Stereo-Wechselgesang beim VfB Lübeck: „Scheiß UKL!“ – Neues Banner zeigt breiteren Widerstand

Polizei und Landeskriminalamt äußern sich – Partner-Panne vor Versammlung

Banner von Fans gegen den "UKL-Vorstand". Foto: Lobeca/Mascha Holm
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Lübeck – Höchster Saisonsieg und richtig gute Laune beim VfB Lübeck am Sonnabend nach dem 4:1-Sieg gegen den FC St. Pauli in der Regionalliga Nord (HL-SPORTS berichtete). Die Mannschaft begeisterte die 2.153 Zuschauer, denn die kamen voll auf ihre Kosten. Mit Spannung wurde vor allem wieder einmal das Verhalten der Fans erwartet, nachdem beim vorherigen Heimspiel gegen Eimsbüttel der B-Block leer blieb.

UKL vs. Halunken wird zur “neverending Story“

Dieser Bereich ist seit der Partie gegen den SV Todesfelde offiziell vom Verein für den Fanclub “Halunken“, wie schon nach dem schwarzen Freitag, den 13. März 2026, vorgesehen. Die Pappelkurve ist nur für das “Ultra Kollektiv Lübeck (UKL)“ bestimmt. Dort fanden sich rund 200 Anhänger gegen die Braun-Weißen ein und machten gute Stimmung während der Begegnung.

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Nächstes Banner erhöht Druck

Überraschend war dieses Mal, dass sich verschiedene Fanclubs lautstark im G6-Block auf der Haupttribüne einfanden und von dort ihr Team unterstützten. Dabei rissen sie zum Ende sogar die restlichen Fans mit („steht auf für den VfB“). Dazwischen gab es immer wieder „Scheiß UKL!“-Rufe. Untermauert wurden diese durch ein Spruchband auf der Alten Holze, das über die gesamten 90 Minuten hing. Darauf stand in Großbuchstaben: „UKL-VORSTAND VERTREIBEN! SPONSOREN BLEIBEN“ Welche Gruppierung dieses Banner dort aufhing, ist nicht bekannt. Vermutlich sollte darauf aufmerksam gemacht werden, dass Gremien des Vereins eine Nähe zu den Ultras haben sollen.

Scheinbar regt sich weiterer Widerstand, denn nach dem Interview mit Thies Klatt, Chef von Hauptsponsor Urbach Bauunternehmung sowie einem Transparent gegen den Eimsbütteler TV aus sechs (!) Logen mit der Aufschrift: „BRUSS, IPERDI, URBACH… W(I)ER ALS NÄCHSTES!? POLITIK RAUS AUS KURVE & VEREIN!“ Danach kam nur eine kleinlaute „Klarstellung des Vereins“, über ein sehr unglückliches Interview in den “Lübecker Nachrichten“, wo man deutlich zurückruderte.

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Fans verschiedener Fanclubs auf der Haupttribüne im Block G6. Foto: Lobeca/Mascha Holm

Wo sind die “Halunken“ eigentlich?

Spannend ist vor allem zu beobachten, dass seit der Entscheidung des Vereins vor einigen Wochen die Pappelkurve wieder zu öffnen, sich dort nur noch UKL-nahe Gruppierungen wie “Furore“ und “Subkultur“ aufhalten. Gegen St. Pauli gab es dort mit rund 200 Personen einen “Minusrekord“. Andere Fanclubs scheinen den Block zu boykottieren oder sich weiterhin neutral zu verhalten. Beides sind Tendenzen, die diese drei Gruppierungen schwächen.

Zudem ist noch etwas auffällig. Der Fanclub “Halunken“ tritt seit der Vereinsschelte nicht mehr öffentlich in Erscheinung. Keine Shirts, keine Pullover, keine Fahne, keine Botschaft! Gibt es diese Gruppierung überhaupt noch? Der Verein ist nun mehr den je gefragt, sich der Pappelkurven-Thematik anzunehmen. Denkbar wäre nun sogar eine Öffnung der Pappelkurve für alle ohne Einschränkung. Zumindest treibt diese Erkenntnis nun für maximale Verwirrung und alle Fanclubs des VfB Lübeck dürften sich diese Frage stellen, was denn nun ist. Und: Wer sind die Täter vom 13. März?

Ach ja – und die Polizei war ebenfalls vor Ort, um verschiedene Gruppierungen voneinander zu trennen. Doch wer diese Gruppierungen sind, scheint momentan gar nicht mehr klar. Die wichtigste Meldung nach dem Dreier für die Grün-Weißen war die Abschlussmeldung aus dem Behördenhochhaus: „Einsatzkräfte der Polizeidirektion Lübeck begleiteten die Sportveranstaltung. Es wurden keine Ordnungswidrigkeiten oder Straftaten festgestellt. Die Sportveranstaltung verlief ruhig und friedlich.“

LKA zählt Straftaten auf

Und noch etwas: In der Vergangenheit wurde von einer Fangruppierung behauptet, dass es in der Pappelkurve immer wieder zu “rechtsextremen Straftaten“ gekommen sein soll. Anfragen von HL-SPORTS beim Landeskriminalamt (LKA) in Kiel zum Zeitraum 2023 bis heute ergab folgendes Bild:

HL-SPORTS: Wie viele Straftaten aus dem Bereich der Politisch Motivierten Kriminalität (PMK) wurden in den vergangenen drei Jahren im Rahmen von Heimspielen des VfB Lübeck (im Stadionbereich sowie im unmittelbaren Stadionumfeld/An- und Abreiseverkehr) registriert?“

2023

•  1 x § 86a StGB – Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen

2024

•  2 x § 130 StGB – Volksverhetzung
•  2 x § 303 StGB – Sachbeschädigung
•  1 x § 126 StGB – Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten

2025

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•  1 x § 184i StGB – Sexuelle Belästigung

HL-SPORTS: Wie verteilen sich diese Registrierungen auf die Phänomenbereiche (z. B. PMK -rechts-, PMK -links- sowie den Bereich -nicht zuordenbar-)?

LKA: „Alle genannten Fälle sind dem Bereich PMK-rechts zuzuordnen.“

HL-SPORTS: Gab es im Zusammenhang mit der Öffnung bzw. Schließung von Stehplatzbereichen (wie der Pappelkurve oder dem B-Block) oder bestimmten Fan-Kollektiven in diesem Zeitraum auffällige Veränderungen oder Schwerpunkte bei der Erfassung solcher Delikte?“

LKA: „Hierzu liegen uns keine Erkenntnisse vor. In der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) werden Straftaten bei Fußballspielen (z.B. Pyrotechnik, Körperverletzung oder Landfriedensbruch) als allgemeine Kriminalität erfasst. Um Eingang in die PMK-Statistik des Kriminalpolizeilichen Meldedienstes zu finden, muss ein eindeutiges politisches Motiv nachgewiesen sein.“

Ob sich die sieben Straftaten in den vergangenen drei Jahren zwischen 2023 bis 2025 sowie der aktuellen Saison bei den registrierten Tatverdächtigen der Anhängerschaft des VfB Lübeck oder der jeweiligen Gastvereine zuzuordnen waren oder sogar einer bestimmten Gruppe sowie Stadionbereich (Haupttribüne, Block, Stadionumlauf etc. und inwiefern bzw. aufgrund welcher konkreten Merkmale das Delikt der sexuellen Belästigung (§ 184i StGB aus 2025) sowie die Sachbeschädigungen (§ 303 StGB aus 2024) dem Phänomenbereich PMK -rechts- zugeordnet (z. B. durch parallele Verwendung rassistischer/rechtsextremer Parolen, Symbole oder Begleitumstände) wird, konnte aufgrund laufender Ermittlungen nicht im Detail beantworten werden. „Allgemein lässt sich sagen, dass sich Zuordnungen zu einem Phänomenbereich beispielsweise aus Äußerungen während einer Tat oder Tatsymbolen an Tatorten entnehmen lassen können“, so LKA-Pressesprecherin Carola Jeschke abschließend.

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„Minusrekord“ in der Pappelkurve. Foto: Lobeca/Mascha Holm

Jahreshauptversammlung erstmals nicht bei Partner

Die Jahreshauptversammlung des VfB Lübeck steht ebenfalls kurz bevor. Stichtag ist der 27. Oktober. Schon jetzt dürfte davon auszugehen sein, dass Mitglieder dort viele Fragen stellen werden. Der Ort stand bei der Einladung noch nicht fest. Nun ist klar: Die wichtige Veranstaltung nach der Ausgliederung der Regionalliga-Mannschaft in eine GmbH findet nicht im Juniper statt.

Der Verein vergaß beim Partner, die Räumlichkeiten anzufragen. Nun weichen die Grün-Weißen in den Millenniumpalast in der Sattlerstraße 10. Neues Terrain also. Beginn ist um 19 Uhr. Und auch die Frage dürfte fallen: Warum vergisst man, bei einem Partner anzufragen, bei dem man in den vergangenen Jahren stets offenherzig empfangen wurde? Hier schließt sich der Kreis der Sponsoren, die sich nicht mehr ausreichend mitgenommen fühlen. Wer dafür verantwortlich ist, muss der VfB Lübeck klären… vielleicht ja schon in zehn Tagen vor den Mitgliedern.

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