VfB Lübeck: Eine Fangruppierung nimmt Stellung – eine andere nicht

Diktat statt Frieden? Das Schein-Comeback der Pappelkurve

Ein Teil der VfB-Fans steht im B-Block. Foto: Lobeca/Roberto Seidel
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Lübeck – Am Freitagabend öffnet beim Heimspiel gegen den SV Todesfelde nach 196 Tagen die Pappelkurve auf der Lohmühle wieder ihre Tore. Während das „Ultra Kollektiv Lübeck (UKL)“ auf seinen Kanälen das Comeback feiert und der Vorstand des VfB Lübeck einen „gemeinsamen Lösungsweg“ in der Fanszenen-Aufarbeitung vermeldete, offenbart ein Statement der Fangruppe „Halunken“ die tiefe Kluft hinter den Kulissen.

Schwarzer Freitag spaltet VfB-Fans

Zur Erinnerung: Nach dem Heimspiel der Grün-Weißen gegen den Hamburger SV II am Freitag, 13. März dieses Jahres kam es zu einem Überfall von Hamburger und Teilen Lübecker Ultras auf Mitglieder des VfB-Fanclubs Halunken im eigenen Fandorf (Conti-Dorf). Dabei wurden auch mehrere unbeteiligte Personen verletzt (HL-SPORTS berichtete). Die Polizei schritt ein und ermittelt seitdem nach den Tätern. Nach den Krawallen war die Pappelkurve für alle Fans gesperrt. Auch Auswärtsspiele des VfB durften dessen Anhänger nicht besuchen.

Während das UKL in die Kurve zurückkehrt, verbleiben die Halunken vorerst in Block B.

Eine Anfrage von HL-SPORTS an die Vertreter der Ultras, um auch deren Sichtweise und Aufarbeitungsprozess im Vorfeld des Spiels transparent abzubilden, blieb bis zur Veröffentlichung dieses Artikels unbeantwortet. Nur in der Pressemitteilung des Vereins wurde bekannt, dass die „Voraussetzung hierfür auch die Aufarbeitung der gewalttätigen Vorfälle vom 13. März war. Das UKL hat dabei eigenes Fehlverhalten anerkannt und Konsequenzen gezogen. Personen aus dem eigenen Umfeld, die für die Vorfälle verantwortlich waren, werden von einer Rückkehr in die Pappelkurve ausgeschlossen“.

Die Halunken hingegen äußerten sich in einer ausführlichen Stellungnahme, erheben schwere Vorwürfe bezüglich des Verhandlungsgebarens des Vereins und legen eigene, abgelehnte Kompromissvorschläge offen.

HL-SPORTS dokumentiert die Stellungnahme der Halunken im Wortlaut:

„Moin VfBer,

zunächst möchten wir all jenen danken, die uns seit der Zäsur vom 13.03.2026 unterstützt, ihre Solidarität zum Ausdruck gebracht oder den direkten und sachlichen Austausch mit uns gesucht haben. Ebenso danken wir allen, die sich in den vergangenen Monaten ihr eigenes Bild gemacht haben, anstatt uns zu den ‚Monstern‘ zu erklären, als die wir in gewissen Kreisen dargestellt wurden.

Nach mehr als sechs Monaten Aufarbeitung müssen wir allerdings feststellen:

Unser Vertrauen in die Objektivität dieses Prozesses ist weitgehend aufgebraucht.
Seit dem 13.03. haben wir Gesprächsbereitschaft nicht nur angekündigt, sondern gelebt. Wir haben jede vom VfB angesetzte Kommunikation wahrgenommen, persönliche Gespräche geführt, an Video- und Teams-Terminen sowie am Runden Tisch teilgenommen, schriftlich zu Vorwürfen Stellung bezogen und uns schließlich auch einem professionell begleiteten Vermittlungsprozess gestellt.

Wir haben uns der Aufarbeitung zu keinem Zeitpunkt entzogen.

Ein direkter und umfassender Austausch zwischen den Konfliktparteien kam dennoch über Monate nicht zustande. Nicht, weil wir hierzu nicht bereit gewesen wären. Entsprechende Gesprächsmöglichkeiten wurden von der anderen Seite wiederholt nicht wahrgenommen bzw. abgelehnt.

Mit den personellen Veränderungen innerhalb der Vereinsführung veränderte sich aus unserer Sicht zunehmend auch die Art der Aufarbeitung.

Ausgangspunkt dieses Konflikts war und bleibt der 13.03.2026.

An diesem Tag wurde eine Grenze überschritten, deren Folgen die Lübecker Fanszene bis heute spalten. Statt diesen Ausgangspunkt, seine Ursachen und seine Folgen konsequent aufzuarbeiten und daraus gemeinsam eine nachhaltige Lösung zu entwickeln, verlagerte sich der Fokus aus unserer Wahrnehmung zunehmend.

Seit einigen Wochen werden wir immer wieder mit neuen Anschuldigungen konfrontiert. Einige sind aus unserer Sicht nachvollziehbar, aber stehen aus unserer Sicht in keinerlei Relation zu dem Verrat vom 13.03. Weitere Anschuldigungen sind teilweise nicht nachvollziehbar oder schlichtweg erlogen.

Zu anderen Themen haben wir mehrfach eindeutig Stellung bezogen und unsere Haltung insbesondere gegenüber Extremismus und entsprechender Symbolik unmissverständlich klargemacht, trotzdem werden bereits beantwortete Sachverhalte immer wieder erneut aufgegriffen.

Für uns entsteht dadurch zunehmend der Eindruck, dass nicht mehr ergebnisoffen aufgearbeitet wird, sondern immer neue Gründe gesucht werden, um eine bereits entstandene Bewertung unseres Fanclubs zu bestätigen.

Besonders problematisch ist für uns dabei die mittlerweile vorgenommene Zurechnung einer vermeintlichen Verantwortung für Personen, die sich in unserem Umfeld oder aktuell im B-Block bewegen sollen. Wir übernehmen Verantwortung für unseren Fanclub und für das Verhalten unserer Mitglieder.

Soll ein solcher Maßstab Bestandteil der Aufarbeitung sein, muss er transparent definiert und ausnahmslos auf alle beteiligten Gruppen und deren jeweiliges Umfeld angewendet werden.
Hinzu kommt ein Punkt, den wir bislang bewusst nicht in den Mittelpunkt unserer öffentlichen Kommunikation gestellt haben:

Im und um den Verein bestehen persönliche, fanbezogene und geschäftliche Verbindungen zwischen Personen, die auf der einen Seite mit der Aufarbeitung und Bewertung dieses Konflikts befasst und auf der anderen Seite für diesen verantwortlich sind. Darüber hinaus wurde von außen durch eine politisch exponierte Person, welche ebenfalls Verbindungen zur Konfliktpartei unterhält, auf die Debatte um diesen Konflikt eingewirkt.

Die Bewertung ob diese Beziehungen zu einer ehrlichen und objektiven Konfliktaufarbeitung geführt haben, überlassen wir jedem VfBer.

Wir haben das Vertrauen in eine objektive, mit der notwendigen Distanz geführten Aufarbeitung verloren. Umso schwerer wiegt für uns, dass konstruktive Lösungsansätze aus der Fanszene bislang keine erkennbare Berücksichtigung gefunden haben.

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VfB Lübeck
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Am 10.08.2026 wandten sich mehrere Fangruppen gemeinsam an den Verein und sprachen sich ausdrücklich gegen eine dauerhafte Mehrfach-Block-Lösung aus. Dieses Schreiben blieb unbeantwortet.

Währenddessen wurden wir vor dem Spiel gegen Phönix vom Vorstand mit folgendem aus unserer Sicht zweifelhaften ‚Lösungsvorschlag‘ durch den eingesetzten Vermittler konfrontiert: Wir sollten uns innerhalb einer gesetzten Frist öffentlich zum vorgesehenen Weg im B-Block bekennen, andernfalls sollte nach unserer Erinnerung seitens des Vereins kommuniziert werden, dass wir kein Interesse an einer Konfliktlösung hätten. Diesen Vorgang haben wir als massiven Druckversuch empfunden, der mit einer ergebnisoffenen Vermittlung für uns nur schwer vereinbar war.

Am 24.08.2026 richteten wir uns an die Gremien des VfB und stellten ausdrücklich die Frage, ob es im laufenden Prozess noch um eine gemeinsame Aufarbeitung und eine nachhaltige Befriedung der Fanszene geht.

Gleichzeitig unterbreiteten wir einen konkreten Kompromiss:

Die Pappelkurve für alle Fans und Fangruppen wieder zu öffnen und zunächst beide unmittelbar am Konflikt beteiligten Gruppen außerhalb dieses Blocks zu belassen.
Damit wären nicht die Interessen einer einzelnen Gruppe, sondern die Pappelkurve, die übrige Fanszene und der VfB in den Mittelpunkt gestellt worden.

Auch dieser Vorschlag fand keinen erkennbaren Eingang in die nun gewählte Lösung.

Stattdessen darf eine der beiden Konfliktparteien in die Pappelkurve zurückkehren. Wir verbleiben im B-Block und unsere mögliche spätere Rückkehr wird an weitere uns unbekannte Voraussetzungen und eine aus Sicht des Vereins noch zu leistende, uns ebenso nicht definierte, interne Aufarbeitung geknüpft.

Die Frage, ob die Verantwortung für die Ereignisse seit dem 13.03. und die daraus resultierenden Konsequenzen für alle Beteiligten tatsächlich nach denselben Maßstäben bewertet wurden, möchten wir an dieser Stelle bewusst nicht selbst beantworten.
Wir überlassen diese Bewertung Euch.

Wir haben eigene Fehler nie grundsätzlich ausgeschlossen. Wir waren und sind bereit, über konkrete und belegbare Verfehlungen zu sprechen, eigenes Verhalten kritisch zu hinterfragen und Verantwortung zu übernehmen.

Was wir nicht akzeptieren können, ist eine immer weiter abschweifende Suche nach Verfehlungen auf unserer Seite, während der eigentliche Ausgangspunkt dieses Konflikts zunehmend in den Hintergrund tritt.

Aufarbeitung darf keine Einbahnstraße sein. Gesprächsbereitschaft darf nicht zum Nachteil derjenigen werden, die sich Gesprächen stellen und gleiche Maßstäbe dürfen nicht nur eingefordert werden, sie müssen für alle gelten!

Nach mehr als sechs Monaten kennen wir unseren Anteil an diesem Prozess. Wir wissen, wie viele Gespräche wir geführt haben. Wir wissen, welchen Fragen und Vorwürfen wir uns gestellt haben. Und wir wissen, wie oft wir versucht haben, Kompromisse und Lösungswege aufzuzeigen.

Deshalb werden wir weder akzeptieren, dass unsere Gesprächsbereitschaft rückblickend anders dargestellt wird, noch dass der Ausgangspunkt dieses Konflikts irgendwann zu einer Randnotiz seiner Aufarbeitung wird.

Ob das Ergebnis dieses Prozesses dem Anspruch einer objektiven, ausgewogenen und an gleichen Maßstäben orientierten Aufarbeitung gerecht wird, kann und soll jeder selbst beurteilen.

Eines steht für uns jedoch unabhängig davon fest:

Die Halunken sind Teil des VfB Lübeck. Die Menschen, die uns in den vergangenen Monaten begleitet und unterstützt haben, sind Teil dieses Vereins und unsere Verbundenheit mit dem VfB hängt nicht davon ab, wer diesen Verein gerade versucht zu führen.

Grün-Weiße-Grüße
Halunken“

Offene Fragen

Der Verein hat zwar eine Entscheidung getroffen, doch wie es im Conti-Dorf oder bei Auswärtsspielen funktioniert, ist bisher nicht geklärt. Somit ist davon auszugehen, dass Fans des VfB Lübeck nicht reisen dürfen und auch der Treffpunkt hinter der Pappelkurve weiterhin geschlossen bleibt.

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