Rücktrittswelle bei Verbandsligist: nach elf Jahren ist für Adigo Schluss, Aufsichtsrat folgt – Präsidium mit „Offenem Brief“

Unruhige Zeiten beim FC Anker Wismar

Christiano Dinalo Adigo (Trainer Anker Wismar). Foto: Lobeca/Knothe

Wismar – Es ist die Hammer-Nachricht der Woche aus Nordwestmecklenburg. Christiano Dinalo Adigo hat am Dienstag seinen Rücktritt als Cheftrainer beim FC Anker Wismar exklusiv bei WISMAR.FM bekanntgegeben. Einen Tag später schmiss der komplette Aufsichtsrat des Verbandsligisten hin. Das Präsidium antwortete mit einem „Offenen Brief“.

„Mir ist der Schritt sehr schwergefallen“

Bei WISMAR.FM (hier das ganze Interview hören) verkündete Adigo nach elf Jahren seinen Abschied vom Kurt-Bürger-Stadion. „Die Ziele des Vereins kann ich nicht mitgehen. Mir ist der Schritt sehr schwergefallen. Ich habe es mir reichlich überlegt. Ich empfinde sehr viel Dankbarkeit dem Verein gegenüber, dass ich diese Aufgabe so lange machen durfte“, sagte er in dem Interview.

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Wieder keine Oberliga in Wismar

Mit dem FCA holte er in der vergangenen Saison die Meisterschaft im Land, auf den Aufstieg verzichtete der Verein aus finanziellen Gründen. In dieser Saison spielen die Wismarer wieder oben mit, haben nur drei Punkte Rückstand auf Tabellenführer FC Mecklenburg Schwerin. Schon jetzt steht fest, dass man einer Oberliga-Teilnahme eine erneute Absage erteilt. Für Adigo ist das keine Option.

Adigo will bis zum Sommer weitermachen

Der 48-Jährige kam 2010 als Nachwuchskoordinator, wurde drei Jahre später Cheftrainer der Herrenmannschaft und durschritt mit Anker Berg und Tal. Mit Anker schaffte er den Aufstieg in die Oberliga, trainierte dort fünf Jahre die Mannschaft. Nach dem Abstieg in die Verbandsliga blieb er und baute neu auf. Adigo, der bis zum Saisonende weitermachen will, sucht ab Sommer eine neue Herausforderung. Er hat eine A-Lizenz vorzuweisen und wohnt vor den Toren Lübecks. Für ihn „muss es passen“.

Erfolgreicher Nachwuchs im Hause Adigo

Der gebürtige Beniner hat zwei erfolgreiche Kinder. Sein Sohn Ryan-Segon (19) spielt nach den Stationen VfB Lübeck und Hamburger SV im Nachwuchs aktuell für die Regionalligamannschaft von Borussia Mönchengladbach. Tochter Gloria (18) kickt beim VfL Wolfsburg in der 2. Bundesliga. Sie schaffte es 15 Einsätze in den DFB-Nachwuchsteams. Der jüngste Sohn Noah spielt in der U12-Auswahl des VfB Lübeck.

Nächster Paukenschlag am Dienstag

Einen Tag nach dem angekündigten Adigo-Rücktritt erklärte Aufsichtsratsvorsitzender Prof. Dr. rer. nat. Norbert Gruenwald gegenüber WISMAR.FM: „Wir können uns mit der sportlichen Ausrichtung und den weiteren Plänen des Vereins nicht mehr identifizieren, aus diesem Grund sind wir gestern geschlossen zurückgetreten.“

Umbruch überall

Schon im Februar ging das Dilemma los. Philipp Unversucht, Kapitän der Mannschaft, erhielt seine Kündigung zum kommenden Sommer als Geschäftsstellenleiter. „Die aktuell schweren Zeiten bereiten uns allen tiefgreifende Einschnitte und fordern damit verbundene Entscheidungen, um die Weichen für eine bestmögliche Zeit nach der Pandemie zu stellen“, hieß es in einer Mitteilung des Präsidiums der Rot-Weißen.

Anker steht vor großen Aufgaben

Gerd Allmendinger, Präsident des Vereins, steht nun vor einer großen Aufgabe. Er übernahm das Amt erst im Juni des vergangenen Jahres. Der 56-Jährige ist Chef eines Wismarer Unternehmens und Sponsor bei Drittligist F.C. Hansa Rostock. Wie der FC Anker Wismar sich nun in der Zukunft aufstellen will, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.

Präsidium antwortet mit „Offenem Brief“

In einem „Offenen Brief“ äußerte sich schon am Nachmittag der Geschäftsführende Vorstand zu den aktuellen Ereignissen. Darin heißt es wie folgt:

„Liebe Sportsfreunde,

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wie die Medien in den letzten Tagen berichten, stehen wir im Verein vor einem großen Umbruch.

Dabei möchten wir gleich klarstellen, dass es sich nicht etwa um das Ende unseres Vereins handelt, sondern um dringend notwendige Veränderungen, um eine solide Zukunft zu ermöglichen. In den vergangenen Jahren waren wir als Verein dauerhaft in schwierigem finanziellen Fahrwasser. Diese Probleme resultierten aus einem strukturellen Defizit, das bedeutet, dass Ausgaben über Jahre deutlich höher waren, als die Einnahmen. Um dieses gefährliche Defizit zu stoppen arbeiten wir seit einem Jahr vermehrt an der Konsolidierung des Vereins.

Wir prüfen alle Ausgaben und versuchen Einnahmen zu erhöhen. Ein Resultat war z.B. der Verzicht auf das Aufstiegsrecht in der vergangenen Saison.

Eine weitere Folge dieser Umstrukturierung ist die Umplanung der Arbeit der Geschäftsstelle, dazu haben wir uns schweren Herzens dazu durchringen müssen, den Vertrag mit unserem bisherigen Geschäftsstellenleiter zum 30.6. zu beenden. Diese Entscheidung haben wir bereits frühzeitig getroffen und kommuniziert, damit wir ab dem 1.7. einen sauberen Übergang haben. Es wird natürlich weiterhin eine Geschäftsstelle und auch Ansprechpartner für euch geben!

Unserem Trainer Dinalo Adigo haben wir im gleichen Atemzug gebeten, weiterhin als Trainer für uns zur Verfügung zu stehen. Wir haben gemeinsam die neue Saison vor besprochen und auch die Wünsche z.B. nach einem Budget für die I. Herrenmannschaft erfüllt. Leider hat sich der Trainer nunmehr dafür entschieden, dem neuen Weg nicht zu folgen.

Was heißt eigentlich der neue Weg?

Als FC Anker Wismar wollen wir in Zukunft vor allem wieder über unsere Nachwuchsarbeit wahrgenommen werden. Ziel des Vereins war es immer, Kinder- und Jugendliche in der Stadt und der Region für den Fußball zu begeistern. Dieses Ziel ist in den letzten Jahren teilweise in den Hintergrund getreten. Viele Eltern, Sponsoren und Fans haben immer wieder darauf hingewiesen, dass es wichtig ist, den Fokus auf die Jugendarbeit zu legen und auch eine Durchlässigkeit in die I. Herrenmannschaft zu ermöglichen. Genau das ist unser Ziel! Der Verein soll in Zukunft wieder näher zusammenwachsen.

Auf einer außerordentlichen Sitzung, bei der wir als Vorstand nicht geladen waren, hat der Aufsichtsrat gestern entschieden, diesen neuen Weg nicht mitgehen zu wollen. Wir bedauern dies ausdrücklich. Auch an dieser Stelle wollen wir betonen, dass es trotzdem weitergehen wird.

Manchmal ist es wichtig, zwei Schritte zurück zu gehen, um danach drei nach vorne zu laufen! In dieser schwierigen Zeit ist es vor allem wichtig, dass wir zusammenhalten. Eine ausführliche Vorstellung unserer Ideen und Ziele wird es in einer Mitgliederversammlung im Frühsommer geben, sobald wir diese wieder durchführen dürfen. Umbruch heißt auch immer Aufbruch – in diesem Sinne Glaube – Liebe – Anker“

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