Schadenfreude ist manchmal eine schöne Freude

WM-Kolumne „Mein Ka-Tag“ von Wolfgang Stephan

„Doha ist bereit, Katar ist bereit, natürlich wird es die beste WM aller Zeiten“, sagte Fifa-Präsident Gianni Infantino vor dem Turnier-Start am Sonntag. Wenn er sich da mal nicht täuschen wird. Weil wir alle hier dem Fußball entgegenfieberten, war die Tour zum WM-Auftakt ins Al- Bayt-Stadion am Sonntag ein Pflichtprogramm. Weil dieses Eröffnungsspiel ungemein wichtig ist für die Stimmung im Land. Kann die Nationalmannschaft das Land in Aufregung versetzen oder alle Befürchtungen der Europäer bestätigen?

Warum die Fifa der Eröffnungsspiel in das gut eine Stunde von Doha entfernte Stadion in der Küstenstadt Al-Chaur verlegt hat, bleibt ein Fifa-Geheimnis. Die Auto- und Buskarawane durch die Wüste war lang, das Stadion ist im Stil eines Beduinenzeltes gebaut und fasste zu Beginn 67 000 Zuschauer. Die geschätzt viertausend Fans aus Ecuador machten vor dem Anpfiff Stimmung, die katarischen Fans waren in ihrem „Thawb“, dem weißen Gewand gut zu identifizieren, was für den Abend noch wichtig werden sollte. Die Eröffnungsfeier war erwartet pompös, stimmungsvoll und dem Ereignis angemessen. Rein objektiv betrachtet. Dass keine Frauen im Programm waren, sei angemerkt. In Katar tritt die Männerwelt Arabiens auf die Männerwelt der Fifa.

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Stimmung machten schon vor dem Anpfiff die Ecuadorianer und eine offenbar bestellte katarische Fangruppe, die bis zum Schluss unermüdlich trommelte. Der Spielfilm blieb ohne Spannung, Katar offenbarte nicht mal Zweitliga-Format und mit dem 2:0 der Südamerikaner nach 31 Minuten war das Spiel früh entschieden.

Was danach geschah, tat mir als Fußballfan in der Seele weh. Schon lange vor der Pause leerten sich die ersten Reihen der weißgekleideten Herren. Das war zunächst nur irritierend.

Nach der Pause war es deprimierend, denn Katars Nationalmannschaft spielte das Al-Bayt-Stadion leer. Ernüchterung statt Fußball-Fieber im Emirat.

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Am Ende war es ein für die Gastgeber peinliches WM-Eröffnungsspiel in einer nur doch deprimierenden Kulisse ohne jedes WM-Feeling. Es war der letzte Beweis, dass es falsch war, dieses Turnier nach Katar zu geben.

Der einzige Trost in der Nacht: Gianni Infantino musste diese Blamage auf seinem Ehrenplatz neben dem Emir hautnah miterleben.

Eigentlich ist mir Schadenfreude fremd. Diesmal nicht. Jeder flüchtende Zuschauer war ein Schlag ins Kontor seines Größenwahns.

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