
Hamburg – Was für ein Finale im Volksparkstadion! Als sich die 57.000 Zuschauer am Sonnabend bereits auf ein torloses Unentschieden zwischen dem Hamburger SV und dem VfB Stuttgart eingestellt hatten, schlug Miro Muheim zu. Mit einem sehenswerten Distanzschuss in der 88. Minute erzielte der Schweizer den entscheidenden Treffer zum 1:0 (0:0) gegen den Champions-League-Teilnehmer. Die Rothosen feierten damit ihren dritten Bundesliga-Sieg in Folge und kletterten in der Tabelle vorerst auf den neunten Platz.
Die 1. Halbzeit: Stuttgart vergibt zahlreiche Chancen
HSV-Trainer Polzin musste seine Startelf im Vergleich zum 3:2-Erfolg bei der TSG Hoffenheim auf zwei Positionen verändern. Für den verletzten Nicolai Remberg (Kreuzbandriss) und den angeschlagenen Sambi Lokonga (Oberschenkelprobleme) rückten Miro Muheim und Nadir in die Anfangsformation.
Die Gäste erwischten den deutlich besseren Start. Bereits in der ersten Minute verfehlte Angelo Stiller mit einem Volleyschuss knapp das Hamburger Tor. Auf der Gegenseite setzte Fabio Vieira (5.) den Ball nach einer Balleroberung über den Kasten.
Anschließend geriet HSV-Torhüter Daniel Heuer Fernandes mehrfach in den Mittelpunkt. Zunächst parierte er einen Fernschuss von Josha Vagnoman (6.), ehe Deniz Undav (9.) nach einer Flanke aus kurzer Distanz über das Tor abschloss. Auch Ermedin Demirovic (15.) ließ wenig später eine gute Kopfballchance ungenutzt.
Nach rund 20 Minuten fanden die Hamburger besser in die Begegnung. In der 26. Minute bot sich die große Möglichkeit zur Führung: Einen Kopfball von Sebastiaan Bornauw nach einer Ecke fälschte Vieira mit dem Oberschenkel gefährlich ab. VfB-Keeper Dennis Seimen verhinderte mit einer starken Flugparade den Rückstand.
Kurz vor der Pause hatten die Schwaben erneut die Führung auf dem Fuß. Undav traf nach einem Zuspiel von Jamie Leweling nur den linken Pfosten (39.). Wenig später lenkte Heuer Fernandes einen Kopfball von Demirovic (41.) über die Latte.
So ging es trotz zahlreicher Stuttgarter Möglichkeiten torlos in die Kabinen.
Nach der Pause: Muheim sorgt für die Entscheidung
Beide Mannschaften kamen zunächst unverändert aus der Kabine. Der HSV zeigte sich nun deutlich mutiger und kam seinerseits zu guten Möglichkeiten.
Nach einem vergebenen Freistoß von Vieira (47.) setzte Yussuf Poulsen eine Flanke von Möller Wolfe (48.) per Kopf knapp neben den Pfosten. Wenig später überschlugen sich die Ereignisse: Zunächst vergab Demirovic aus fünf Metern per Kopf, ehe Poulsen nach einem Zuspiel von Vieira die Latte traf (53.). Den hoch abspringenden Ball konnte Seimen gerade noch über das Tor lenken.
Auch Stuttgart blieb gefährlich. In der 58. Minute verhinderte Heuer Fernandes mit einer Glanzparade gegen einen Drehschuss von Undav den Rückstand.
Polzin brachte anschließend Otto Stange für Poulsen (61.). Inzwischen entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, in dem auch HSV-Kapitän Nicolás Capaldo zweimal zum Abschluss kam. Seimen und Jeff Chabot verhinderten jedoch einen Treffer.
In der Schlussphase schien Stuttgart dem Sieg näher zu sein. Der eingewechselte Pejcinovic (80.) köpfte zunächst neben das Tor und ließ in der 86. Minute eine weitere große Möglichkeit ungenutzt.
Dann kam die 88. Minute. Der HSV setzte zum Konter an, Miro Muheim zog aus rund 25 Metern ab und jagte den Ball zum 1:0 ins Netz. Das ausverkaufte Volksparkstadion stand kopf.
Die Hamburger überstanden auch die letzte Druckphase der Gäste. Mit dem Schlusspfiff kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Muheim wurde von seinen Mitspielern auf Höhe des Mittelkreises gefeiert.
Für den HSV war es der dritte Bundesliga-Sieg hintereinander – eine solche Serie war den Rothosen zuletzt in der Saison 2010/2011 gelungen.
Stimmen nach dem Spiel
Miro Muheim: „Es fühlt sich für mich unglaublich an und ich habe es noch nicht so richtig realisiert. Die Gefühle kommen wohl erst, wenn ich später zu Hause bin. Vor der Nordtribüne zu jubeln, war unfassbar. Ich bin gerade müde und muss das verarbeiten. Beim Schlusspfiff ist die ganze Anspannung abgefallen. Wir haben jetzt drei Spiele hintereinander gewonnen. Nach dem schwierigen Start in die Saison sind wir klar und bei uns geblieben. Wir wussten, in welchen Bereichen wir besser werden müssen, und haben daran Woche für Woche geschraubt. Daran müssen wir weiterarbeiten. Jetzt kommt das nächste Spiel und auch dieses wollen wir gewinnen.“
Merlin Polzin (HSV-Trainer): „In der ersten Viertelstunde haben wir ein paar Situationen verpasst, die zu unserem Plan gehörten. Wir haben gebraucht, um reinzukommen, hatten dann unsere ersten Momente, mit denen wir ins Spiel gekommen sind. Das hat uns geholfen, auch das Gefühl zu bekommen, dass wir zwar gegen einen Top-Gegner spielen, der Deutschland international vertritt, aber etwas möglich ist. Spätestens mit der zweiten Hälfte haben wir das Spiel und das Stadion so auf unsere Seite gedreht, dass mit leidenschaftlichem Verteidigen, viel Laufen und viel Energie was drin ist. Natürlich mussten wir weitere Momente überstehen, und dennoch haben wir weiter und klar nach vorn gespielt. Die Jungs haben das gespürt. Der Volkspark war ein Faktor. Genauso ist es ein Faktor, dass wir von der Bank wieder das Spiel positiv beeinflusst haben. Gerade mit dem Ausfall von Rambo gibt uns das viel Kraft und Vertrauen, um in der Bundesliga weiter bestehen zu können. Das macht mich glücklich. Die Mannschaft hat das ausgestrahlt, dass der HSV mit seiner Art in der Bundesliga bestehen kann. Ein toller Moment für uns und auch für Miro.“
Der 6. Spieltag (16. – 18. Oktober)
Frankfurt – Köln 1:0
Berlin – Dortmund 0:0
Hamburg – Stuttgart 1:0
Bremen – Paderborn 2:2
Schalke – Mainz 0:1
Elversberg – Augsburg 4:3
München – Leipzig 6:1
Leverkusen – Freiburg (So., 15.30 Uhr)
Mönchengladbach – Hoffenheim (17.30 Uhr)
Die Tabelle
| Pl. | Mannschaft | Sp. | Diff. | Pkt. |
|---|---|---|---|---|
| 1. | München | 6 | +17 | 14 |
| 2. | Dortmund | 6 | +7 | 14 |
| 3. | Freiburg | 5 | +10 | 13 |
| 4. | Leverkusen | 5 | +6 | 10 |
| 5. | Mainz | 6 | +4 | 10 |
| 6. | Elversberg | 6 | +1 | 10 |
| 7. | Leipzig | 6 | +5 | 9 |
| 8. | Bremen | 6 | 0 | 9 |
| 9. | Hamburg | 6 | -9 | 9 |
| 10. | Augsburg | 6 | +4 | 8 |
| 11. | Frankfurt | 6 | -6 | 8 |
| 12. | Köln | 6 | -3 | 7 |
| 13. | Stuttgart | 6 | -2 | 6 |
| 14. | Schalke | 6 | -3 | 5 |
| 15. | Paderborn | 6 | -4 | 5 |
| 16. | Berlin | 6 | -12 | 5 |
| 17. | Hoffenheim | 5 | -4 | 3 |
| 18. | Mönchengladbach | 5 | -11 | 0 |








