Lübeck – Alle Jahre wieder: die Sommerpause hat für den Großteil der Fußballerinnen begonnen. Lediglich die Aufstiegsspiele stehen noch aus, dann dürfen auch die letzten Teams in ihre mehrwöchige Pause gehen. Same procedure as every year also, ebenso wie die Tatsache, dass wieder Mannschaften kommen und gehen. Ebenso geht das Werben und Abwerben von Spielerinnen und die verzweifelte Suche wieder los. Angesichts der Nachwuchssorgen im Frauenfußball ist dies wenig verwunderlich, doch die Gründe dafür müssen die Vereine auch bei sich suchen.

Die Frauen der SG Rönnau/Segeberg? Aufgelöst! VfL Oldesloe? Vor der Auflösung. SSC Hagen Ahrensburg? Vor dem Rückzug aus der SH-Liga. MTV Ahrensbök? In der Kreisliga abgemeldet. Zugegeben, das sind jetzt vier Extrem-Beispiele aus jüngster Zeit und sie betreffen Lübeck nicht unmittelbar, aber die Warnzeichen sind unverkennbar – zumal es auch im lokalen Raum genug Beispiele für Teams gibt, welche sich entweder in die Kreisklasse zurückzogen (Phönix, Kücknitz) oder zu einer Spielgemeinschaft wurden (Dornbreite/Moisling/Viktoria). Auch bei den Juniorinnen ist es ähnlich. Dort hat die SG Hansa/Moisling während der Saison zurückgezogen, so dass lediglich die MSG Viktoria/Krumesse und der TSV Ratekau als 11er-Mannschaften übrig bleiben. Die Kreisliga umfasst fünf Kreise und gerade mal neun Teams.

Viel mehr Warnschüsse kann es eigentlich nicht mehr geben, doch die Vereine verschließen die Augen vor der Realität. Der demographische Wandel, ein immer größer werdendes Freizeitangebot und der Ganztagsschulbetrieb werden gerne als Gründe vorgeschoben, die gesellschaftliche Entwicklung bremst folglich den Frauenfußball aus. Ohne Frage: diese Gründe sind nicht von der Hand zu weisen, doch sie sind nur ein Teil der Wahrheit.

Der andere Teil ist: der Frauenfußball wird von der Mehrheit der Vereine immer noch stiefmütterlich behandelt! Schlechte Trainingsbedingungen, keine nachhaltige Nachwuchsarbeit, das Bestehen auf den eigenen Pfründen, eine -im Vergleich zu den Junioren und Herren- schlechte finanzielle Ausstattung und die Fokussierung auf den Herrenspielbetrieb müssen ebenfalls aufgezählt werden, diese werden aber gern verschwiegen. Stattdessen wird lieber gejammert und geweint; es wird lieber gesagt, dass man machtlos ist oder andere etwas ändern müssen.

Allerdings sollten die Herren Verantwortlichen mal anfangen, vor der eigenen Haustür zu kehren. Wenn den Vereinen wirklich etwas am Frauenfußball gelegen ist, dann sollten sie anfangen zu arbeiten. Dazu gehört, dass Strukturen geschaffen werden, die nachhaltig sind. Dazu gehört, die richtigen Mittel für die Nachwuchsarbeit und die Ausstattung bereitzustellen. Dazu gehört, vorbehaltlos mit anderen Vereinen zusammenzuarbeiten, um Nachwuchsprobleme gemeinsam aufzufangen. Am Wichtigsten wird es aber sein, den Fußballerinnen und allen, die sich für sie einsetzen, den Respekt zu erweisen, welchen sie verdienen. Das Werben, das Zugehen auf Frauen und Mädchen, gehört ebenfalls dazu.

Nur dann werden die Nachwuchssorgen langsam aufhören und nur dann wird sich der Frauenfußball in der Spitze und in der Breite so entwickeln können, wie es sich alle Aktiven für ihren Sport wünschen. Und nur dann werden die Abwehrversuche und die verzweifelt anmutenden Suchen nach neuen Spielerinnen langsam aufhören. Ansonsten tritt der Frauenfußball nur auf der Stelle – bestenfalls!