„Sättigungsgefühl da gewesen“: Sportchef Köhn über die Hintergründe des harten Cuts und den Stadion-Umzug

„Anker 3.0“

Fans des FC Anker Wismar auf der Tribüne im Kurt-Bürger-Stadion. Foto: Lobeca/Andreas Knothe
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Wismar – Nach den ersten Wochen der Vorbereitung zieht Hannes Köhn, der neue Sportliche Leiter des FC Anker Wismar, eine erste Bilanz. Im Gespräch mit HL-SPORTS äußert sich der 33-Jährige exklusiv über die Stimmung in der neu formierten Mannschaft, die tieferen Gründe für das radikale Stühlerücken im Kader und die anstehenden Veränderungen bei den Spielstätten. Er selbst wird die Schuhe aber nicht mehr schnüren.

„Die Jungs sind richtig, richtig heiß“

Inzwischen läuft die dritte Woche der Vorbereitung unter der neuen sportlichen Führung von Neu-Coach Tobias Sieg und Köhn. Der zeigt sich mit dem Start der komplett veränderten Struktur hochzufrieden: „Die Vorbereitung ist jetzt die dritte Woche und ist sehr gut angelaufen. Die Jungs sind richtig, richtig heiß. Das, was wir halt wollten – komplett neue Energie –, das bringen sie mit.“

Nach den ersten Härtetests – darunter das Highlight gegen den Drittligisten F.C. Hansa Rostock (0:4) und ein klares 5:0 gegen den Verbandsligisten SG Dynamo Pampow – lobt der Sportchef vor allem die Einstellung: „Auch gerade mit dem Hansa-Spiel, das ist auch der Einsatz der Jungs, das muss man sagen. Von der Beteiligung her und alles sind Trainer, Staff und natürlich auch ich zufrieden, wie es angelaufen ist auf jeden Fall.“

Ein emotionaler Höhepunkt war zudem das Abschiedsspiel von Pascal Breier gegen Rostock, dem die Vereinsführung einen würdigen Abgang bescherte. Breier wurde nach einer Stunde unter großem Applaus ausgewechselt: „Dass wir ihm da die Verabschiedung geben und Spalier stehen – das war schon ein Gänsehautmoment.“

Berufliche Gründe und Sättigungsgefühl

Dass der Kader in diesem Sommer so radikal umgekrempelt wurde (Köhn spricht von insgesamt 14 Abgängen), hatte vielschichtige Gründe. Zum einen spielten veränderte Lebensumstände eine Rolle, da viele Akteure beruflich stark gefordert sind: „Da natürlich auch berufsmäßig Jungs dabei waren wie Polizisten oder Leute von der Bundeswehr, die jetzt auch ein gewisses Alter erreicht haben, wo sie gesagt haben: ‚Okay, jetzt ist Familienplanung, jetzt ist der Job im Vordergrund‘. Der Großteil kommt ja auch aus Rostock. Sie haben schon frühzeitig Bescheid gesagt, dass das nichts wird bzw. dass sie ein bisschen kürzertreten möchten.“

Zum anderen macht Köhn aber auch sportliche Gründe für den harten Schnitt verantwortlich und spricht Klartext: „Man hat ja gesehen, dass bei den Jungs schon ein gewisses Sättigungsgefühl da war. Bis drei, vier Spieltage vor Schluss war es ja theoretisch sogar noch möglich, dass wir hätten absteigen können. Das war natürlich nicht der Anspruch mit den Namen. Deswegen haben wir gesagt: Okay, wir machen jetzt einen Cut. Dann kommt natürlich alles auf einmal.“

Das Saisonziel: „In ruhiges Fahrwasser geraten“

Für die anstehende Spielzeit schiebt Köhn den Erwartungsdruck ganz bewusst von seinem Team weg. Die Favoritenrolle in der NOFV-Oberliga sieht er bei der Konkurrenz: „Ich glaube schon, dass Zehlendorf eine gute Rolle spielen wird und Lichtenberg 47 auch. Die beiden Mannschaften sehe ich schon mit an der Spitze.“

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Für Wismar gehe es nach dem personellen Neustart erst einmal nur um Demut und Stabilität: „Wir haben einen großen Umbruch. Ein großer Umbruch heißt aber auch viel neue Energie, die entsteht, und viel Potenzial. Natürlich wird es auch mal ein, zwei Phasen geben, wo es vielleicht nicht so läuft. Nichtsdestotrotz stehen wir dahinter, bleiben ruhig und wir wollen so schnell wie möglich in ruhiges Fahrwasser geraten, einen einstelligen Tabellenplatz erlangen und so schnell wie möglich nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Das ist das Ziel.“ Priorität habe jetzt die Entwicklung: „Jetzt wollen wir natürlich eine junge und hungrige Truppe. Das ist uns ganz, ganz wichtig, dass wir da eine hungrige Truppe auf die Platte stellen und dass dann komplett neue Energie wieder reinkommt.“

Sanierungsstau: Abschied aus dem Kurt-Bürger-Stadion

Neben dem personellen Neustart wartet auf die Wismarer zudem ein Standort-Wechsel. Das traditionsreiche Kurt-Bürger-Stadion muss dringend saniert werden, weshalb die Mannschaft für die anstehenden Aufgaben auf den Jahn-Sportplatz umziehen wird. Die Modernisierung der Traditionsspielstätte sei laut Köhn aufgrund des Alters der Anlage alternativlos: „Das Kurt-Bürger-Stadion wird saniert, weil das jetzt natürlich in die Jahre gekommen ist. Sei es die Katakomben oder die Duschen“, erklärt Köhn den Zustand der maroden Infrastruktur. Und: „Mit dem Jahn-Sportplatz wollen wir unseren Zuschauern ein neues Gefühl geben, Anker 3.0.“

Was traut ihr dem VfL Lübeck-Schwartau in der kommenden Saison zu?

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Bildquellen

  • Wismar: Lobeca/Andreas Knothe
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