VfB Lübeck: Ex-Aufsichtsräte tragen alte Fehde im Netz aus – Vereinsausschluss gefordert

Claßen vs. Rehder und die freie Presse

Die Haupttribüne im Stadion an der Lohmühle des VfB Lübeck. Foto: Lobeca/Felix Schlikis
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Lübeck – Die Lage beim VfB Lübeck nach dem Aus von Sportvorstand Sebastian Harms und den Spekulationen um die Zukunft von Dr. Dieter Gudel (HL-SPORTS berichtete) ist ohnehin historisch explosiv. Doch während sich der aktuelle Aufsichtsrat in Schweigen hüllt, brennt in den sozialen Netzwerken das nächste Feuer lichterloh. Ausgerechnet mitten in der schwersten Krise der jüngeren Vereinsgeschichte kochen im Netz alte Gräben zwischen ehemaligen Aufsichtsräten des Traditionsvereins wieder hoch.

Rosenkrieg auf dem Rücken des Vereins

Unter den aktuellen Berichten über den drohenden Sponsoren-Abzug fliegen nach einem Kommentar des Ex-Aufsichtsrats Marc Claßen (der im Netz unter dem Pseudonym „Marc Cepunkt“ agiert) die Fetzen. Es geht um alte Rechnungen, verletzte Eitelkeiten und die Frage, wer die Deutungshoheit auf der Lohmühle besitzt.

Claßen attackiert seinen ehemaligen Vorsitzenden Thomas Rehder wegen seiner Meinung in einer geschlossenen Sponsorengruppe scharf. Er wirft ihm vor, „seine Sicht und Wahrnehmung als Wahrheiten zu verkaufen“ und bringt öffentlich sogar ein angeblich altes „Vereinsausschlussverfahren“ durch den Ehrenrat ins Spiel, um den ehemaligen Hauptsponsor mundtot zu machen. Rehder kontert trocken und fordert Claßen auf, gefälligst mit vollem Namen zu schreiben, damit sich jeder ein Bild vom ehemaligen Aufsichtsratsmitglied machen kann.

Die Basis verliert die Geduld: „Unbequeme Wahrheiten kleinreden“

Diese digitale Unruhe eines Ex-Funktionärs sorgt bei den ganz normalen Mitgliedern und Fans, die fassungslos auf das Chaos blicken, zunehmend für Entsetzen und Wut. Stellvertretend für die schweigende Mehrheit der Grün-Weißen bringt eine Userin das Problem in den Kommentaren auf den Punkt.

Sie kritisiert Claßens aggressive Rhetorik scharf: Sachliche Kritik mit Begriffen wie „Zündeln“ abzutun oder direkt mit Vereinsausschlüssen zu drohen, wirke wie der durchschaubare Versuch, „unbequeme Wahrheiten kleinzureden“. Rehder habe den Verein über Jahre finanziell, organisatorisch und persönlich gestützt. Seine Sorgen würden mittlerweile von unzähligen Mitgliedern, Sponsoren und Fans geteilt, die eben nicht bei den Ultras organisiert sind.

Der Reflex gegen die freie Presse: Ablenkung statt Argumente

Wie nervös die Akteure im Hintergrund tatsächlich sind, zeigt sich an den Reaktionen auf die Berichterstattung von HL-SPORTS. Weil die nackten Fakten über drohende Sponsoren-Verluste und die Unklarheit des Aufsichtsrats nicht zu widerlegen sind, greift Claßen reflexartig zu einem altbekannten, aber gefährlichen Muster: Dem Versuch, den Überbringer der Nachricht zu diskreditieren.

Der Ex-Aufsichtsrat bezweifelte im Netz prompt öffentlich die Neutralität von HL-SPORTS und versuchte, die Berichterstattung in die Nähe einer gesteuerten Kampagne zu rücken.

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Chefredakteur Roland „Kenzo“ Kahl bleibt gelassen: „Es ist ein durchschaubarer Angriff auf die Unabhängigkeit der freien Presse. Wenn Argumente in der Sache fehlen, wird versucht, kritischen Journalismus mundtot zu machen oder als befangen darzustellen. Heutzutage sehen wir das fast täglich und überall. Das kennen wir schon von anderen Vereinen und zeigt, wie dünnhäutig man in solchen Situationen wird und einen Kontrollverlust zu erleiden scheint. Doch unsere ehrliche Berichterstattung lässt sich nicht durch digitale Einschüchterungsversuche von einem Ex-Funktionär verbieten. Spaß macht uns das sicher nicht und wir würden uns eher freuen, wenn wir über die Leuchttürme der Region und ihre Errungenschaften berichten könnten. Aber: Unser Auftrag ist ganz klar zu benennen, wo der Schuh drückt. Und wenn Herr Claßen öffentlich die Neutralität eines Mediums in Frage stellt – egal welches –, sollte er sich selbst hinterfragen, welche Agenda er eigens verfolgt. Da Herr Claßen aber momentan laut offiziellem Organigramm kein offizielles Amt im Verein bekleidet oder zumindest keines, das den Mitgliedern transparent kommuniziert wurde, ist er für uns auch kein Ansprechpartner für Vereinsthemen. Dafür ist er ja in den sozialen Medien umso aktiver. Das ist immer sehr interessant und sorgt für neue Impulse auf allen Seiten. Das muss dann auch so benannt werden, damit eine freie Berichterstattung als hohes Gut bewahrt bleibt. Kritik ist völlig okay, das machen wir ja auch, doch ein sinnfreies Framing zu betreiben, wird ganz klar in die Schranken gewiesen.“

Kritik an der „Echokammer“ der Strippenzieher

Dass sachliche Argumente in dieser Debatte zunehmend Mangelware werden, prangern auch immer mehr Fans offen an. Ein anderer User brachte das Problem der selektiven Wahrnehmung in den Kommentarspalten treffend auf den Punkt: Es sei bezeichnend, wie von bestimmten Akteuren alles als bloße „Geschichten“ abgetan werde, was nicht der eigenen Meinungslage entspricht. In diesen Blasen werde „jeder dümmste Kommentar für gut befunden oder bleibt unkommentiert“, solange das Feindbild bedient wird.

Ideologische Machtkämpfe blockieren die Zukunft

Der Fall zeigt das tiefe, strukturelle Problem des VfB Lübeck so deutlich wie nie zuvor: Der Verein ist tief gespalten. Auf der einen Seite stehen die Akteure der wirtschaftlichen Vernunft und die Sponsoren, ohne deren finanzielle Zuwendungen der Profifußball in der Hansestadt sofort Geschichte wäre. Auf der anderen Seite agieren im Hintergrund – teils in geschlossenen Foren – ideologische Strippenzieher, die jeden wirtschaftlichen Einwand als Angriff auf ihre vermeintliche Macht im Verein werten.

Wenn der VfB Lübeck am 15. Juni bei der alles entscheidenden Mitgliederversammlung eine Zukunft haben will, muss dieses zerstörerische Schlammringen der Vergangenheit endlich aufhören. Die Uhren stehen auf eine Minute vor zwölf – und der Verein hat keine Zeit mehr für die Eitelkeiten verflossener Funktionäre.

Welche Note würdet ihr dem VfB Lübeck für die Regionalliga-Saison geben?

  • Mittelmaß, also eine 3 (29%, 117 Votes)
  • Zwischen 3 und 4 (16%, 66 Votes)
  • Zwischen 2 und 3 (11%, 45 Votes)
  • Eine 4 (8%, 34 Votes)
  • Zwischen 4 und 5 (8%, 31 Votes)
  • Das war nichts, 6 (7%, 27 Votes)
  • Ist mir egal (5%, 21 Votes)
  • Glatte 5 (5%, 20 Votes)
  • Zwischen 5 und 6 (3%, 14 Votes)
  • Eine glatte 2 (3%, 13 Votes)
  • 1, besser geht nicht (2%, 7 Votes)
  • Zwischen 1 und 2 (1%, 6 Votes)
  • Ich weiß es nicht (0%, 1 Votes)

Total Voters: 402

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Bildquellen

  • Lohmühle: Lobeca/Felix Schlikis
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5 Kommentare

  1. Derjenige, der das Feuer schürt und ein Fass aufmacht, ist Herr Kenzo mit seiner reißerischen Aufmachung der Artikel.
    Gab es gestern Abend eine Zensur, Kommentare konnten nicht mehr geschrieben werden ?
    Es gab nicht nur Kommentare der Richtung, die er im heutigen Artikel erwähnt hat, sondern auch die andere Seite. Ein gelernter Journalist hätte sich auch der Darstellung der Gegenseite verpflichtet gefühlt., und sie nicht pauschal als unsachlich abgetan.
    Ich weiß nicht, welches Interesse, welche Ziele Herr Kenzo verfolgt ?

    • Guten Abend. Bei HL-SPORTS pflegen wir eine offene und ehrliche Diskussionskultur. Wenn du uns also schon mangelnden Journalismus vorwirfst, dann tu das doch bitte unter deinem echten Namen und nicht als Troll mit einer falschen Mailadresse. Ist das nicht ein bisschen peinlich? Aber trotzdem gehe ich als Chefredakteur darauf ein, weil du ja kein Bot bist: Erstmal vielen Dank für deinen Beitrag.

      1. Zum Thema Zensur: Eine Zensur findet auch bei uns nicht statt (mehr dazu aber weiter unten als wichtige Ergänzung). Unsere Kommentarfunktion läuft völlig normal und automatisch. Dass dein Text jetzt hier steht, ist ja der beste Beweis dafür. Da wir aber auch Spam-Kommentare erhalten, ist eine redaktionelle Prüfung stets gegeben. Das ist quasi wie ein Leserbrief aus dem vergangenen Jahrhundert in der Epoche der Zeitungen.

      2. Zur „Gegenseite“: Hier ging es um die journalistische Gewichtung der Kommentare. Wir bilden zudem nicht alle Kommentare aus den sozialen Medien ab, vor allem nicht solche, die von Fake-Profilen erstellt werden. Das sollte man schon in Betracht ziehen.

      3. Zu „meinen Zielen“: Über das berichten, was wir hören und sehen. So wie eben „gelernte Journalisten“.

      Und noch was zu unserer Ausrichtung: Wir schätzen Kritik sehr und nehmen sie ernst. Was wir nicht schätzen, sind Kommentare von Fake-Profilen sowie Beleidigungen gegenüber anderen Personen oder uns als Redaktion. Diese wurden bisher bei uns gelöscht oder gesperrt, und wir werden das zukünftig sogar noch deutlicher tun. Das hat wiederum nichts mit Zensur zu tun (bevor das jetzt als Vorwurf kommen sollte), sondern mit der Netiquette. Dafür empfehlen wir andere Gruppen, in denen diese (anonymen) Personen teilhaben können.

      Bei Fragen schreibe uns doch weitere Kommentare oder eine Mail. Wir freuen uns über Feedback.

      Alles Gute und viele Grüße

      Roland Kenzo 😊

  2. Die Unterschlagung meines Kommentars zeigt , dass ich recht hatte. Kritik von der anderen Seite wird nicht zugelassen, erschien nur einmal kurz, vor der Moderation .
    Freie Presse bedeutet hier nicht freie Meinungsäußerung von beiden Seiten.
    Eine manipulstive Richtung.

    • Naja, nicht ganz. Als kleiner Hinweis für dich: Wir betreiben hier kein 24/7-Callcenter. Es kann sogar mal ein paar Tage dauern, bis ein Kommentar bearbeitet wird. Wie das bei uns funktioniert, habe ich dir ja eben schon in meiner Antwort auf deinen ersten Kommentar erklärt.

      Du bewegst dich hier mittlerweile in einem Tonbereich, den wir im Rahmen unserer Netiquette sehr genau prüfen. Bleib doch einfach sachlich, cool und nicht so hektisch. Ich gehe übrigens auch davon aus, dass du mit „manipulstive“ eigentlich „manipulativ“ meinst. Meinung? Immer her damit! Wir freuen uns über Feedback – aber das hatten wir ja eben schon…

      Ich persönlich mache jetzt jedenfalls Feierabend und gehe fest davon aus, dass die wichtigsten Dinge nun abgearbeitet sind. Die Redaktion ist im Laufe des Tages wieder besetzt, sofern nicht gerade andere wichtige Termine anstehen. Ich selbst bin erst gegen Abend wieder hier, falls du diese Konversation dann weiterführen möchtest.

      Viele Grüße und gute Nacht 😊

      P.S. Und denk doch nochmal über Klarname und richtiger Mail-Adresse nach 😉

  3. Sehr geehrter Herr Kahl (neuerdings?),
    hallo Roland (wie bisher?),

    sehr überrascht nehme ich die scharfen Töne zur Kenntnis, möchte sie dennoch wertschätzen und angemessen erwidern (das hätte ich auch getan, wenn Du mich kontaktiert hättest; manch einer würde behaupten, das könnte ein Qualitätsmerkmal journalistischer Arbeit sein):

    1.) Thomas Rehder
    Dir ist bekannt, welche Themen rund um die Tätigkeit von Thomas Rehder im Aufsichtsrat im Jahr 2024 zu großen Unruhen im Verein geführt haben. In meiner Rede auf der Jahreshauptversammlung 2024 habe ich zu diesen Unruhen vorgetragen und dabei auch die Formulierung genutzt, die Du nunmehr kritisierst (ich sprach von Wahrnehmungen statt Wahrheiten). Ich habe mich jedoch – trotz Anfragen der Presse (so auch von Dir) – bis heute nicht öffentlich zu den Hintergründen geäußert. Stattdessen habe ich vollumfänglich gegenüber dem Ehrenrat, der zwischen Thomas Rehder und Teilen der Fanszene vermittelt hat, vorgetragen. Der Ehrenrat hat laut Auskunft vor der Mitgliederversammlung zwischen den beteiligten Personen vermittelt und beide Seiten sollen sich darauf verständigt haben, nicht mehr diesbezüglich an die Öffentlichkeit zu gehen. Diese Übereinkunft hat Thomas Rehder mit seinen Worten, die in den LN nachzulesen sind, gebrochen und skizziert erneut seine altbekannten Wahrnehmungen. Diesen Bruch von Absprachen habe ich kritisiert. Und ja, wenn ein Brand gelöscht wurde, und dieser dann aufgrund solcher Äußerungen wieder entflammt, spreche ich von „zündeln“.

    2.) Angriff auf die Unabhängigkeit der freien Presse
    Äußerst interessiert habe ich zur Kenntnis genommen, was Du aus meinem schnippischem Kommentar auf die Äußerung eines Freundes in einer nicht öffentlichen Gruppe bei facebook schließt und zum Anlass nimmst, mich zu an den Pranger zu stellen. Hier dazu das Originalzitat: „(…) vielleicht gehört hlsports (Mitglied im Klub 111) auch zum von Thomas Rehder skizzierten Weg: „(…) vielleicht sollten jetzt einmal Sponsoren und Gönner die falschen Personen aus dem Verein jagen.“ ;-)“. Daraus machst Du „einen Angriff auf die Unabhängigkeit der freien Presse“, „eine gesteuerte Kampagne“, „einen Versuch die freie Presse mundtot zu machen“ und „Einschüchterungsversuche“. Mit Verlaub, eine sehr interessante Wertung. Manch einer könnte meinen, zu vergaloppierst Dich hier ein wenig.

    Sportliche Grüße
    Marc „Cepunkt“

    PS:
    Mein facebook-Account ist uralt und es war jetzt kein Enthüllungsjournalismus, dass ich diesen Account nutze. Ginge es mir um die Anonymität, hätte ich sicherlich einen kreativeren Fake-Namen erstellt und hätte keine Bilder öffentlich, auf denen ich zu erkennen bin.

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