Persönliche Stellungnahme von Rapid-Trainer Christian Arp nach dem Spielabbruch

„Alu“ bittet um Entschuldigung

Christian Arp (Trainer SC Rapid) Foto: Lobeca/Michael Raasch

Lübeck – Drei Tage nach dem Spielabbruch zwischen SC Rapid und SV Hamberge meldete sich Christian Arp bei HL-SPORTS und gab seine persönliche Stellungnahme zu den Vorfällen am vergangenen Sonnabend ab. Diese lautet wie folgt:

„Vorweg möchte ich erwähnen, dass wir ein hart Umkämpftes, aber stets mit zwar harten, aber fairen Zweikämpfen geführtes Spiel gesehen haben. Nach knapp einer halben Stunde erhielt einer meiner Spieler die rote Karte aufgrund einer unnötigen Beleidigung gegenüber der gegnerischen Physiotherapeutin nach einer auf jeden Fall genauso unnötigen Provokation ihrerseits. Es entwickelte sich zum Ende hin eine immer hektischer werdende Spielführung beider Teams aufgrund des einstündigen Unterzahlspiels in Verbindung mit der langen Führung unsererseits. Die Schiedsrichter schließe ich da allerdings mit ein.

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Dann kam die Endphase. Nach einem langen Ball ins Zentrum während der Nachspielzeit gab es einen der vielen, intensiv geführten Zweikämpfe von meinem Stürmer mit seinem Gegenspieler. Nachdem beide zu Boden gingen und der Hamberger Spieler liegen blieb, packte mein Spieler ihn wegen eines vermuteten Zeitspiels an beiden Seiten und stellte ihn wieder auf die Füße, was in meinen Augen rabiat aussah und übertrieben wirkte, trotz aller Emotionalität.

Das empfand der Gegenspieler wohl auch so und griff meinem Spieler an den Hals. Anschließend eskalierte die Lage während einer unübersichtlichen Rudelbildung, in der mein Spieler seine Nerven nicht mehr im Griff hatte. Mehr möchte ich mich nicht dazu äußern, das wird sicherlich an anderer Stelle geklärt.

Von daher möchte ich mich bei allen Beteiligten aus Hamberge für die unschönen Vorfälle eines Einzelnen entschuldigen. Gewalt hat auf dem Fußballplatz einfach nichts zu suchen und wir als Verein werden in Ruhe alles aufarbeiten.

Ich bin jetzt im fünften Jahr bei Rapid und natürlich sehr enttäuscht, dass wir uns als Verein momentan durch Vorfälle in verschiedenen Mannschaften einiges einreißen, was wir uns während dieser Zeit über Lübecks Stadtgrenzen hinaus aufgebaut haben. Denn ich habe hier viel Schweiß und Arbeit investiert und wirklich viele tolle und liebevolle Menschen kennengelernt. Daher hoffe ich, dass wir es als Verein schaffen, ein vernünftiges Konzept zu entwickeln, um weitere Vorfälle trotz sozial schwierigem Umfeld zu verhindern.

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Mit der Überschrift „Schlägerei – 40 Personen auf dem Feld“ konnte ich mich übrigens überhaupt nicht anfreunden, weil damit meiner Meinung nach falsche Bilder in den Köpfen der Leser suggeriert wurden. In erster Linie waren beide Mannschaften komplett auf dem Platz und die Ordner haben auch schnellstmöglich reagiert, so wie es sich gehört. Eine Massenschlägerei hat es nicht gegeben. Von den Zuschauern her war alles friedlich wie bei unseren Spielen davor auch, das möchte ich hier festhalten, bevor alles pauschalisiert wird.

Gefreut hat mich persönlich der Zuspruch vieler anderer Trainerkollegen, auch wenn ich Mitleid momentan nicht gebrauchen kann. Dann kann unsere jahrelange Arbeit hier nicht so schlecht gewesen sein, das sollte nicht vergessen werden. Schön, dass es in unseren Ligen doch nicht nur Neid, Missgunst und Gehässigkeiten gibt.

Aber das macht die Verfehlungen meines jungen Spielers, der auch zu seinem Bedauern einen großen Fehler gemacht hat und daraus hoffentlich fürs Leben lernen wird, natürlich nicht besser. Es ist eigentlich „nur“ unser Hobby Fußball, was wir hier betreiben und ich hoffe, dass sich das Rapid-Boot ab demnächst wieder in ein ruhiges Fahrwasser begibt. Wir haben hier eine tolle Mannschaft mit Charakter und Herz, mit Liebe zum Fußball. Und ich werde alles dafür tun, dass sie weiterhin respektiert werden.

Abschließend möchte ich bei den betroffenen Personen nochmals um Entschuldigung bitten, es tut mir aufrichtig leid.“

Sonntag kommt Phönix II

Die Geschehnisse aus dem Abbruch-Spiel liegen nun beim Sportgericht. Dieser wird sich zeitnah mit der Thematik beschäftigen müssen. Am Kasernenbrink bleibt dazu nicht viel Zeit, denn am kommenden Wochenende steht das Verbandsliga-Spitzenspiel gegen den 1. FC Phönix Lübeck an. Möglicherweise könnte es hier schon eine Tendenz in Richtung Aufstieg geben. Rapid muss zuhause gewinnen, denn der aktuelle Abstand ist derzeit schon sechs Zähler auf den Tabellenführer von der Travemünder Allee. Zudem wird man einen neuen Abteilungsleiter und Liga-Obmann suchen müssen, da Martin Armbruster einen Tag nach den Vorfällen zurücktrat.

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