Sean Vinberg: Exot aus New York auf Reisen mit Station in Lübeck und eigenem Podcast

„Ich möchte mich als Fußballer und Mensch verbessern“

Sean Vinberg bei einer Station in Hamburg. Foto: Lobeca/Norbert Gettschat

Lübeck – Er hält den Laden beim 1. FC Phönix Lübeck zusammen und das richtig gut. Sean Vinberg hat maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt der Adler in der Regionalliga. Doch was macht der US-Amerikaner überhaupt in der „Provinz“ im Gegensatz zu seiner Heimatstadt New York. Dabei ist der 27-Jährige „Kulturschocks“ gewohnt, spielte sogar schon in der Mongolei – „einfach mal so aus Bock“. HL-SPORTS traf ihn zum Interview.

Über die Feiertage wandern

HL-SPORTS: Hallo Sean, es ist Ostern. Wie verbringst du die Feiertage?

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Sean Vinberg: Ich bin mit meiner Freundin und unserem Hund in Dresden. Wir sehen uns die Stadt an und wandern in den Bergen östlich der Stadt, um die Basteibrücke und die Umgebung zu sehen.

Gute Balance

HL-SPORTS: Du bist seit dem vergangenen Sommer bei Phönix und kennst ja schon einige Vereine aus dem Norden. Was gefällt dir besonders gut am Club?

Sean Vinberg: Natürlich genieße ich den Fußball hier, den Ehrgeiz des Vereins und die Atmosphäre in der Mannschaft. Alle im Team verstehen sich sehr gut. Es gibt eine gute Balance zwischen Spaß und täglichem Wettbewerb.

Kenny Korup (rechts) versucht Sean Vinberg im Training den Ball abzunehmen. Fotl: sr

Der „Vergleich“

HL-SPORTS: Du bist in New York geboren und ein Vergleich mit Lübeck ist sicherlich nicht zu machen, aber trotzdem die Frage was schätzt du an beiden Städten?

Sean Vinberg: New York City ist sicherlich einzigartig und der World’s Melting Pot. Ich bin auf Long Island aufgewachsen, 40 Autominuten von Manhattan entfernt und was ich dort am meisten liebe, ist der Strand. Der Sommer auf Long Island ist sehr schön. Lübeck ist auch auf seine eigene Art großartig. Ich will es nicht mit New York vergleichen, aber die alte Architektur im Stil des Mittelalters und das Wasser, das die Stadt umgibt, sind sehr schön.

HL-SPORTS: Du hast in den USA lange gespielt. Wie ist der Fußball mit Deutschland vergleichbar?

Sean Vinberg: Beim Fußball in den USA liegt der Schwerpunkt viel mehr auf Athletik als auf taktischen und technischen Fähigkeiten. Ich habe vier Jahre College-Fußball gespielt und dort ist das sehr auffällig. Es ist erlaubt, viele Auswechslungen vorzunehmen, was ein sehr schnelles und oft hektisches Spiel zur Folge hat. Es gibt viele gute Spieler, aber im Vergleich zu Deutschland sicherlich weniger taktisches Verständnis.

Sean Vinberg spielte schon für den Heider SV. Foto: Lobeca/Ralf Homburg

„Es war wie ein Blick in die Vergangenheit“

HL-SPORTS: Und dann bist du für ein Jahr in Mongolei zum Khoromkhon FC gewechselt. Wie kam das und was war das für ein Erlebnis für dich?

Sean Vinberg: Es war ein bisschen zufällig, ich habe das Angebot durch einen Freund eines Freundes bekommen. Ich hatte eine Chance in Portugal, aber als das nichts wurde, dachte ich mir, warum nicht die Chance in der Mongolei nutzen. Schließlich war es ja nur eine fünfmonatige Saison. Was die Erfahrung angeht, so fand ich sie toll. Die mongolische Kultur ist mit keiner anderen vergleichbar und es war eine großartige Erfahrung, die mir die Augen geöffnet hat. Ich reise gerne und lerne gerne neue Kulturen kennen, so dass ich es als eine Win-Win-Situation sah. Ich konnte Profifußball spielen und an einem Ort leben, den die meisten Menschen nie besuchen oder über den sie einfach nichts wissen.  Eines der interessantesten Dinge für mich war, dass ein großer Teil der Menschen immer noch einen nomadischen Lebensstil führt. Ich konnte während einer Saisonpause aufs Land reisen und sehen, wie sie leben. Man sah offenes Land und Berge, ein Zelt mit einer Familie, 200 bis 300 Tiere und dann nichts mehr für weitere 50 Kilometer. Es war wie ein Blick in die Vergangenheit. Es war ein so einfacher Lebensstil für sie und sie waren unglaublich glücklich mit diesem Leben.

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HL-SPORTS: Warum dann nach Deutschland in die Oberliga Hamburg?

Sean Vinberg: Deutschland hat das wohl beste Fußballsystem der Welt. Das bringt natürlich die besten Spieler hierher, um zu spielen. Also habe ich mir gedacht, wenn ich der beste Spieler werden will, der ich sein kann, warum nicht in das beste Fußballland gehen. Sicher, manche sehen das so, dass es zu viel Konkurrenz gibt, aber ich sehe es als eine große Chance, mich zu entwickeln und zu verbessern. Außerdem spielte ein Freund von mir zu der Zeit hier, so dass er mir half, ein Team zu finden, sobald ich im Land war.

HL-SPORTS: Jetzt ist der Klassenerhalt in der Regionalliga mit Phönix geschafft. Wie schwer war das für euch als Mannschaft und was war die schwierigste Phase in dieser Saison bis jetzt?

Sean Vinberg: Ich denke, die Mannschaft hatte immer das Vertrauen, dass wir in der Liga bleiben würden. Ich würde nicht sagen, dass es für die Mannschaft so schwierig war. Für mich persönlich gab es in der ersten Hälfte der Saison eine Phase, in der ich nicht viel gespielt habe. Für jeden Fußballer ist das nicht die beste Zeit, aber ich habe mich einfach darauf konzentriert, mich jeden Tag zu verbessern und dafür zu sorgen, dass ich bereit bin, wenn meine Chance kommt.

Alles wieder besser

HL-SPORTS: Du warst vor kurzem im Krankenhaus. Was war los und geht es dir jetzt wieder gut?

Sean Vinberg: Ich hatte eine Infektion an meinem Schienbein. Ich weiß immer noch nicht, wie das passiert ist, aber jetzt ist alles besser.

„Footwork“ for US-Soccer-Fans

HL-SPORTS: Was ist dein Ziel für die Zukunft?

Sean Vinberg: Ich möchte weiterwachsen und mich als Fußballer und Mensch verbessern. Irgendwann in der Zukunft möchte ich in einem anderen Land spielen, insbesondere in Südostasien. Ähnlich wie in Europa gibt es dort so viele Länder, die nahe beieinander liegen, aber jedes hat seine eigene einzigartige Kultur. Das Wetter und die Strände sind ebenfalls ein Pluspunkt. Außerdem werde ich meine Marke und meinen Podcast „Footwork“ weiter ausbauen. Mein langjähriger Freund Dylan Williams (der für Eintracht Norderstedt spielt) und ich haben ihn vor zwei Jahren ins Leben gerufen und nutzen die Plattform, um mit interessanten Menschen (meist Fußballern) zu sprechen, die ihren eigenen Weg gegangen sind und sich von den üblichen Wegen abgewandt haben.

HL-SPORTS: Dankeschön und alles Gute für die Zukunft.

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