Und täglich grüßt das Murmeltier: JFV Lübeck „noch“ zu dritt – Austritt Nr. 4 folgt?

„Uns ist die Zusammenarbeit mit Phönix lästig“

Lübeck – Beim JFV Lübeck schwindet die Zahl der Stammvereine nun schon fast wöchentlich. Erst Lübeck 1876, kurz danach Viktoria 08 und nun auch noch der Förderkader Lübeck – alle weg. Phönix, Eichholz und Siems sind jetzt noch zu dritt.

„Stammvereine kein Mitspracherecht mehr“

Förderkader-Vorsitzender Peter Witt ließ kein gutes Haar am aktuellen JFV-Führungsstil und sagte zu HL-SPORTS: „Uns ist die Zusammenarbeit mit Phönix lästig. Außerdem zählen unsere gemeinsamen Ziele, Jugendliche aus der Region zu fördern nicht mehr, stattdessen werden Hamburger Jungs geholt, die für Geld spielen. Und der JFV-Vorstand hat sich dahin geäußert, dass die Stammvereine kein Mitspracherecht mehr haben.“

Dritter Verein ist weg

Der Förderkader Lübeck wurde noch zu Zeiten des JFV Hanse gegründet, als dieser nur noch aus 1876 bestand. Er nahm bisher alleine nicht am Spielbetrieb teil. Geplant war der Förderverein als Sponsoren-Pool, der die Nachwuchskicker unterstützen sollte.

„Der JFV auf Augenhöhe mit Holstein Kiel“

Beim JFV Lübeck äußerte sich Oliver Zapel als Sportlicher Leiter zur Austrittswelle gegenüber HL-SPORTS wie folgt: „Wir vom JFV verstehen diese Sensationspolemik nicht! Die Tendenzen in den Vereinen waren uns selbstverständlich bekannt und kommen nicht überraschend. Daher arbeiten wir bereits seit Längerem an neuen Strukturen, die den rapiden Entwicklungen unseres Vereins entsprechen. Das bedeutet aber keinesfalls, dass beim JFV etwas nicht stimmt. Im Gegenteil! Der JFV ist alleine rein sportlich betrachtet auf Augenhöhe mit Holstein Kiel und damit absolute Landesspitze. All unsere Teams bestehen zu aller größten Teilen aus Talenten der Region. Wir haben großen Zulauf an Spielern vieler Lübecker Vereine, da sie sehen, dass ihre ehemaligen Mannschaftskameraden mittlerweile Regionalliga spielen. Darauf sind wir extrem stolz, denn wir erachten es als sehr wichtig, dass den Lübecker Top-Talenten eine Anlauf- und Ausbildungsmöglichkeit im Leistungsfußball geboten wird.“

Vorstand arbeitet an Platzproblemen

Seit Anfang dieser Saison hat der Cheftrainer der Phönix-Herren-Regionalligamannschaft das Sagen beim JFV auf sportlicher Ebene, trainiert zudem das B-Jugend-Regionalliga-Team. Weiter meint er: „Insgesamt kommt in den jüngsten Berichterstattungen der Sport viel zu kurz. Unsere Trainer und Sportler arbeiten jeden Tag akribisch und hochintensiv an der Entwicklung der Teams. Dabei sind die Rahmenbedingungen mitunter alles andere als hervorragend. Oft stehen nur Hälften oder Drittel von Sportplätzen für das Training zur Verfügung. Aber an einer Optimierung diese Situation wird seitens des Vorstands gearbeitet. Wir versuchen alles, um überregional wettbewerbsfähig zu sein und somit den ambitionierten Spielern und Spielerinnen eine Zukunftsperspektive zu bieten. Umso höher ist zu bewerten, dass wir mittlerweile mit zwei Teams in der zweithöchsten Liga in Deutschland antreten und sogar faire Chancen haben, die Klassen zu halten. Gerade die Vereine, die den ebenfalls wichtigen Breitensport anbieten, haben da nachvollziehbarerweise eine komplett andere Ausrichtung und Herangehensweise, die mit einem Leistungssportverein eben nicht immer kompatibel sind. Wenn diese Erkenntnis reift, dann liegt eine Trennung zwangsweise auf der Hand. Ich persönlich finde es dennoch schade, dass gerade jetzt, wo das noch ganz junge und zarte JFV-Pflänzlein anfängt zu wachsen, Gründungsvereine von Bord gehen.“

„Mit dem VfB endlich wieder einen Drittligisten“

„Wenn Lübeck als Fußballstadt eine Perspektive haben will, dann ist ein starker regionaler Ausbildungsverein unumgänglich. Mit hoher Wahrscheinlichkeit haben wir in der kommenden Saison mit dem VfB endlich wieder einen Drittligisten im Profifußball vertreten. Gemeinsam mit dem Regionalligisten Phönix wäre Lübeck dann auch überregional eine der ganz wenigen Städte mit gleich zwei Vereinen im Fußballzirkus. Außerdem sind gleich mehrere Clubs aus dem Einzugsgebiet in der Oberliga vertreten. Das sind doch tolle Voraussetzungen! Damit das allerdings so bleibt, brauchen alle Vereine jedoch einen Magneten, der die ambitionierten Kinder anzieht“, so Zapel.

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Stammvereine sollen Angebote machen

Und weiter: „Schon dieses Jahr “entlassen“ wir aus unserer U19-Regionalliga über 15 ausgebildete Spieler in den Seniorenfußball. Die zuletzt häufig kolportierte Meinung, der JFV würde ausnahmslos für den 1. FC Phönix ausbilden, erübrigt sich alleine schon aufgrund der hohen Anzahl an Spielern. Es obliegt jedem Club der Region – und hier bevorzugt natürlich unseren Stammvereinen –, den Spielern ein Folgeangebot zu unterbreiten. Im Prinzip eine echte Win-Win-Situation.

Trainerseminar im neuen Jahr

„Neben der Ausbildung der Spieler geht es beim JFV übrigens auch um die Weiterbildung der Trainer. Denn die Qualität unserer Coaches bestimmt die Qualität der Ausbildung unserer Sportler und Sportlerinnen. So starten wir das neue Jahr mit einem Trainer-Seminar, um allen einen Leitfaden für die anstehenden Aufgaben zukommen zu lassen.“

Zapel zur Motivation des „neuen“ JFV

„Insgesamt denken wir, dass der JFV Lübeck viel mehr als Förderprojekt der gesamten Stadt anerkannt werden sollte. Gerade weil sich alle Mannschaften aus Spielern unterschiedlicher Vereine formieren, gehört jedem dieser Vereine auch ein Stück des Erfolges! Es wäre doch für alle Beteiligten ein Riesenerfolg, wenn wir Kinder dieses Vereins zukünftig als Leistungsträger auf den Sportplätzen der Stadt oder gar in den großen Arenen in Deutschland auflaufen sehen würden. Das ist zumindest unsere Motivation!“  

Nächster Ausstieg in Vorbereitung

Doch dabei dürften aus drei Vereinen bald nur noch zwei übrig sein. Der TSV Siems steht nach Informationen von HL-SPORTS ebenfalls vor einem Ausstieg. Die Kündigung vom Krummen Weg muss noch bis zum 31. Dezember dieses Jahres beim JFV eintrudeln, denn sonst wären die Siemser in der Saison 2023/2024 weiterhin gebunden. Das Problem in Siems liegt auf der Hand. Dort ist man lediglich mit den Mädchen dabei, da man sich einen Aufstieg in die Frauen-Regionalliga erhoffte. Dieser ist allerdings nicht derzeit in ganz weite Ferne gerückt. Der SV Viktoria 08 galt als wichtigster Partner im Frauen- und Mädchenfußball in der Hansestadt, doch die „Zebras“ steigen zum kommenden Sommer aus dem JFV aus. Für Siems wäre also ein Verbleib im Vereinszusammenschluss dann eher sinnlos. Im Jungen-Bereich arbeitet der TSV Siems mit den Nachbarclubs als SG TSV Trave 20 zusammen.

Bleiben nur noch Phönix und Eichholz übrig?

Damit dürften aktuell nur noch 1. FC Phönix und Eichholzer SV für die kommende Spielzeit des JFV Lübeck übrigbleiben. Das ist die Mindestanzahl eines JFV. Bricht nur noch einer weg, wäre das Konstrukt wohl gescheitert. Neue Vereine sollen nach Informationen von HL-SPORTS gewonnen werden, doch viele Optionen scheinen da gar nicht zur Verfügung zu stehen. Man darf gespannt sein…

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