terodde auf den 17-Jährigen Assan Ouedraogo zurücklegte. Der Debütant schob den Ball nach kurzem Dribbling in der 22. Minute ins linke untere Eck gegen die Laufrichtung von Hoyer Fernandes ein. Auch nach einer halben Stunde zeichnete sich der Schalker Schlussmann erneut mit einer überragenden Parade aus. Wieder kam Pherai auf Vorarbeit von Glatzel nah zum Tor. Diesmal vergab der Niederländer von der linken Seite, wobei Torwart Müller den Ball per Fußabwehr knapp am Tor vorbeilenkte. Die Leistung von Müller hielt bestand, etwa zehn Minuten vor dem Pausengang nahm Levin Öztunali das Leder innerhalb des Strafraums aus der Luft, aber der Schalker Torwart wehrte mit beiden Händen ab und ließ den Ball gegen den Pfosten fliegen. Vor dem Pausenpfiff kam Moritz Heyer noch doppelt zu Torchancen. Dann der Schock für die Rothosen. In der Nachspielzeit der 1. Halbzeit kam Thomas Ouwejan mit seinem starken Fuß zum Abschluss und brachte die 04er mit einem schönen Dropkick zum 2:1 in Führung. Insgesamt hatten die Hamburger im ersten Durchgang mehr von der Partie, allerdings brachte Schalke 04 eine Führung in die Kabine, trotz deutlich weniger Abschlüssen. Ein durchaus interessantes und qualitativ hohes Eröffnungsspiel, was Lust auf mehr macht.

Nach der Pause: Spektakel noch und nöcher

Marius Müller machte da weiter, wo er im ersten Durchgang aufgehört hatte. Nach einer strammen Flanke stand Stürmer Glatzel frei vorm Tor, doch wieder hielt Müller den Torschuss mit einem starken Reflex. Vermutlich wäre im Anschluss auf Abseits entschieden worden, dennoch eine weitere gute Chance für den HSV. Zwischenzeitlich stellte S04 auf 3:1 durch einen sehenswerten Treffer von Terodde, allerdings hauchzart aus Abseitsposition erzielt (52.). Der Offensivdrang der Mannschaft von Tim Walter bleibt bestehen. Ibrahima Cissé foulte Glatzel im Strafraum. Schiedsrichter Dr. Jöllenbeck blieb nichts anderes übrig, als auf den Punkt zu zeigen. Den Foulelfmeter verwandelte Laszlo Benes souverän ins linke untere Eck zum 2:2 in der 57. Minute, diesmal war Torwart Müller ohne Chance. Nur drei Minuten und 26 Sekunden später traf Benes erneut zum 3:2 nach einem Konter marschieren mehrere Hamburger in Richtung gegnerischen Tor. Robert Glatzel schiebt schlussendlich zu Benes rüber, der den Keeper mit einem Heber überwindet und jubelnd in Richtung Eckfahne lief. Das Spiel nahm immer mehr an Schwung auf. In beide Richtungen kam mehr Tempo, Aggressivität und Intensität auf. Die gute Stimmung auf den Rängen von beiden Fanlagern war dem Spiel entsprechend. Das Hin und Her hielt weiterhin bestand. In wenigen Minuten hatte der HSV drei Konterchancen, weil die Schalker viel zu luftig und offen nach vorne schoben, allerdings bekleckerten sie die Rothosen in der Phase auch nicht mit Ruhm. In diesen wilden Sequenzen schlief die Hintermannschaft kurzzeitig und das reichte für den Absteiger aus der Bundesliga aus, um Terodde tief zu schicken. Guilherme Ramos rückte zu spät raus und Terodde verwandelte den perfekt gespielten Pass von Ron Schallenberg im Netz zum erneuten Ausgleich (66.). 20 Minuten vor Beendigung der regulären Spielzeit dann die guten Nachrichten für die Norddeutschen. Ibrahima Cissé sah die Ampelkarte und musste den Platz verlassen. Somit die Schalker für die restliche Spielzeit in Unterzahl. Einwechslung Muheim ließ das Tor in der 81. Minute noch einmal richtig wackeln. Mit einem Fernschuss außerhalb des Sechzehners traf der Schweizer lediglich den rechten Pfosten, aber auch der Nachschuss von Glatzel segelte nur knapp über den Querbalken. Alles drin in diesem Wahnsinns-Spiel. Benes und Glatzel erzielten jeweils ein weiteres Abseitstor in der Schlussviertelstunde (80., 83.). Auch Schlussmann Heuer Fernandes zeichnete sich noch einmal aus, nachdem Bryan Lasme aus kurzer, aber spitzer Entfernung abzog. Weiterhin große Angriffslust aufseiten des HSV. Glatzel mit einer Kopfballchance (85.) und Jonas Meffert mit einer guten Chance, nachdem Jean-Luc Dompé auf dem Flügel zur Flanke gekommen war, nur das Schienbein von Henning Matriciani verhinderte den Einschlag ins Tor. Die Rothosen bestimmten die Schlussphase in Überzahl und kamen schlussendlich in der 91. Minute durch Glatzel zur 4:3-Führung. Van der Brempt legte den Ball in die Mitte zum Mittelstürmer, der spitzelte die Kugel an Keeper Müller vorbei und schob im Fallen ins Tor ein. Das Volksparkstadion hob für einen kurzen Moment ab, so groß war der Jubel über diesen Führungstreffer. Den Abschluss und Auftaktsieg sicherte dann Dompé zum 5:3 in der 98. Minute, nachdem alle Schalker, einschließlich Müller, im gegnerischen Strafraum den Ausgleich erzielen wollten.

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Fazit: Kampfgeist und Offensivfreude

Der HSV spielte eine sehr gute 1. Halbzeit, aber belohnte sich nicht ordentlich für die Leistung. Hingegen das alt bekannte Problem. Vorne werden die Chancen nicht genutzt und hinten braucht es nicht viele vom Gegner, obwohl die Verteidigung im gesamten nicht schlecht geordnet steht. Viel Rotation auf Seiten der Hamburger. Viel Bemühung und Spielideen. Der Spielwitz der gesamten Truppe sticht hervor, außerdem die Zielstrebigkeit das Spielfeld schnell zu überbrücken und möglichst schnell zum gegnerischen Tor zu gelangen. Insgesamt ein äußerst überzeugender Auftritt des HSV. Auch die zweite Halbzeit überzeugte spielerisch und machte Lust auf mehr. Jedoch gibt die Anzahl an Gegentoren zu denken übrig. Das Scheibenschießen mit acht Toren sollte nicht jede Woche auf der Agenda stehen, dennoch ein höchst ansehnliches Spiel für jeden Fußballfan.

Statistik

Hamburger SV: Heuer Fernandes (TW), Heyer (Muheim 79.), Ambrosius, Ramos, van der Brempt (Oliveira 90+3.), Pherai (Krahn 90+3.), Meffert (C), Benes, Öztunali (Dompé 78.), Glatzel, Königsdörffer (Jatta 68.)
Schalke 04: Müller (TW), Ouwejan, Kaminski, Cissé, Brunner, Schallenberg, Ouedraogo (Lasme 61.), Drexler (Latza 77.), Mohr (Seguin 61.), Terodde (C)(77. Polter), Karaman (Matriciani 73.)
Tore: 1:0 Glatzel (17.), 1:1 Ouedraogo (22.), 1:2 Ouwejan (45+1.), 2:2 Benes (57.), 3:2 Benes (60.), 3:3 Terodde (66.), 4:3 Glatzel (90+1.), 5:3 Dompé (90+8.)
Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)
Schiedsrichter: Dr. Matthias Jöllenbeck (Freiburg)
Gelbe Karten: Öztunali, Heyer / Schallenberg, Cissé
Rote Karten: – / Cissé

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