
Bremen – Wieder einmal schlimme Szenen auf Tribünen. Das Nord-Derby zwischen Werder Bremen und Hamburger SV am vergangenen Sonnabend in der Bundesliga sorgte in der 3. Halbzeit für viele Diskussionen. Dabei zog die Polizei Bremen eine positive Bilanz. Bilder im Stadion vermittelten allerdings ein anderes Szenario auf.
Attacke vor Hotel
Schon in der Nacht von Freitag auf Sonnabend kam es zu einer Pyro-Attacke vor dem Hotel der Hamburger. Gegen 3.30 Uhr wurde dort rund 90 Sekunden Silvester laut nachgeholt. Die Polizei konnte keine Personen auf frischer Tat ertappen, fertigte eine Strafanzeige an.
Im Vorfeld der Partie führten die Heimfans einen Marsch durch. Dieser verlief nach Polizeiangaben ruhig. Auch die Anreise der HSV-Fans war störungsfrei. Nach dem Spiel kam es während der Abreise zu vereinzelten Straftaten, darunter Körperverletzungen. Während Fans feierten, wurde Pyrotechnik gezündet und eine mobile Toilette in Brand gesetzt. Die Feuerwehr löschte den Brand; die Ermittlungen hierzu halten an. Die Polizei stellte die Identitäten mehrerer Personen fest und fertigte entsprechende Anzeigen.
Feuer im Gästebereich
Im Stadion-Sanitärbereich des Gästeblocks brach nach Spielende ein Feuer aus. Als Polizei und Feuerwehr einschritten, wurden die Einsatzkräfte nach deren Ansicht von Gästeanhängern angegriffen. Nach aktuellem Kenntnisstand wurde dabei kein Polizeibeamter verletzt.
Bewegtbilder in den Sozialen Medien ließen erkennen, wie Polizeibeamte in den Hamburger Block stürmten und dort für Ordnung sorgte. Entscheidend war allerdings, dass sich zu diesem Zeitpunkt dort gar keine Aktive Fanszene mehr befand. Grund dafür sollen Pyro-Abschüsse Richtung anderer Tribünen sowie der Werder-Bank gewesen sein.
Göbel: „Klare Grenzüberschreitung“
HSV-Direktor Cornelius Göbel verurteilt die Vorfälle scharf und bezeichnet das gezielte Abschießen von Pyrotechnik als „deutliche Eskalation“ sowie als „klare Grenzüberschreitung“, da Pyrotechnik hier als „Gefährdungsinstrument“ statt als kulturelles Mittel eingesetzt wurde. Neben der Gefährdung von Menschen kritisiert er die Zerstörung von Sanitäranlagen als „blanken Vandalismus“, stellt jedoch klar, dass nach aktuellem Kenntnisstand die organisierten Strukturen der Fanszene nicht an den anschließenden Konflikten im Block beteiligt waren. Trotz der Forderungen nach Konsequenzen spricht sich Göbel gegen pauschale Maßnahmen aus, da diese oft zur Abschottung führen; stattdessen fordert er, „die konkret Beteiligten zu identifizieren“ und Fehlverhalten individuell zu sanktionieren. Der Verein hält zwar an einem differenzierten Dialog fest, betont jedoch, dass die Legitimation endet, „in dem Moment, in dem Menschen gefährdet werden oder Infrastruktur mutwillig zerstört wird“.
Vorstandsboss Dr. Eric Huwer wurde am Sonntag deutlich: „Da braucht man keine Wortklaubereien zu bemühen, sondern da wurde eine Grenze klar überschritten. Das ist ein absolutes No-Go. Wir bekennen uns klar zur Fankultur. Wir haben gestern im Stadion von beiden Lagern tolle Bilder gesehen. Das macht den Fußball in Deutschland aus. Fußball findet hier nicht nur auf dem Rasen, sondern vor allem auch auf den Rängen statt. Wir sind ein Club, der diesbezüglich immer extrem positive Schlagzeilen geschrieben hat. Gestern gehörte definitiv nicht dazu. Wir werden den Bremer Kollegen und Behörden behilflich sein, die Verursacher dessen zu identifizieren. Ich fand es wichtig und gut, dass die Abteilungsleitung des Supporters Clubs hierzu gestern direkt ein eindeutiges Statement veröffentlicht hat.“
Dieses lautete wie folgt: „Im Rahmen der heutigen Derby-Niederlage in Bremen wurden auf den Rängen Grenzen überschritten. Für uns als Supporters Club ist diese Grenze dort erreicht, wo pyrotechnische Gegenstände durch die Luft fliegen und Menschen verletzt werden können.“
Mutmaßliche Straftäter machen von sich reden
Es reiht sich aktuell in die vergangenen Monate ein. Zuletzt fielen die Hamburger Anhänger unangenehm in der Regionalliga auf, als sie nach der Begegnung der HSV-Reserve beim VfB Lübeck zusammen mit Lübeckern deren Fan-Dorf überfielen und eine andere Lübecker Fangruppe überfielen (HL-SPORTS berichtete).
Abstiegszone und Bayern vorzeitig Meister
Die Rothosen stecken wieder voll im Abstiegskampf. Sechs Punkte Vorsprung sind es bis zum Relegationsplatz, auf dem der FC St. Pauli steht. Der VfL Wolfsburg schöpft ebenfalls wieder Hoffnung nach dem Sieg in Berlin. Hier beträgt der Abstand zum HSV acht Zähler. Der FC Bayern München feierte nach einem 4:2-Erfolg gegen den VfB Stuttgart zum 35. Mal die Deutsche Meisterschaft.
Leichter Optimismus bei Muheim
Zurück zum Nord-Derby: Nach einem Zweikampf mit Leonardo Bittencourt wurde Miro Muheim verletzt raus. Hamburgs Trainer Merlin Polzin gab allerdings bereits leichte Entwarnung. Nun will man bis Montag abwarten.
Der 30. Spieltag (17.–19.4.2026)
St. Pauli – Köln 1:1
Leverkusen – Augsburg 1:2
Bremen – Hamburg 3:1
Berlin – Wolfsburg 1:2
Hoffenheim – Dortmund 2:1
Frankfurt – Leipzig 1:3
Freiburg – Heidenheim 2:1
München – Stuttgart 4:2
Mönchengladbach – Mainz 1:1
Die Tabelle
| 1. | FC Bayern München | 30 | 109 : 29 | 79 |
| 2. | Borussia Dortmund | 30 | 61 : 31 | 64 |
| 3. | RB Leipzig | 30 | 59 : 37 | 59 |
| 4. | VfB Stuttgart | 30 | 62 : 42 | 56 |
| 5. | TSG Hoffenheim | 30 | 59 : 44 | 54 |
| 6. | Bayer 04 Leverkusen | 30 | 60 : 41 | 52 |
| 7. | Sport-Club Freiburg | 30 | 44 : 48 | 43 |
| 8. | Eintracht Frankfurt | 30 | 55 : 57 | 42 |
| 9. | FC Augsburg | 30 | 38 : 54 | 36 |
| 10. | 1. FSV Mainz 05 | 30 | 36 : 45 | 34 |
| 11. | 1. FC Union Berlin | 30 | 34 : 52 | 32 |
| 12. | 1. FC Köln | 30 | 44 : 51 | 31 |
| 13. | Bor. Mönchengladbach | 30 | 36 : 50 | 31 |
| 14. | Hamburger SV | 30 | 33 : 48 | 31 |
| 15. | SV Werder Bremen | 30 | 35 : 53 | 31 |
| 16. | FC St. Pauli | 30 | 26 : 51 | 26 |
| 17. | VfL Wolfsburg | 30 | 41 : 66 | 24 |
| 18. | 1. FC Heidenheim | 30 | 33 : 66 | 19 |







