Regionalligist fordert: „Keine heiße Luft! Rasenheizungen abschalten!“

SV Babelsberg startet Petition zum Klimaschutz – wie sieht das der VfB Lübeck?

VfB Lübeck, Lohmühle, im Stadion wird Rollrasen verlegt.

Babelsberg – „Energie sparen“ ist derzeit eines der Themen, welches die Welt beschäftigt. Bei Strom und Gas sowie an der Tankstelle wird es teurer, so teuer, dass mittelständische Unternehmen in Schieflage geraten könnten. Das Ergebnis: alles wird teurer. Jetzt hat der SV Babelsberg 03 einen Vorstoß in Richtung Verbände unternommen, einen Offenen Brief geschrieben und eine Petition gestartet: „Keine heiße Luft! Rasenheizungen abschalten!

Nordost-Club mit Offenen Brief

„Auslöser sind die Gründung der “Kommission Nachhaltigkeit“ der DFL und der DFB-Aktionstag zum Thema Klimaschutz zur 1. DFB-Pokalrunde“, heißt es auf der Homepage des Regionalligisten. Und weiter:

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Dazu erklärt Katharina Dahme, Vorstandsvorsitzende des SV Babelsberg 03: „Wir begrüßen, dass DFL und DFB sich diesen Themen stärker widmen und Anstrengungen unternehmen wollen, auch im Fußball einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Wir erwarten aber gleichzeitig, dass nicht viel Zeit verloren geht und erste Maßnahmen sofort ergriffen werden.

Wir fordern daher, dass der Betrieb von Rasenheizungen ausgesetzt wird und vor allem auch die Auflage der Installation von Rasenheizungen für Vereine, die in die dritte Liga aufsteigen, gestrichen wird. Der Betrieb von Rasenheizungen ist eine Verschwendung von Ressourcen, die wir uns nicht mehr leisten können. Erst recht nicht angesichts der aktuellen Energiekrise, die den kommenden Winter überdauern wird. Wenn wir jetzt nicht anfangen, beim Klimawandel entschiedener entgegenzusteuern, wird es zu spät sein. Da haben Interessen wie etwa die Vermarktung der Spiele durch gesicherte Anstoßzeiten hintenanzustehen.“ Bei laufendem Betrieb einer Rasenheizung geht man von einem durchschnittlichen Stromverbrauch von etwa 4000 kWh pro Tag aus. Bei großen Stadien sind das bei 120 bis 140 Nutzungstagen pro Jahr (eine Rasenheizung muss mit etwas Vorlauf vor einem Spiel anlaufen, weshalb es auch Fälle gibt, wo die Heizung in kälteren Monaten durchläuft) um die 500.000 kWh im Jahr. Zum Vergleich: Ein 2-Personen-Haushalt verbraucht durchschnittlich zwischen 2500 und 3200 kWh im ganzen Jahr. Die Auswirkungen der Energiekrise sind für viele schon alltäglich zu spüren. Immer mehr Menschen treibt die Sorge um, die Heiz- und Stromkosten nicht mehr bezahlen zu können. Auch die Städte und Gemeinden stehen vor riesigen Herausforderungen, in Potsdam etwa musste das Kiezbad „Am Stern“ geschlossen werden, um Strom und Fernwärme zu sparen. Der angegebene Stromverbrauch entspricht dabei ungefähr dem oben erwähnten Jahresverbrauch einer Rasenheizung. Der SV Babelsberg 03 verfügt selbst nicht über eine Rasenheizung, das Beispiel verdeutlicht aus Sicht von Katharina Dahme aber das Problem: „Vielerorts stellt sich zunehmend die Frage, welche Infrastruktur bei knappen Ressourcen wichtig ist und welche verzichtbar. Spätestens wenn Schwimmbäder geschlossen werden, ist der Betrieb von Rasenheizungen nicht mehr vermittelbar.“ Soweit die Mitteilung des Nordost-Regionalligisten aus der Filmstadt.

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The show must go on

Die Bundesligisten dürfte es nicht so hart treffen, wenn die Kosten steigen, doch in der 3. Liga oder darunter wird sowieso schon gespart, wo es nur geht. Voraussetzung für die Zulassung in der dritthöchsten Spielklasse ist eine Rasenheizung, damit Spiele im Winter ausgetragen werden können. Der Spielplan ist eng gestrickt – Ausfälle würden zu Terminproblemen führen, dazu kommen die geplanten Fernsehübertragungen.

VfB Lübeck: „Wir wissen alle nicht, was auf uns zukommt“

Der VfB Lübeck spielt ebenfalls in der Nord-Regionalliga, kennt die Thematik mit der Rasenheizung und der 3. Liga. Ein Jahr gibt der Deutsche Fußball Bund (DFB) den Aufsteigern Zeit, um für die Aufrüstung des Stadions in der Winterzeit gewappnet zu sein. Die Grün-Weißen haben diese Auflage in dieser Zeit erfüllt, stiegen jedoch nach einem Jahr wieder in die Viertklassigkeit ab und wollen wieder zurück. Wie geht man auf der Lohmühle mit dem Thema Nachhaltigkeit um und wie sieht man die Forderung der Babelsberger. Daniela Wedemeyer ist Finanzvorstand beim VfB und sie sagt zu HL-SPORTS: „Das ist ein Thema, was uns alle angeht und jede Sportart hat auch einen unterschiedlichen Einfluss auf Nachhaltigkeit. Dabei kann der Profisport eine Vorreiterrolle einnehmen. Wir sind uns als Verein zum ökologischen Fußabdruck bewusst und versuchen in unseren Möglichkeiten etwas zu ändern. Das können in einem ersten Schritt Dienstfahrräder oder eine Photovoltaikanlage auf dem Tribünendach sein. Kurzfristiger Aktionismus ist allerdings nie ratsam, es muss eine langfristige Strategie her. Wir müssen alle etwas tun und Babelsberg betrifft uns auch. Wir selbst mussten auch eine Rasenheizung bauen und diese zu betreiben wird ein Vermögen kosten und wertvolle Ressourcen verbrauchen. Und dann bekommen Menschen gerade eine fünffache Erhöhung ihrer Energiekosten, da wissen wir alle nicht, was auf uns zukommt. Man kann auch darüber nachdenken, keine Abendspiele mehr auszutragen, wenn auch reizvoll und vielleicht lukrativer, aber bei bestimmten Lichtverhältnissen muss das Flutlicht auch bei Nachmittagsspielen angeschaltet werden. Da sind die Verbände gefragt, die Statuten zu ändern. Es ist nicht einfach alles schwarz oder weiß.“

Weltmeisterschaft in Katar sorgt für längere Winterpause

Die Wintermonate stehen vor der Tür und die Regionalliga Nord spielt bis in den Dezember diesen und ab Februar des kommenden Jahres um die Meisterschaft. Aufgrund der Weltmeisterschaft in Katar vom 20. November bis 18. Dezember pausieren die beiden Bundesligen sowie die 3. Liga von Mitte November bis Mitte Januar. Dann wird es kalt und die Rasenheizungen dürften auf Hochbetrieb laufen.

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