
Lübeck – Am Mittwochabend standen in der Kreisliga Ost einige Nachholspiele an. Während der SV Großenbrode mit großen personellen Sorgen zu Gast beim formstarken VfR Laboe war, trafen in Lütjenburg zwei Gegensätze aufeinander. Mit der SG Bösdorf/Malente gastierte ein Anwärter auf den Aufstieg, der zuletzt zu überzeugen wusste, bei einem formschwachen Kellerkind. Am Ende des Tages blickte man auf eine packende Schlussphase inklusive eines Last-Minute-Traumtors.
VfR Laboe – SV Großenbrode 6:2 (3:1)
Nach drei Niederlagen in Serie wollte der SV Großenbrode am Mittwochabend zurück in die Erfolgsspur finden. Zu Gast war der Aufsteiger beim VfR Laboe, der in den vergangenen Spielen nach einem schwachen Start ins Jahr wieder in Form war. Dreimal blieb Laboe unbesiegt, holte dabei sieben von möglichen neun Punkten. Daher war die Mannschaft von Peter Thomm gewarnt, denn auch wenn es vor wenigen Wochen noch einen Heimsieg der Ostholsteiner gegen den jüngsten Gegner gab, war man gewarnt. Personell sah es erneut sehr schwierig bei Großenbrode aus, sodass die Vorzeichen nicht gut waren. Es fehlten unter anderem die Leistungsträger Tom Deiterding, Eike Jappe, Yannic Slowy oder aber Philip Urich. Der Trainer sagte: „Ich hatte gestern einen ultra dezimierten Kader, bin mit einigen Leuten aus der Zweiten dorthin gefahren, also erstmal vielen Dank an die Jungs, dass sie sich bereitstellen. Es ist einfach schwierig unter der Woche, wenn man 19 Uhr in Laboe spielt oder nächste Woche um 18.45 Uhr. Ich habe einige Jungs, die im Tourismus arbeiten, selbstständig sind mit Restaurants oder von weiter weg, wie aus Rostock und so kommen, da ist es natürlich schwierig, eine schlagfertige Truppe auf den Platz zu kriegen. Gestern war es einfach so, dass wir eine durchgewürfelte Truppe waren, ich hatte noch zwei kurzfristige Absagen aufgrund von Job und Privatem. Das ist dann einfach schwer.“
Laboe machte das Spiel und kam gewohnt über die schnellen Außenspieler. Keine 20 Minuten waren gespielt, da führte der VfR bereits. Bernd Hennig (17.) traf und nur sechs Minuten später erhöhte Janek Geisbauer (23.). Es war erneut ein früher Rückstand, dem man hinterherlief, denn bereits gegen Lensahn und Schönkirchen war dies der Fall. Die Aufgabe wurde nicht leichter, doch der SVG verkürzte. Felix Urichs (33.) Treffer zum 1:2 war allerdings noch nicht der Pausenstand, denn Geisbauer (37.) erhöhte nur vier Minuten später. Im zweiten Durchgang wollte Großenbrode erneut zum Anschluss kommen und das Spiel nochmal spannend machen. Ein Doppelschlag von Jan-Patrick Wemmer (55.) und Geisbauer (57.) zum Dritten machte den Sack zu. Das 5:1 war die Vorentscheidung und erneut machte der Aufsteiger in der Defensive keine gute Figur. Maurice Molles (77.) erzielte mit dem 2:5 nicht mehr als Ergebniskosmetik, denn das letzte Wort an diesem Abend hatte Lion Laß (83.), der zum 6:2 für Laboe traf. Somit musste sich Großenbrode zum vierten Mal in Folge geschlagen geben. Thomm sagte zum Spiel: „Ich finde, wir haben uns relativ gut geschlagen dort, es war zwei Tore zu hoch. Wenn es 2:3 oder 2:4 ausgeht, dann ist es völlig legitim. Laboe hat völlig verdient gewonnen, aber wir legen uns halt zwei bis drei Dinger selbst rein und das darf einfach nicht passieren.“ Drei Punkte liegt der 14. Platz nun entfernt, auf den ersten direkten Abstiegsrang sind es sechs Punkte. Noch ist das Polster groß, doch das Restprogramm ist anspruchsvoll. Die Defensive muss vor diesen Spielen wieder stabilisiert werden, denn 19 Gegentore aus vier Spielen sind eindeutig zu viele.
TSV Lütjenburg – SG Bösdorf/Malente 2:1 (0:0)
An der Kieler Straße stand eine Partie an, bei der es für beide Mannschaften noch um eine Menge geht. Der TSV Lütjenburg stand nach zuletzt einem Sieg aus acht Spielen in 2026 und dem Sieg des Raisdorfer TSV am Dienstagabend in Preetz enorm unter Druck. Nur noch zwei Punkte betrug das Polster auf den ersten direkten Abstiegsplatz, sodass ein Dreier eigentlich schon Pflicht war, um sich etwas Luft zu verschaffen. Zu Gast war die SG Bösdorf/Malente, die mit einer breiten Brust anreiste. Fünf Spiele gewann diese, darunter viermal in Folge ohne Gegentor. Es war also ein dickes Brett, das gebohrt werden musste. Personell standen SG-Trainer Benjamin Berger einige Spieler nicht zur Verfügung. Thore Meyer war gelbgesperrt, hinzu kamen die Ausfälle von Kapitän Thies Theede, Leo Korn, Niklas Brandtner, Fabian Riemann sowie Torben Plagmann. Dennoch war es eine schlagkräftige Truppe, die der Tabellenfünfte ins Rennen schickte.
Lütjenburg mit Chancenplus
Von Beginn an zeigte die SG Bösdorf/Malente, dass sie das Spiel gegen einen tief verteidigenden TSV Lütjenburg bestimmen wollen. Sie ließen dabei den Ball durch die eigenen Reihen laufen, ohne dabei in der Anfangsphase ins letzte Drittel zu kommen. Der Gegner, der mit den Offensivspielern durchaus früh störte, agierte mit Melvin Abdulai und Rumen Scheunemann auf den Flügeln, Jakob Tetzlaff sowie Riad Abdalla agierten im Zentrum. Die erste Chance des Abends ging auf das Konto des TSV, der über halbrechts mit Abdalla kam, welcher in der Mitte Tetzlaff fand, doch der Abschluss des Stürmers war leichte Beute für SG-Keeper Jesko Saggau. Es fehlte der Zugriff bei der Gastmannschaft, die defensiv immer wieder gefordert wurde. So prüfte Abdalla Saggau diesmal selbst, doch der Abschluss war zu unplatziert. Fünf Minuten später leitete Kapitän Christian Witt ein, über Scheunemann kam der Ball in die Mitte, wo Tetzlaff den nächsten Abschluss des vor dem Spiel Tabellenvierzehnten verzeichnete. Der Führungstreffer für die Platzherren lag nach 20 Minuten durchaus in der Luft, denn zu diesem Zeitpunkt hatten diese ein klares Chancenplus. Bösdorf verzeichnete noch keinen Abschluss in Richtung Tor der Hausherren. Hemen Majeed bediente Abdalla, der erneut an Saggau scheiterte.
Bösdorf/Malente bestraft Fehler nicht
In der 23. Minute war es dann soweit. Der klare Favorit aus Bösdorf verzeichnete seinen ersten Abschluss. Der Ball kam durch zu Stürmer Deven Klemp, der allerdings zu unpräzise abschloss und somit Torhüter Jebe nur minimal forderte. In dieser Aktion war wesentlich mehr drin gewesen. Drei Minuten später wurde es auf der anderen Seite unübersichtlich im Sechzehner, doch es passte zur Chancenverwertung der Lütjenburger, dass sie die Kugel im Getümmel nicht über die Linie gedrückt bekamen. Es waren wie bereits am Sonntag gegen Dobersdorf eindeutig zu viele Chancen, die das Team von Christof Witt, der an diesem Abend die Mannschaft coachte, ungenutzt ließ. Eine berühmte Fußballfloskel besagt: „Wenn du vorne den Ball nicht reinmachst, dann bekommst du ihn hinten“, und genau dies sollte beinahe passieren. Ein Fehlpass am eigenen Sechzehner landete bei Christian Schröder, der aus knapp 16 Metern völlig alleinstehend den Ball knapp am Pfosten vorbeizog. Es war der Beginn der bis dato besten Phase des Gastes, der plötzlich selbst die Führung vergab. Klemp kam aus kurzer Distanz relativ ungehindert zum Abschluss, schob den Ball aber ebenfalls vorbei. Die beste SG-Chance vor der Pause hatte in der 44. Minute dann Jonas Lüdtke, der auf dem linken Flügel agierte. Er drehte sich und traf nur an den Außenpfosten. Es hätte durchaus die Führung sein können. Mit Pausenpfiff kam Lütjenburg nochmal zu einer Chance, bei der Scheunemann den ziemlich alleingelassenen Jan Seidel sah, doch dieser schoss ebenfalls vorbei. Somit ging es ohne Tore in die Pause, was aufgrund der Chancen auf beiden Seiten sehr verwunderlich war. Lütjenburg hatte das klare Chancenplus, kam vor allem in der ersten halben Stunde zu vielen Abschlüssen, doch die Schlussphase des ersten Durchgangs gehörte dem Tabellenfünften. Dieser hatte gute Chancen, woraus zu wenig gemacht wurde.
Ein Rätsel für Berger
Die Chancenverwertung war in den ersten 45 Minuten auf beiden Seiten ein Thema. Lütjenburg verpasste es, sich für die vielen Möglichkeiten zu belohnen, während Bösdorf/Malente vor allem nach Fehlern des Gegners zu ungenau in den Abschlüssen war. Trainer Benjamin Berger zeigte sich nicht glücklich damit, dass seine Mannschaft zu oft statt den Abschluss eine weitere Anspielstation suchte. Dies war oftmals der Fall, wodurch man sich fast eine halbe Stunde schwertat, bis die erste Torchance kreiert wurde. Der Trainer sagte zum Auftritt in den ersten 45 Minuten: „Lütjenburg stand super tief und hat das auch gut gemacht. Wir hatten vier Hochkaräter, die wir auch alle nicht machen, die wir alle neben das Tor semmeln. Auf der anderen Seite können wir auch vier kassieren, also es kann sich hier keiner beschweren, wenn es 4:4 zur Halbzeit steht. Aber nach vorne müssen wir es eigentlich besser spielen. Wir sind das am Dienstag nochmal durchgegangen, weshalb es mir ein Rätsel ist, warum wir das nicht gemacht haben.“ Der B-Lizenz-Inhaber reagierte und brachte mit Niels Matzanke für Schröder sowie Marek Saggau für den unauffälligen Alexander Hornsmann zwei frische Kräfte ins Spiel.
Joker sticht
Im zweiten Durchgang war es weiterhin eine SG Bösdorf/Malente, die das Spiel machte. Anders als vor der Pause agierten sie nun allerdings wesentlich zielstrebiger und kreierten selbst wesentlich mehr. Bereits acht Minuten nach Wiederbeginn kam es zu einer Riesenchance für die SG, als Marek Saggau abzog und Lennart Jebe zu einer starken Parade zwang. Die ersten zehn Minuten waren ein absolut verzerrtes Bild zur ersten Hälfte, denn nun waren die Gäste deutlich zwingender. Das Spiel kippte mehr in ihre Richtung, doch plötzlich gab es die Riesenchance für Lütjenburg. Nach einem eigenen Eckball lief Bösdorf in einen Konter. Abdalla bediente Melvin Abdulai, der den überragend ausgespielten Gegenstoß allerdings zu platziert an den Pfosten setzte. Es war kaum zu glauben, was die Mannschaft aus dem Tabellenkeller liegenließ. Das Glück im Abschluss fehlte an diesem Abend oftmals komplett und auf der anderen Seite rächte sich der Chancenwucher. Marek Saggau (78.) schloss aus etwa 20 Metern ab und traf ins linke Eck zum 1:0 für Bösdorf/Malente. Nun wurde es eine ganz schwere Aufgabe für Lütjenburg, die sich allerdings überhaupt nicht beeindruckt zeigten. Nur zwei Minuten später scheiterte Abdulai und auch ein Standard von Bollesen, der Abdalla fand, kam auf das Tor. Der Treffer blieb allerdings hier noch aus.
Packende Schlussminuten
Die letzten Minuten waren angebrochen und Bösdorf musste nach Florian Bruckschlögl auch Niklas Böhme vorzeitig vom Feld nehmen. Beide Verteidiger konnten nicht weitermachen. Lütjenburg lief an und die Gäste verteidigten. Mit fast 450 Minuten ohne Gegentor im Rücken sollte die fünfte weiße Weste her, doch einen Angriff klärte man nicht konsequent genug. Der Ball kam zu Maysara Mohammad (85.), der wuchtig und platziert ins lange Eck traf. Der insgesamt hochverdiente Ausgleich fiel, doch beide waren mit einem möglichen Remis nicht unbedingt glücklich. Es ging weiterhin munter nach vorne. In der 89. Minute zog TSV-Kapitän Christian Witt aus rund 30 Metern ab und hämmerte das runde Leder wuchtig ans Aluminium. Es war unglaublich, welches Pech die Gastgeber im Abschluss hatten. Sie waren in den letzten Minuten etwas drückender, doch in der Nachspielzeit schwächte man sich selbst. Nach einem Foul blieb Witt liegen, doch er ließ sich zu einer Beleidigung hinreißen, wofür er die Rote Karte sah. Die letzten Minuten agierte Bösdorf/Malente in Überzahl und diese wollten sie unbedingt nutzen. Jonas Lüdtke beförderte eine Hereingabe an die Latte, doch es war immer noch nicht Schluss. Es war die achte Minute der Nachspielzeit und Bösdorf schaltete nochmal um. Es ging über Kevin Witt, doch dieser brachte den Ball zu ungenau in die Mitte. Statt eines Mitspielers fand der Ball einen Lütjenburger, der den Konter einleitete. Der auffällige, doch oftmals glücklose Abdalla hatte freie Bahn, umkurvte Jesko Saggau, machte die Bewegung jedoch vom Tor weg. Der Winkel wurde zu spitz, sodass die Chance vorbei schien, doch plötzlich zog Mika Großnick (98.) aus etwa 30 Metern halbrechter Position ab und traf sehenswert. Es war ein Sonntagsschuss, der am Mittwochabend im Tor der SG einschlug. „Wir haben in erster Linie selbst einen Konter über Witt, den wir total schlecht ausspielen. Er legt sich den auf den Linken und möchte den mit der Pike reinhämmern. Dann bekommen wir aus einem eigenen Konter einen um die Ohren, klären den Ball nicht und dann ist das ein Sonntagsschuss, der in den Winkel reinfliegt. Mit so einem Tor darfst du dann auch mal verlieren, weil das ist nicht so irgendein Reingeschiebe, sondern ein wunderschönes Tor gewesen“, meinte Berger.
„Ein absolut gebrauchter Tag“
Auf das 2:1 gab es keine Antwort mehr, denn der Schiedsrichter beendete das Spiel im Anschluss. Für Lütjenburg war es ein wichtiger Sieg, der keineswegs unverdient war. Man verlässt Rang 14 und wäre stattdessen gerettet. Der Auftritt war mit Ausnahme der Chancenverwertung gut und ließ keineswegs eine Mannschaft, die im Abstiegskampf steckt, vermuten. Für Bösdorf/Malente war diese Niederlage eine ganz bittere, denn nicht nur die Serie von vier Spielen ohne Gegentor, sondern auch die Siegesserie ist gerissen. Es war insgesamt einfach zu wenig, wodurch man im Aufstiegsrennen nun erstmals wieder ins Hintertreffen geraten ist. Der Bösdorf/Malente-Coach, der erstmals überhaupt als Cheftrainer gegen Lütjenburg verlor, fand nach dem Spiel klare Worte im Gespräch mit HL-SPORTS: „Hochverdiente Niederlage. Wir können froh sein, dass wir in der zweiten Halbzeit nicht noch zwei oder drei Dinger mehr kriegen, erste Halbzeit genauso, wo Jesko gut hält. Das war ein absolut gebrauchter Tag mit einer Spielanlage und Art und Weise, die so nicht geht. Ich glaube, das war mit das schlechteste Saisonspiel, im Spiel gegen den Ball und mit dem Ball. Das müssen wir definitiv im Training aufarbeiten und dann geht es zum Glück schon am Samstag weiter gegen Cismar.“







