HSV-Trainer Dieter Hecking ärgert sich. Archiv-Foto: action press/Pool via Michael Schwarz

Hamburg – Alles hoffen der Mehrheit hat nichts genützt. Der Hamburger SV steht vor einem Neuanfang – wieder einmal. Nach dem verpassten Aufstieg in die Bundesliga gab es am Sonnabend, wie erwartet, die Entscheidung zum Trainer. Der Vertrag von Dieter Hecking wird nicht verlängert. Der 55-Jährige und Sportvorstand Jonas Boldt kamen zu dem Ergebnis, dass es keine weitere Zusammenarbeit gibt.

Hecking übernimmt die Verantwortung

„Ich bin vor einem Jahr hier angetreten, um gemeinsam mit den Verantwortlichen des Klubs das große Ziel des Hamburger SV zu erreichen“, erklärt Hecking und weiter: „Wir haben in der zurückliegenden Saison einiges geschafft: Wir haben eine gute Hinrunde gespielt, die Fans zufriedengestellt, mehrere sehr schwierige Situationen rund um die Mannschaft gemeistert und auch den HSV in ruhigere Bahnen geführt. Aber wir haben das angestrebte Ziel nicht erreicht. Dafür übernehme ich die Verantwortung.“

Boldt hätte wohl gerne mit dem Trainer weitergemacht

Boldt: „Ich bedanke mich im Namen des HSV für die sehr gute und vertrauensvolle, ehrliche Zusammenarbeit. Dieter hat sich voll auf unsere Aufgabe eingelassen. Es ist für uns alle enttäuschend, dass wir das sportliche Saisonziel am Ende nicht erreicht haben. Wir müssen aus dem Erlebten lernen und uns weiterentwickeln.“

Dieter Hecking und seine Co-Trainer Dirk Bremser und Tobias Schweinsteiger während des Testsspiels beim VfB Lübeck. Foto: Fishing4/Marcel Krause

Auch Bremser verlässt den HSV – Was wird Schweinsteiger?

Mit Hecking geht auch sein Co-Trainer Dirk Bremser. Sein Vertrag endete ebenfalls am 30. Juni und wird nicht verlängert. Er und Hecking arbeiten bereits seit 19 Jahren zusammen. Bei Tobias Schweinsteiger ist die Lage aktuell eine andere. Er hat noch einen laufenden Vertrag bei den Hamburgen. Ob es für ihn weitergeht, dürfte sich spätestens entscheiden, wenn der neue Coach gefunden ist. Gespräche sollen hier stattfinden.

25 Cheftrainer in 20 Jahren

Der HSV ist Spitzenreiter im Verschleiß von Übungsleitern. Hecking war der 25. Chefcoach in 20 Jahren. Seit dem Abstieg aus der Bundesliga versuchten es vor ihm Christian Titz und Hannes Wolf. Beide scheiterten ebenfalls im Volkspark.

Lippenbekenntnisse noch vor dem Sandhausen-Debakel

Noch vor dem letzten Saisonspiel, das mit 1:5 gegen SV Sandhausen somit in einem Offenbarungseid endete, beteuerten Boldt und Hecking ihre Bereitschaft gemeinsam weiterzumachen, an ihrem Konzept weiterzuarbeiten, „dass wir beide diesen Weg, den wir hier beim HSV eingeschlagen haben, nicht einfach so über Bord werfen wollen. Wir bekommen unglaublich viel Anerkennung, nicht nur hier aus dem Hamburger Raum, sondern aus ganz Deutschland, dass die Menschen sagen: Obwohl die Ziele noch nicht erreicht sind, können sie sich mit dem HSV wieder identifizieren. Der HSV steht für Werte. Natürlich zählen am Ende immer auch Ergebnisse – das wissen wir. Aber deswegen können wir uns einen weiteren gemeinsamen Weg vorstellen“, so der 38-jährige Sportvorstand der Rothosen da noch. Hecking schlug in die gleiche Kerbe, ließ viel Raum für eine Zukunft im Volkspark.

HSV-Sportvorstand Jonas Boldt
Foto: Lobeca/Kaben

Heckings Fehler

Der Chefcoach hat Fehler gemacht, wechselte zu oft nicht nachvollziehbar, ließ Mentalitätsspieler wie David Kinsombi oft links liegen und setzte eher auf Adrian Fein – nur um einen elementaren Lapsus mit Wiederholung zu nennen. Dazu die „verdammte“ Nachspielzeit, die insgesamt 20 Punkte in der Saison kostete. Fakt ist: Der Cheftrainer ist verantwortlich für die Auf- und Einstellung der Mannschaft. Ohne Frage hat das Team versagt, doch Hecking hat ihnen nicht den nötigen Spirit mitgeben können, dass sie auch in der 95. Minute noch konsequent das Ziel verfolgen, ein Spiel ohne Gegentor zu Ende zu spielen. Die Ära Hecking ist also nach einem Jahr auch wieder vorbei.

Suche nach dem Heilsbringer

Wer wird den Hamburger SV dieses Mal in die neue Saison führen und wie lange bleibt er? Diese Frage beschäftigt nun alle. Die Antwort dürfte nicht lange auf sich warten lassen. Boldt hatte Zeit, sich Gedanken zu machen und es sollen bereits Kandidaten auf der Liste stehen. Welcher Typ Trainer ist der Richtige für den HSV? Auf Anhieb fällt niemand so richtig ein, der die Rothosen in die Erfolgsspur und damit zurück in die Bundesliga bringen kann.

Dimitrios Grammozis könnte bald wieder in seinem alten „Wohnzimmer“ sitzen
Foto: Lobeca/Gettschat

Grammozis heißester Kandidat

Andre Breitenreiter (früher Hannover 96), Alfred Schreuder (bis vor kurzem bei 1899 Hoffenheim) und Dimitrios Grammozis (zuvor Darmstadt 98) sind die Kandidaten für eine Nachfolge. Dabei ist Grammozis klarer Favorit. Doch der Grieche scheint auch vom Stadtnachbarn FC St. Pauli umgarnt zu werden. Die Kiezkicker suchen nach Trennung von Jos Luhukay ebenfalls einen neuen Trainer.