„Unfassbar, pietätlos und menschenverachtend“: Fans verhöhnen verstorbenen Polizisten

F.C. Hansa Rostock kommt nicht aus negativen Schlagzeilen heraus

Fan-Banner beim F.C. Hansa Rostock mit der Aufschrift: "Einer weniger, ACAB!!!". Foto: Fishing4

Rostock – In der Hansestadt kommt es derzeit um den F.C. Hansa Rostock nicht zur Ruhe. Fan-Ausschreitungen rund um das Heimspiel gegen Schalke 04, der Verein sperrte einen Journalisten aus und nun trieben es die eigenen Anhänger einmal weiter auf die Spitze. In der Fankurve wurde im Heimspiel gegen SV Sandhausen am Sonntag der Tod eines Polizisten gefeiert.  

Verein entschuldigt sich

Der Verein teilte am Montag auf seiner Homepage folgendes mit: „Während der Partie gegen den SV Sandhausen (17.10.2021) wurde auf der Südtribüne ein Spruchband mit der Aufschrift „Einer weniger, ACAB!“ gezeigt, das mutmaßlich auf den tragischen Tod eines jungen Polizisten abzielt. Der F.C. Hansa Rostock distanziert sich von diesem beschämenden Banner und verurteilt diese Pietätlosigkeit aufs Schärfste. Der F.C. Hansa Rostock möchte sich in aller Form bei den Angehörigen des Verstorbenen und der gesamten Polizei für diese moralisch in keiner Weise vertretbare Aktion entschuldigen und hat noch während des Spiels den Innenminister des Landes, die Einsatzleitung der Polizei und den Leiter der Polizeiinspektion Rostock kontaktiert und sein Entsetzen und Bedauern über diese Aktion mitgeteilt.“

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Innenminister entsetzt

„Das, was dort gezeigt wurde, ist schlichtweg unfassbar, pietätlos und menschenverachtend“, sagte am Thorsten Renz (CDU) zu dieser unglaublichen Aktion. Dabei betonte er, dass der Verein mit Entschuldigungen und Distanzierungen nicht weit kommen würde. „Ich erwarte, dass die Verantwortlichen mit aller Konsequenz Einfluss darauf nehmen, dass solche herabwürdigenden Banner gar nicht erst ins Stadion gelangen können“, so der Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern.

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Polizeigewerkschaft nimmt Vereine in die Pflicht

Der Polizist, auf den das Banner vermutlich abzielte, wurde nur 24 Jahre alt. Der Hamburger war zu einem Lehrgang in Mecklenburg-Vorpommern und dort nach einer nächtlichen Belastungsübung verstorben. Das teilte die Polizeigewerkschaft (DPolG) in Hamburg mit. In einer Pressemitteilung des Landesverbandes heißt es: „Hintergrund dieser widerwärtigen und menschenverachtenden Hassbotschaft ist der tragische Tod eines 24-jährigen Hamburger Polizeibeamten in der vergangenen Woche. Unser junger Kollege nahm an einem Lehrgang in Mecklenburg-Vorpommern teil und absolvierte eine nächtliche Belastungsübung. Danach verschlechterte sich sein Gesundheitszustand dramatisch, leider und für uns alle immer noch unfassbar, konnten die von den alarmierten Rettungskräften eingeleiteten Reanimationsmaßnahmen den Tod unseres Kollegen nicht verhindern. Die Ermittlungen zu den genauen Todesumständen werden vom LKA Mecklenburg-Vorpommern geführt und dauern an.“ Dazu Thomas Jungfer, Landesvorsitzender der DPolG Hamburg: „Die Deutsche Polizeigewerkschaft verurteilt das widerwärtigen Verhalten dieser sogenannten Fußballfans auf das Schärfste. Wer den tragischen Tod eines jungen Menschen benutzt, um seinen Hass gegenüber Polizistinnen und Polizisten und der Institution Polizei auszuleben, verletzt sehr bewusst den Anstand, das respektvolle Miteinander und das Werteverständnis unserer Gesellschaft. Wir werden es nicht zulassen, dass das Gedenken an einen Kollegen entmenschlicht und in den Dreck gezogen wird. Ich erwarte von Innen- und Sportsenator Andy Grote (SPD), dass er Strafantrag stellt. Des Weiteren fordere ich die Vereinsführung des FC Hansa Rostock auf, unverzüglich mit den Eltern unseres verstorbenen Kollegen in Verbindung zu treten und um Entschuldigung zu bitten. Es ist an der Zeit, dass der FC Hansa endlich dafür sorgt, dass sich diese immer wieder auftretenden Hassbotschaften gegen die Polizei nicht wiederholen. Ein positives Signal in Richtung der Hamburger Polizei erwarte ich darüber hinaus vom FC St. Pauli, bei dem Hansa Rostock am kommenden Sonntag (24.10.2021) zu Gast ist.“

Rostock spielt am Sonntag beim FC St. Pauli

Die „Botschaft“ der Rostocker Anhängerschaft könnte für noch mehr Zündstoff vor dem Duell am kommenden Sonntag beim FC St. Pauli sorgen. Beide Fanlager sind verfeindet und in der Vergangenheit kam es meist zu schweren Auseinandersetzungen. Fraglich ist aber noch, ob die „gefährlichen“ Hansa-Fans überhaupt nach Hamburg kommen. Am Millerntor herrscht die 2G-Regel. Das lehnen jedoch die meisten Ultras ab.

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