
Lübeck – Es war ein Fußballabend, wie er im Buche steht – und das für einen Zweck, der weit über das rein Sportliche hinausgeht. Die Liquiditätslücke des VfB Lübeck bis Ende Mai zu schließen. Am vergangenen Mittwochabend verwandelte sich das Stadion an der Lohmühle in einen Ort der Begegnung, an dem Sponsoren, Fans und Familien gemeinsam ein außergewöhnliches Zeichen für den Zusammenhalt setzten. Mit Erfolg: Insgesamt spielte der „Club der Hanseaten“ seit Bekanntwerden des finanziellen Locks inklusive des Spielabends eine beeindruckende Summe von über 70.000 Euro ein.
Familiärer Glanz im Spielertunnel
Schon vor dem Anpfiff wurde deutlich, dass dieses Event unter dem Motto „Gemeinsam“ stand. Die Sponsorenmannschaft lief gemeinsam mit der ersten Herrenmannschaft des VfB Lübeck durch den Spielertunnel ein – viele von ihnen an den Händen ihrer eigenen Kinder. Rund 100 Gäste, bestehend aus Freunden und Familien, sorgten auf den Rängen für eine Atmosphäre, die Cheftrainer Guerino „Rino“ Capretti bereits in der Kabine beschworen hatte. Ein handgemaltes Plakat am Spielfeldrand brachte es auf den Punkt: „Papa Thomas, schieß ein Tor für uns!“
Ein torreicher Schlagabtausch mit Videobeweis
Sportlich schenkten sich die Teams nichts. In zwei Halbzeiten a 30 Minuten bekamen die Zuschauer ein Offensivspektakel geboten. Zur Pause stand es noch leistungsgerecht 3:3, bevor die Partie in der zweiten Hälfte vollends an Fahrt aufnahm. Am Ende behielt die Sponsorenmannschaft, der „Club der Hanseaten“, mit 7:6 die Oberhand.
Besonders kurios: Das Schiedsrichtergespann um Boris Hoffmann und Jan Dalitz, die sich alle 15 Minuten als Hauptschiedsrichter abgewechselt hatten, musste sogar den Videobeweis bemühen. Unterstützt wurden sie dabei von zwei ambitionierten Jung-Schiedsrichtern.
Die Torschützen des Abends: Thomas Jablonka (Jablonka Immobilien, Doppelpack), Thomas Schlieter (Blitz Elektroanlagen, verwandelter „Blitz-Elfmeter“ nach Handspiel-Diskussion), Max Mense (DEVK) und Ralf Topel (BTB Spahn und Topel, Traumtor vom Mittelkreis) waren in der Nachbesprechung noch in Erinnerung. Zwei weitere Torschützen stehen noch aus – können sich gerne bei der Redaktion von HL-SPORTS melden.
Die Stimmen zum Spiel: Von „Sabotage“ bis „Real Madrid“
Selten waren die Analysen nach einem Spiel so unterhaltsam. VfB-Cheftrainerin Doreen Niemerski (Niemerski Immobilien) sparte nach der knappen Niederlage nicht mit deutlichen Worten und einer gehörigen Portion Galgenhumor:
„Definitiv hat es nicht an mir gelegen, das ist mal klar! Wir haben zu verhalten gespielt und zu viel zugelassen. Die Ernsthaftigkeit hat mir gefehlt, gerade in der ersten Halbzeit. Meine Ansagen sind da teilweise ignoriert worden. Ich habe ja ein bisschen mehr Härte eingefordert. In der Halbzeit gab es eine kleine Ansage und ich habe einmal komplett ausgewechselt – die ganze Mannschaft durch, weil die erste Hälfte gar nicht ging.“
Besonders auf das Schiedsrichtergespann war sie nicht gut zu sprechen:
„Zweite Halbzeit war besser, aber da waren Sachen… da spielen auf einmal zwölf Leute, der Schiri sieht es nicht… ich sehe nur noch Grün! Gewinnen kann man so natürlich nicht. Ich wurde vom Schiedsrichter sabotiert. Ich fürchte, ein Protest des Vereins ist aussichtslos. Ich denke mal, ich werde heute meinen Hut nehmen. Ich denke nicht, dass ich Sonntag auf dem Platz stehe.“
VfB-Sportvorstand Sebastian Harms nahm die „Drohung“ seiner Trainerin und das Ergebnis gelassen auf:
„Die Enttäuschung hält sich in Grenzen. Es war ein gutes Spiel und alle hatten Spaß. Das ist der Sinn der Veranstaltung. Mir war es ehrlich gesagt lieber, dass es ein torreiches Spiel wird mit gleicher Verteilung, als zu einseitig. Das Spiel stand heute unter einem anderen Stern als normalerweise. Es ist eine gute Sache, die die Gruppe hier zusammenschweißen wird.“
Auf die Frage nach potenziellen Neuzugängen aus der Sponsoren-Elf antwortete er mit einem Schmunzeln:
„Ein paar von den Jungs hatten ganz gute Anlagen, aber sie sind ein bisschen in die Jahre gekommen. Den einen oder anderen kennt man ja noch von früher aus Viertligazeiten mit Dittmer oder Mischke. Ganz reicht es nicht mehr für die Regionalliga, aber 20 Jahre jünger würde ich den einen oder anderen nehmen.“
Co-Trainer Oliver Prieur (Prieur Dichtstoffe) war nach dem Sieg seines Sponsoren-Teams voll des Lobes:
„Das war ganz einfach: Die Jungs waren bis unter die Haarspitzen motiviert, da musste man gar nicht viel sagen. Die haben heute alles weggebügelt und hätten heute vielleicht auch noch gegen Real Madrid gewonnen. Es hat sich so ergeben, dass wir steil nach vorne spielen und das Ding einfach mal reinsemmeln konnten. Sonst hätten wir noch deutlicher gewonnen.“
Schiedsrichter Jan Dalitz musste derweil einige strittige Entscheidungen verteidigen, unter anderem einen Elfmeter:
„Der Torwart bringt den Ball per Fuß ins Spiel und der Verteidiger nimmt den Ball in die Hand, legt ihn sich hin und will noch mal ausführen. Für mich ganz klar Handspiel, weil der Ball regulär im Spiel war. Der VfB dachte, es ist ein indirekter Freistoß, aber Handspiel ist immer Strafstoß. Es gab auch eine Gelbe Karte für den VfB wegen Unsportlichkeit, weil ein Spieler angefangen hat, das Netz abzubauen, nachdem ich ihn gerade ermahnt hatte.“
Auch zum „Trikot-Gate“ von Niemerski hatte er eine klare Meinung:
„Sie hat sich beschwert, dass wohl ein Spieler zu viel auf dem Feld gewesen sein soll, aber ich habe elfmal Grün und einmal ein gelbes Trikot gezählt. Die Zahl elf muss in der Aufstellung vorkommen und dementsprechend hat’s gepasst.“
Ausklang in der Mixed Zone
Nach dem Abpfiff und dem obligatorischen gemeinsamen Foto auf dem Rasen ging der Abend fließend in ein gemütliches Beisammensein über. Bei Stadionwurst vom Gourmet Kontor und Kaltgetränken von Carlsberg wurden die Szenen des Spiels noch einmal analysiert, bevor man gemeinsam in der Lounge die „echte“ Königsklasse zwischen Bayern München und Real Madrid verfolgte.
Ein Abend, der bewies: Wenn Lübecker Sponsoren, Sportler und Familien an einem Strang ziehen, wird aus einer Idee ein Erlebnis, das nachhaltig wirkt – sportlich wie finanziell. Und: Der Ruf nach einem Rückspiel in der kommenden Woche kam, doch das dürfte sich vermutlich etwas hinziehen, denn der Terminkalender der „Club der Hanseaten“ könnte mit dem Profis kollidieren… HL-SPORTS bleibt am Thema dran…
Die O-Töne des Tages sind nach 18 Uhr am Sonnabend nochmal in einem Lohmühlen-Echo Spezial bei RADIO LÜBECK zu hören.
Immer dienstags: Das “Lohmühlen-Echo“ bei RADIO LÜBECK auf UKW 88,5
Als exklusives Erlebnis für die Fans der Grün-Weißen gibt es jede Woche das hörbare “Lohmühlen-Echo“ bei RADIO LÜBECK. Immer dienstags mit Infos, News und Interviews für Anhänger des VfB Lübeck aus dem Stadion an der Lohmühle. Jeweils gegen 7.40, 13.10, 16.40 und 19.10 Uhr sind wechselnd Mannschaft, Trainer und Vorstand dabei. Außerdem immer montags und freitags zu den gleichen Zeiten das Sport-Telegramm von HL-SPORTS auf 88,5 UKW, DAB+, Kabel oder im Stream. Mehr zu RADIO LÜBECK hier: www.radioluebeck.de.







