
Lübeck – Der vierte Spieltag in der Kreisliga Süd wurde mit einem echten Topspiel eröffnet. Der TSV Travemünde empfing den Eichholzer SV II. Beide Mannschaften gehören zum engeren Favoritenkreis auf den Aufstieg und haben sich im Sommer hochkarätig verstärkt. Zudem standen beide vor dem Spiel bei der gleichen Anzahl an Punkten, sodass ein spannendes Duell erwartet wurde. Am Ende gab es ein Spiel, das eine Menge bot. Es war hochklassig, umkämpft und bis zur letzten Sekunde spannend.
Weiterer Ausrutscher verboten
Es war eines der Spiele, über das man auch in nicht ganz einem Jahr noch sprechen könnte. Der TSV Travemünde empfing den Eichholzer SV II und in diesem Duell steckte so viel. Beide Mannschaften gehören zum engeren Favoritenkreis auf den Titel und zeigten dies bereits in den ersten Wochen der neuen Saison. Beide Mannschaften holten vor diesem Spiel zwei Siege aus drei Spielen, doch bekamen am vergangenen Wochenende auch einen herben Dämpfer. So standen sechs Zähler auf dem Konto der beiden Teams. Daher war dieses Spiel für beide auch alles andere als unwichtig, denn ein weiterer Ausrutscher würde dafür sorgen, dass man erst einmal ins Hintertreffen geraten würde. Bei Eichholz, die vor der Saison als absoluter Top-Favorit gehandelt wurden, sollte es zuletzt zweimal eher schleppend laufen, denn auch wenn auf die 2:3-Niederlage gegen Viktoria ein Sieg folgte, sollte die zweite Hälfte gegen Rethwisch am Donnerstagabend für Fragen sorgen. Eine 6:1-Pausenführung wurde beinahe noch aus der Hand gegeben, denn am Ende hieß es 4:6 und Torhüter Lasse Borkenhagen verhinderte eine aus Sicht der Lübecker Katastrophe.
Überraschungen in Eichholzer Startelf
Dieser Auftritt wurde allerdings hinter sich gelassen, sodass der Blick ganz klar nach vorne auf das Topspiel gerichtet wurde. Die Vorfreude auf dieses war bei beiden Mannschaften groß, sodass Travemünde beispielsweise am Donnerstag beim 6:0-Sieg in Stockelsdorf schon einige Stammspieler über 90 Minuten auf der Bank ließ. Mit Blick auf das Personal sollte beim TSV ganz vorne Thomas Aldermann, der einst selbst am Pöbelberg spielte, vor Lennard Prüßmann stürmen. Christian Furchtmann und Lennard Hesebeck bearbeiteten die linke Seite, während auf der anderen Seite Pascal Schönknecht und Martin Langner agierten. Viel Tempo war es also, auf das Christian Jetz und sein Trainerteam setzte. Dem stand eine Mannschaft gegenüber, in der es durchaus Überraschungen gab. So nahmen Maik und Tim Germann beide zunächst auf der Bank Platz. Hinten sollte Nico Hoffmann neben Jan Senkbeil die Innenverteidigung bilden, während im Mittelfeld Caspar Stark auf die Zehn für Maik Germann rückte und auf dem Flügel überraschenderweise Nils Borkenhagen den Vorzug erhielt. Sein Tempo sprach für ihn.
Prüßmann trifft sehenswert zur Führung
In der Anfangsphase war es ein Spiel, in dem beide sich schon früh auf Augenhöhe begegneten. Beide hatten Ballbesitzphasen, wobei die erste Chance dem TSV Travemünde gehörte. Prüßmann legte ab für Aldermann, doch sein Schuss wurde geblockt. Auf der anderen Seite sollte Marc Jech eine Flanke in die Mitte bringen, wo Matti Meyer knapp über das Tor köpfte. Es gab erste Annäherungen, doch ansonsten war es ein Beginn, bei dem keine Mannschaft wirklich viel Risiko ging. Nach nicht ganz zehn Minuten sollte dennoch mal richtig Gefahr entstehen. Christian Furchtmann zog mal das Tempo an, zog in die Mitte, wo die Gäste nicht richtig klären konnten, sodass Lennard Prüßmann (9.) sich drehte und den Ball zur Travemünde-Führung vollendete. Im Gegenzug kam Eichholz, denn ein Ball rutschte Hesebeck durch, sodass Borkenhagen auf rechts durch war, doch die Flanke kam zu ungenau.
Hamer antwortet, Schönknecht köpft ans Aluminium
Eichholz übernahm nun mehr Kontrolle, hatte etwas mehr den Ball, doch ohne allzu zwingend zu werden. Travemünde machte es gut, verteidigte es stark und setzte vorne Nadelstiche. So kam Citea zum Abschluss, doch ein Verteidiger warf sich rein. Dann sollte sich allerdings die Qualität eines Top-Stürmers zeigen, denn solch einer ist Niklas Hamer ohne Frage. Fünfmal traf er bereits in den ersten drei Spielen und nun folgte Nummer sechs nach 20 Minuten an der Ivendorfer Landstraße. Stellbrinck bediente ihn, anschließend war es eine Bewegung und schon zappelte die Kugel im Netz. Völlig kompromisslos traf er zum Ausgleich. Auf der anderen Seite sollte Prüßmann rüberschießen, bevor ein Freistoß von Senkbeil knapp am zweiten Pfosten vorbeisegelte. Die beste Chance der ersten Hälfte hatten die Monte-Kicker dann in der 40. Spielminute. Eine Hereingabe verlängerte Schönknecht mit dem Kopf, wo sich Eichholz etwas verschätzte und der Ball an den Pfosten segelte. Dort fehlte nicht viel. Die letzten beiden Abschlüsse hatte die Gastmannschaft, doch beim Schuss von Stark fehlte einiges und Matthis Schock prüfte TSV-Keeper Fehrs nur minimal.
Stark trifft, Hesebeck gleicht aus
Zur Pause sollte es 1:1 stehen und dies war nicht unverdient. Die Zuschauer bekamen ein hochklassiges Spiel zu sehen, das seinen Erwartungen absolut gerecht wurde. Travemünde hatte zwar die besseren Chancen, wobei Schönknechts Kopfball an den Pfosten zu nennen ist, doch Eichholz zeigte, dass sie aus wenig auch ganz viel machen können. Daher war für den zweiten Durchgang alles offen. Dieser begann mit zwei Abschlüssen auf beiden Seiten. Zunächst zog John Liehr mal ab, der im Mittelfeld ein sehr starkes Spiel absolvierte und eine Menge Ruhe reinbrachte, doch sein Schuss wurde geblockt. Auf der anderen Seite versuchte es der auffällige Stark mal. Beide Versuche waren Annäherungen, doch nicht wirklich zwingend. Anders sah es aus, als neun Minuten nach Wiederbeginn der Ball durch zu Caspar Stark (54.) kam, dieser Tobias Lüth mit einem Haken kurz aussteigen ließ und dann eiskalt zur Führung traf. Das Spiel war gedreht und bereits in den ersten Minuten war zu sehen, dass die Zweitvertretung etwas aktiver wurde und besser in den zweiten Durchgang kam. Nun lief die Heimelf also dem Rückstand hinterher und im Gegenzug sollte es direkt gefährlich werden, doch Lasse Borkenhagen passte gegen den durchgestarteten Hesebeck auf. Zehn Minuten später sollte dies allerdings anders aussehen, denn erneut rannte Hesebeck durch, doch brachte den Ball diesmal auf das Tor, wo der ESV-Keeper keine gute Figur machte und den Ball durchrutschen ließ (64.).

Citea kommt mit Gelb davon – Fehrs fliegt
Mit einem 2:2 ging es also in die Schlussphase und in dieser sollte es ordentlich zur Sache gehen. So trat Travemündes Citea, den Mittelfeldspieler Matti Meyer von hinten voll in die Beine. Zwar war eine Intention zum Ball zu gehen vorhanden, doch es war hohes Tempo, mit dem der im Sommer von Viktoria 08 gekommene Zentrumspieler in den Mann ging. Es entfachte eine Rudelbildung, die allerdings der sehr gute Schiedsrichter schnell beruhigte. Zudem gab es die Verwarnung für Citea, wobei dieser dort mit einem blauen Auge davonkam. Es hätte also durchaus auch der Platzverweis sein können, doch so blieb es beim Elf-gegen-Elf. Eichholz II war in der Schlussphase die aktivere Mannschaft, die nun auch Chancen kreierte. Dabei hatte Stark allein vor Fehrs die Beste. Doch auch Nico Hoffmann sollte per Kopf freistehend vorbeiköpfen, doch dort ging die Fahne hoch. Travemünde kam durch den eingewechselten Neuzugang Yigit Keremsah aus der Distanz zu einem guten Abschluss. Dieser wurde noch leicht abgefälscht, sodass es die Ecke gab. Diese konnte die Landesliga-Reserve klären und daraus wurde plötzlich ein brandgefährlicher Konter. Der lange Ball ging in Richtung Stark, der kurz davor war, Lüth zu überlaufen und allein aufs Tor zuzulaufen, doch plötzlich kam TSV-Keeper Fehrs raus und holte den Angreifer als letzten Mann von den Beinen. Er rannte diesen komplett um und dies genau in dem Moment, wo der Eichholzer Lüth hinter sich ließ. Es gab nach längerer Behandlung beider Spieler die Rote Karte. Jonas Barczok zog die Handschuhe an und dieser sollte beinahe noch überwunden werden. Ein Pfostentreffer verhinderte den Lucky-Punch der Gäste.
Gerechtes Remis
Nach 90 Minuten muss man allerdings klar festhalten, dass dieses Spiel keinen Sieger verdient hatte. Nicht, weil beide Mannschaften an diesem Tag enttäuschten, sondern ganz im Gegenteil. Es war beste Werbung für diese besondere Liga, die Woche für Woche eine Menge bietet. Zwei starke Mannschaften, die sich nichts schenkten, doch beide am Ende Argumente für sich hatten, trennten sich 2:2. Vor der Pause war die Heimmannschaft die etwas bessere aufgrund der gefährlicheren Möglichkeiten, doch nach dem Seitenwechsel schlug das Pendel eher Richtung ESV II aus. Das Remis war absolut leistungsgerecht und für alle Beteiligten, sei es Spieler, Trainer, Schiedsrichter oder aber Zuschauer, ein echtes Fußballfest.
Eichholz nimmt den Punkt gerne mit
Gästetrainer Stephan Lindhoff sagte nach dem Punkt seiner Mannschaft in Travemünde: „Ich glaube, wir wussten, dass es hier in Travemünde schwer wird, denn wir haben uns schon letztes Jahr hier schwergetan. Travemünde hat eine Bomben-Truppe, sie sind läuferisch und kämpferisch stark, haben individuelle gute Spieler und darauf haben wir uns eingestellt. Ich glaube, es war auch absolut verdient, das 2:2 aus beiden Perspektiven, denn es hat keinen Sieger verdient gehabt. Es war trotzdem ein schnelles, hochklassiges Spiel für die Kreisliga. Ich glaube, man hat gesehen, dass da zwei sehr gute Mannschaften gegeneinandergespielt haben. Ich nehme den Punkt gerne mit, jetzt haben wir sieben und damit können wir gut leben.“ Zu den vergangenen Spielen, wo der Trainer eher weniger zufrieden war, sollte es eine klare Steigerung sein: „Das, was wir heute läuferisch und zweikampftechnisch geackert haben als Team, das ist deutlich besser gewesen als die letzten Spiele. So stelle ich es mir vor, es war ein guter Kampf.“
Jetz sah ein richtig tolles Kreisligaspiel
Travemündes Trainer Christian Jetz sah von seinem Team einen Auftritt, mit dem er definitiv arbeiten kann. Es hat ganz klar bewiesen, dass die Monte-Kicker mit jedem Team in dieser Liga mithalten können und sich keineswegs verstecken müssen. Auch wenn Jetz im Vorfeld den Gegner vom Pöbelberg bereits als kommenden Meister und „FC Bayern der Kreisliga“ betitelte, sollte es klar zeigen, dass beide Mannschaften ganz oben mitspielen, sich durchaus ein enges Rennen liefern können, aber auch nicht unbedingt jedes Spiel von alleine gewinnen werden. Die Kreisliga Süd ist eine ganz besondere, die über eine Qualität verfügt, wie sie kaum eine hat und dies sollte dieses Duell ganz klar zeigen. Der Coach des TSV Travemünde sagte: „Für mich, direkt nach dem Abpfiff, war eigentlich sofort klar, dass wir ein richtig tolles Kreisligaspiel gesehen haben. Wir hatten die ersten 60 Minuten für mein Dafürhalten mehr vom Spiel. Am Ende hat Eichholz nochmal mit Wucht dagegengehalten und war dann zwingender. Insofern ging das dann in Ordnung. Man kann nur alle beglückwünschen, die daran teilgenommen haben. Die Rote Karte war am Ende unglücklich und ungewollt, aber korrekt.“







