Lübeck – Überraschend mit einem Akt der Dankbarkeit benennt der VfB Lübeck sein Stadion um. Folgendes gab der Drittligist am Sonnabend bekannt:

Der VfB spielt 2020/21 im Dietmar-Scholze-Stadion an der Lohmühle

Der VfB Lübeck feiert in der im September beginnenden Saison seine Rückkehr auf die Profifußball-Ebene – und widmet diesen Schritt auf besondere Art und Weise einem Mann, der insbesondere in schwierigen Jahren immer für diese Vision gekämpft hatte. In der kommenden Saison spielen die Grün-Weißen im „Dietmar-Scholze-Stadion an der Lohmühle“. Die auf das Debütjahr in der 3. Liga befristete Namensgebung wurde in der vergangenen Woche von Vorstand und Aufsichtsrat des VfB beschlossen, nachdem auch Monique Scholze, die Witwe des im Vorjahr verstorbenen Dietmar Scholze, ihre Zustimmung zu dieser Idee erteilt hatte.

Ehre für verstorbenen Ur-VfBer

„In der nunmehr 101-jährigen Geschichte unseres Vereins haben sich etliche Personen besondere Verdienste beim VfB erworben. Die Entwicklung der letzten Jahre und der Aufstieg in die 3. Liga, den er leider nicht mehr miterleben konnte, sind aber in ganz besonderer Weise mit dem Namen Dietmar Scholze verbunden“, erklärt der VfB-Vorstandsvorsitzende Thomas Schikorra und betont: „Mit der Benennung des Stadions nach Dietmar Scholze würdigen wir einen besonderen Menschen und einen großartigen VfBer.“

Monique Scholze kündigt Besuch an

„Ich freue mich unwahrscheinlich über diese wunderbare Geste des Vereins“, sagt Monique Scholze. „Natürlich ist es traurig, dass Dietmar diesen Moment des sportlichen Erfolgs und dieser Auszeichnung nicht mehr miterleben kann. Aber ich hoffe, dass er es von oben in irgendeiner Form mitbekommt. Ich bin sicher, dass es ihn mit Freude und Stolz erfüllen würde.“ Sobald die aktuelle Lage es wieder zulässt, will die Scholze-Witwe auch ein Spiel im nunmehr nach ihrem verstorbenen Mann benannten Stadion erleben.

Gedenken an Dietmar Scholze zwei Tage nach seinem Tod. Foto: Lobeca/Raasch

Vom Fan zum Aufsichtsratschef

In rund 50 Jahren als Funktionär beim VfB hatte der gebürtige Sachse Scholze, der als Siebenjähriger im Februar 1950 gegen den Hamburger SV erstmals ein Spiel der Grün-Weißen sah und fortan begeisterter Fan war, fast alle Positionen innerhalb des Vereins inne. Insbesondere war er über acht Jahre 1. Vorsitzender und knapp sieben Jahre lang Vorsitzender des Aufsichtsrats. Vor allem während der existenzbedrohenden Krise im Herbst 2012 hatte Scholze mit einigen Mitstreitern, darunter der heutige Aufsichtsratsvorsitzende Oliver Bruss, einen Neuanfang forciert. Als Frontmann versammelte er quasi alle Gruppen im Verein – Traditionalisten, Sponsoren und Fans – hinter sich und führte den Verein durch die erneute Insolvenz. Im Zuge einer turbulenten Generalversammlung stellte er sich auch für einen Posten im Aufsichtsrat zur Verfügung, dessen Vorsitzender er bis zu seinem Tod am 9. März 2019 war.

Immer da, wenn man ihn brauchte

Doch bereits vor den Jahren, die auch den jüngeren VfBern heute noch präsent sind, hatte Dietmar Scholze sich große Verdienste um den VfB erworben. Anfangs führte er als Vereinswirt die Kneipe unter der heutigen „Alten Holze“. Großen Erfolg hatte er auch als Jugendtrainer – 1976 wurde „seine“ A-Jugend mit 60:0 Punkten Landesmeister und scheiterte im Kampf um die Deutsche Meisterschaft nur knapp an Werder Bremen. Im gleichen Jahr übernahm er auch erstmals ein Vorstandsamt als 2. und später als 3. Vorsitzender. 1984 wurde er als Nachfolger von Axel Wirth zum 1. Vorsitzenden gewählt. In einer Zeit, in der die Liga-Mannschaft nicht gut da stand, gelang es ihm, den Verein durch eine wirksame Sparpolitik erstmals seit vielen Jahren zu entschulden. Beliebt machte ihn das nicht überall, auch weil der angepeilte Oberliga-Aufstieg mit der Liga-Mannschaft regelmäßig verpasst wurde.

Die Fans gedachten an ihren ehemaligen Präsidenten. Foto: Lobeca/Raasch

Viele Ämter für Scholze

Um auch wieder sportliche Erfolge zu feiern, holte der als selbstständiger Industriekaufmann tätige Scholze gemeinsam mit dem heutigen Aufsichtsrat Rolf Oberbeck im Winter 1990 Ex-Spieler Günter „Molle“ Schütt wieder in den Verein, ermöglichte die Gründung des Wirtschaftsrats, dem Scholze jahrelang mit angehörte, und leitete damit die erfolgreichste Phase der Vereinsgeschichte ein. Als Vorsitzender zog er sich 1992 aus der Führung des VfB zurück, blieb aber in anderen Funktionen – beispielsweise als Schiedsrichterbetreuer und als Obmann der zweiten Mannschaft – dem Verein durchweg erhalten.

Namenszug sichtbar

Die Überlegungen, in welcher Form der Stadionname künftig auch an der Lohmühle zu lesen sein wird, laufen auf Hochtouren, sind aber derzeit noch nicht abgeschlossen.