
München – Bamm! Der TSV 1860 München steigt aus der 3. Liga ab. Die „Löwen“ können die Lizenzbedingungen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nicht erfüllen und spielen nach dem Sommer in der Regionalliga Bayern. Das bestätigte der Traditionsverein am Mittwoch. Das hat Auswirkungen für den Norden.
Auf der Internetseite des Vereins heißt es: „Die TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA wird aufgrund eines nicht fristgerecht erbrachten Liquiditätsnachweises die erforderliche Zulassung für die 3. Liga durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) nicht erhalten. Ursächlich dafür ist eine nicht erfüllte Finanzierungszusage unseres Gesellschafters Hasan Ismaik und der mit ihm verbundenen Unternehmen.“
Was ist passiert?
Hasan Ismaik, der jordanische Gesellschafter, war 2011 als Investor bei den Giesingern eingestiegen und stützte den Club seitdem. 2017 musste man schon einmal in die 4. Liga runter – damals als Durchmarsch aus der 2. Bundesliga, da es für die 3. Liga keine Lizenz gab. Nun also erneut. Warum?
Der Verein hat ein Defizit von 2,7 Millionen Euro. Ismaik signalisierte zwar, den fehlenden Betrag auszugleichen, jedoch kündigte er die Darlehensverträge. Vor einer Woche wandte sich der 48-Jährige in den sozialen Medien öffentlich an die Fans:
„Seit fünfzehn Jahren habe ich den Verein mit nahezu 80 Millionen Euro unterstützt, weil ich an die Möglichkeit geglaubt habe, die Löwen auf starken und stabilen Grundlagen neu aufzubauen. Mein Ziel war es nie, lediglich beteiligt zu sein, sondern dazu beizutragen, den Verein dorthin zurückzuführen, wo er hingehört. Die Wahrheit ist jedoch, dass die Ergebnisse nicht das waren, was wir uns alle erhofft hatten. Ich sage das nicht, um jemandem die Schuld zu geben oder mich selbst von Verantwortung freizusprechen. Jede Phase hatte ihre eigenen Umstände, und jede Partei trug entsprechend ihrer Position und Rolle einen Teil der Verantwortung. Auch ich übernehme vollumfänglich Verantwortung für die Vergangenheit. Doch nach all diesen Jahren müssen wir ehrlich und unmissverständlich sein: Die derzeitige Situation kann so nicht weitergehen, und die aktuelle Situation muss ernsthaft und mutig auf den Prüfstand gestellt werden. Hierbei müssen die Interessen des Vereins über jede andere Erwägung gestellt werden. Der Verein braucht mehr als eine neue Finanzierung. Er braucht eine echte Restrukturierung, ein klares Finanzkontrollsystem und Compliance sowie ein Management, das nach modernen institutionellen Standards arbeitet, wie es auch bei erfolgreichen Vereinen und Unternehmen der Fall ist. Wie Ihr der Presse sicherlich entnommen habt, habe ich die bestehenden Darlehen gekündigt, weil wichtige Verpflichtungen unter den Darlehensverträgen nicht eingehalten wurden. Wir haben aber auch ein neues Finanzierungsmodell mit besseren Konditionen als zuvor vorgelegt, zinslos und mit zusätzlicher finanzieller Unterstützung, die darauf abzielt, den Verein zu schützen und seinen Verbleib in der Dritten Liga sicherzustellen. Diese Unterstützung muss jedoch an Transparenz und finanzielle Disziplin gebunden sein, damit wir sicherstellen können, dass die Mittel ordnungsgemäß verwendet werden.“
Der Verein äußerte sich ebenfalls:
„Die von HAM International in den Bereichen Compliance-Richtlinien und Finanzberichterstattung geforderten organisatorischen Veränderungen wurden und werden in weiten Teilen sogar von den Vereinsvertretern unterstützt. Der von unserem Mitgesellschafter erweckte Eindruck, die Vereinsvertreter würden sich an dieser Stelle verwehren, entspricht nicht den Tatsachen. Das bislang zur Anwendung gekommene Reporting-System wurde von HAM-Vertreter Anthony Power selbst implementiert. HAM International hätte eine Erweiterung oder Modifikation nebst der dafür erforderlichen Finanzierung mit ihrer Mehrheit im Aufsichtsrat jederzeit beschließen können. Dafür hätte es nicht einmal der Stimmen der e. V.-Vertreter bedurft. Gleiches gilt für die Umsetzung eines wie auch immer gearteten Restrukturierungsplans. Wenn die Vertreter von HAM International an dieser Stelle organisatorische Defizite vermuten, hätten sie in der Vergangenheit längst nach ihren Wünschen handeln können. Allerdings enthalten die publik gewordenen Forderungen von Hasan Ismaik auch Elemente, die mutmaßlich gegen Verbandsrichtlinien und insbesondere gegen die 50+1-Regelung verstoßen. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat Bedenken angemeldet. Vor diesem Hintergrund durften sich weder die Vereinsvertreter noch die Geschäftsführung der TSV München von 1860 GmbH dem Ansinnen von HAM International vorbehaltlos unterwerfen.“
Mittwoch um 17 Uhr verstrich die Deadline beim DFB. Die Sechziger konnten nicht, Ismaik wollte wohl nicht. Der Abstieg war damit besiegelt. Die Münchner werden mit 58 Punkten von Platz sieben ans Tabellenende gesetzt.
Havelse und St. Pauli II gerettet
Das hat direkte Auswirkungen auf die Regionalliga Nord: Der TSV Havelse wird als sportlicher Absteiger somit vermutlich nicht aus der 3. Liga absteigen, sondern als Tabellen-16. die Klasse halten. Die Niedersachsen gaben am Mittwochabend bekannt, dass sie alle erforderlichen Unterlagen beim DFB eingereicht hätten, allerdings noch keine Entscheidung vorliege. Sollte man Drittligist bleiben, würde auch der FC St. Pauli II in der Regionalliga Nord verbleiben. Die Kiez-Reserve ist eigentlich sportlich abgestiegen. Nun warten alle auf die offiziellen Bestätigungen.
Ex-Lübecker verlässt Niedersachsen
Und noch etwas von den Garbsenern: Florian Riedel verlässt den Verein in diesem Sommer. Der Geschäftsführer des Clubs kam 2021 vom VfB Lübeck und war auf und neben dem Platz aktiv. Kurios: Der 36-Jährige beendete seine Spielerkarriere erst im Februar – ausgerechnet gegen 1860 München.





