
Hamburg – Ein Leckerbissen war das Hamburger Stadt-Derby am Freitag auf dem Rasen nicht. Die Partie zwischen dem FC St. Pauli und HSV endete torlos. Aufregender wurde es danach. Während der 90 Minuten zeigte die Südtribüne ein Spruchband, in dem auf Mario Vuskovic eingegangen wurde. Der wegen Doping gesperrte kroatische Profi bekam dabei harte Sätze ab. Sein jüngerer Bruder Luka (18) reagierte darauf im TV-Interview (HL-SPORTS berichtete) und anscheinend im Kabinentrakt. Der Club vom Millerntor reagierte darauf am Tag darauf.
Polizei ist zufrieden
Die Rivalität zwischen beiden Fanlagern hat bereits Tradition. Dabei war es in diesem Jahr verhältnismäßig ruhig. 1.200 Polizisten schützen das Duell der beiden Vereine von der Elbe. Pressesprecher Christan Schreiber fasste den Einsatz rund anderthalb Stunden nach dem Abpfiff zusammen: „Aus polizeilicher Sicht sind wir mit dem Verlauf des Einsatzes beim heutigen Stadtderby sehr zufrieden. Es gab keine größeren Sicherheitsstörungen. Unter Berücksichtigung der letzten Derbys, sowie einer intensiven Einsatzvorbereitung, die auch einen konstruktiven Austausch mit beiden Vereinen beinhaltete, konnte unser Einsatzkonzept modifiziert und damit die Zahl der Einsatzkräfte für dieses Spiel deutlich reduziert werden. Die in diesem Zusammenhang getroffenen Absprachen haben sich als tragfähig erwiesen, sodass die Sicherheit der Veranstaltung jederzeit gewährleistet war. Dieses erfreuliche Ergebnis ist auch dem vertrauensvollen Dialog zwischen der Polizei, dem FC St. Pauli und dem Hamburger SV zu verdanken. Die Gespräche werden fortgesetzt.“
Aber warum nun die ganze Aufregung um Vuskovic?
Luka Vuskovic äußerte sich im TV-Interview bei “Sky“ über explizit ein Spruchband, das auf der Südtribüne zu sehen war. Dort stand folgendes: „Aufputschmittel & ehrliche Arbeit? Mach ne Handwerkslehre Mar(i)o #44! Irgendein HSVer lügt immer“. Dabei war das “i“ als Spritze dargestellt. Das brachte den 18-jährigen Profi des Hamburger SV auf die Palme. Im Kabinengang soll er danach auf ein Logo des FC St. Pauli gespuckt haben. Das wollen Karol Mets und anscheinend auch Co-Trainer Peter Nemeth gesehen haben. Es wurde laut im Trakt.
Spieler sollen „sich nicht leicht provozieren lassen“
Der Verein meldete sich am Sonnabend offiziell in “Gendersprache“ zu Wort: „Ein Derby ist mit großen Emotionen verbunden. Dazu gehören auch Frotzeleien und vereinzelt leider auch Beleidigungen auf beiden Seiten. Diese sind für sich genommen nicht zu begrüßen und beide Seiten sollten sich davon distanzieren; solche Vorfälle werden von manchen im Wissen um das hitzige Umfeld ausgehalten, sind aber kein Maßstab für einen respektvollen Umgang. Wir stehen als Verein klar für ein respektvolles Miteinander. Dazu zählen weder herabwürdigende Sprüche von unseren Tribünen noch sexistische Banner wie im HSV-Block zu sehen noch andere beleidigende Inhalte. Wir erwarten zudem von Spielern, Trainern und “Repräsentant:innen“ der Vereine ein angemessenes und professionelles Auftreten: sich nicht leicht provozieren zu lassen, Fans nicht zu bepöbeln und keine Grenzüberschreitungen wie Spucken in Richtung Fans oder auf den Boden und an die Wand im Kabinentrakt. Emotionen erklären vieles, rechtfertigen aber nicht alles. Vor diesem Hintergrund irritiert uns, dass teils über Tage ein Narrativ gezeichnet wird, dem zufolge nur eine Seite provozierend oder verursachend gewesen sei, während andere Vorfälle ausgeblendet werden. Insgesamt ist aber viel wichtiger und bemerkenswerter: der besonnene Ablauf eines emotionalen Derbys. Das sollte Maßstab für die Bewertung sein. Für den FC St. Pauli gilt nun: Die Spiele gegen den HSV sind abgehakt, der Blick geht nach vorn.“
FC St. Pauli in der Moral-Falle?
Wer im Vorfeld „provozierend oder verursachend gewesen“ sein soll, wurde nicht erörtert. Das gleicht den Spruchbändern, die meist auf Ultra-Seiten gezeigt werden, die Insider auf den Plan rufen. Die Frage, die sich der FC St. Pauli gefallen lassen muss, ist, ob man hier in einem Konflikt mit einer möglichen “eigenen Doppelmoral“ steht. In der Regel gibt sich der Verein weltoffen und antidiskriminierend. Man verurteilte zwar „Frotzeleien und vereinzelt leider auch Beleidigungen“, sieht diese allerdings anscheinend als normal an: „gehören dazu“.
Mit dem Finger auf HSV-Fans zeigen
Zugleich zeigt man mit dem Finger auf die Gegnerseite und erwähnt „sexistische Banner im HSV-Block“. Verteidigung und Gegenangriff also lautet die Devise. Alles im Sinne des fairen Miteinander… Auf dem Kiez hat man am kommenden Dienstag im Nachholspiel RB Leipzig zu Gast, den Verein, den man nicht im eigenen Stadion haben wollte, als der FC Teutonia Ottensen 05 vor einigen Jahren eine Bleibe für das DFB-Pokalspiel suchte. Die Braun-Weißen lehnten damals aus verschiedenen Gründen ab. Unter anderem hieß aus Personalmangel und der Symbolik des Millerntors – auch weil man das „Modell RB kritisch“ sehen würde.
Bildquellen
- Vuskovic: Lobeca/Henning Rohlfs
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