VfB Lübeck: Schicksalstage beginnen – Mitglieder diskutieren, Vorstände schwitzen

Info-Veranstaltung erzeugt großes Interesse

Die Info-Veranstaltung sorgte für einen prallgefüllten VIP-Raum. Foto: Lobeca

Lübeck – Teil zwei von drei ist erledigt. Am Montagabend fanden sich 85 Mitglieder des VfB Lübeck in den VIP-Räumen des Stadions Lohmühle ein, um sich über die Ausgliederung in eine Kapitalgesellschaft informieren zu lassen. Die ist notwendig, damit der Verein zukünftig vor einem finanziellen Kollaps geschützt wird. Einer Insolvenz sind die Grün-Weißen in den vergangenen 18 Monaten doppelt entkommen. Nun soll der Verein also Verein bleiben und die Regionalliga-Mannschaft in ein Wirtschaftsunternehmen überführt werden. Stichtag ist der 1. Juli – dann will man vermutlich als GmbH & Co. KGaA agieren. Eine Gesellschaftsform, die im Sport üblich ist, beispielsweise beim Hamburger SV.

Der Verein behält „den Hut auf“

Die beiden Aufsichtsräte Detlef Meyer-Stender und Dennis Tensfeldt sowie Vorstandsvorsitzender Dr. Dieter Gudel saßen vor den Mitgliedern und erklärten ihre Rolle in dem “Lenkungsgremium GmbH“ und wie es Mitte Juni bei der Außerordentlichen Mitgliederversammlung ablaufen soll. Dann soll nämlich der Verein durch seine Mitglieder entscheiden, ob ja oder nein. Ja für: es wird ausgelagert. Nein für: es bleibt alles beim Alten.

Schnell war klar, dass es nur ein „Ja“ geben kann, geben muss, denn die Arie vom Finanzamt, der dem Verein ansonsten die Gemeinnützigkeit entziehen würde, hörte man in der jüngsten Vergangenheit zu oft. Nur das Wie ist nun entscheidend. Und den wichtigsten Satz des gesamten Abends, der um 18.05 Uhr begann, sagte Meyer-Stender: „Nach der Ausgliederung hat der Verein den Hut auf, das soll so bleiben.“ Dieses Versprechen war vor allem der Aktiven Fanszene wichtig. Und auch sie weiß, dass es keine Alternative gibt.

Stadion bleibt Vereinseigentum, GmbH übernimmt Betrieb

Die “VfB Lübeck Fußballspielbetrieb GmbH“ wurde bereits am 19. Januar dieses Jahres gegründet, bleibt allerdings vorerst “in Gründung“, bis sie operativ tätig wird. So ist dort auch noch kein Stammkapital geflossen. Nur der Name besteht und zwei Geschäftsführer, die auch dann das Unternehmen leiten sollen, wenn es am 1. Juli richtig losgeht. Wer das ist, wurde allerdings nicht beantwortet, nur einige Fragen der Mitglieder.

Der Verein ist alleiniger Gesellschafter. Der und somit seine Mitglieder können als einzige entscheiden, wer möglicherweise weiterer Gesellschafter wird. Einer Übernahme durch mögliche Investoren wäre somit ein klarer Riegel vorgeschoben. Das dürfte bei allen Grün-Weißen für Durchatmen sorgen. Doch wem gehört das Stadion? Wer übernimmt die Vermarktung, den Fanshop? Und was passiert mit den Mitarbeitern? Die Fragen kamen und wurden durch das Trio sauber beantwortet, je nach Spezialgebiet.

Das Stadion bleibt in Vereinshand, aber die GmbH trägt die Kosten für Instandsetzung, darf die Lohmühle sogar an Fremdveranstalter vermieten. Schafft der Verein es nicht, die noch offene Lücke bis Saisonende zu schließen, übernimmt die GmbH diese. Der Fanshop gehört zur Vermarktung und verlässt ebenfalls den Verein. Die Mitarbeiter werden aufgeteilt oder für beide Seiten arbeiten – Gesellschaft und Verein. Geht die GmbH pleite, gibt es den doppelten Boden, den Verein, für die Beschäftigten. Rund 100 Mitarbeiter insgesamt, mit allen Haupt- und Nebenberuflichen, hat der Club aktuell.

lenkungsgruppe @ VfB Lübeck: Schicksalstage beginnen – Mitglieder diskutieren, Vorstände schwitzen
Die Lenkungsgruppe der VfB Lübeck Fußballspielbetrieb GmbH: Detlef Meyer-Stender, Dr. Dieter Gudel und Dennis Tensfeldt. Foto: Lobeca

Klare Hierarchien und einfache Mehrheiten

Eines ist auch klar: Der Vereinsvorstand wird ehrenamtlich arbeiten, die Geschäftsführung des Unternehmens nicht. Der Aufsichtsrat bleibt in allem Kontrollgremium, hat also am Ende die Gewalt, wenn auch nicht operativ, über Verein und GmbH. Die Geschäftsführung der GmbH soll allerdings dem Vereinsvorstand unterstellt sein.

Ein anderer wichtiger Punkt ist die nötige Satzungsänderung zur Ausgliederung. Hier hieß es, dass dafür eine einfache Mehrheit ausreicht. Um den engen Zeitplan bis zum 1. Juli einzuhalten, setzt die Vereinsführung auf eine lückenlose Vorbereitung durch die Lenkungsgruppe. Damit soll verhindert werden, dass auf der entscheidenden Mitgliederversammlung im Juni ungeklärte Detailfragen den Prozess ins Stocken bringen. Platzt die Idee, könnte der Verein am Ende sein – rein wegen der Drucksituation des Finanzamts. Es gibt nur Plan A, doch der ist Ligen-übergreifend Gang und Gäbe.

Punktlandung um 19.19 Uhr

Und wie geht es weiter? Der Termin für die so wichtige Mitgliederversammlung des VfB Lübeck zur Ausgliederung liegt zwischen dem 15. und 17. Juni. Dann entscheidet sich die Zukunft von Grün-Weiß in der Hansestadt. Exakt um 19.19 Uhr war der offizielle Teil der Informationsveranstaltung beendet.

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Danach sagte Vorstandschef Gudel zu HL-SPORTS: „Dieses Mal waren noch mehr interessierte Mitglieder da, was mich freut, weil es ist ein Thema aus dem VfB für den VfB und keine Kopfgeburt von Vorstand und Aufsichtsrat. Und deshalb bin ich äußerst zufrieden, mit dem Erscheinen und der Präsenz der Mitgliedschaft und auch, dass wir zu allen Themen intensiv mal miteinander ins Gespräch gekommen sind. Sei es: Wie sieht die neue GmbH aus? Was betrifft die Satzung? Wie geht es grundsätzlich weiter? Vor dem Hintergrund eine sehr gelungene Veranstaltung heute.“

Personelle Weichenstellungen und Kaderplanung

Doch die Frage bleibt dennoch, ob der 50-Jährige weiter an Bord bleibt. Freitag ist sein möglicher Schicksalstag. Bis dahin muss der Aufsichtsrat entscheiden, ob Gudel gehen muss. Ergeht es ihm genauso wie Sportvorstand Sebastian Harms, der bereits am 30. April verabschiedet wurde (HL-SPORTS berichtete), oder darf er an seiner Vision weiterarbeiten?

Fakt ist, dass Sebastian Rath in den Vorstand als Finanzexperte dazugeholt wurde. Der Fachmann in Sachen Unternehmensberatung und Controlling war bereits Mitglied in der externen Finanzkommission und weiß, wovon er spricht. Rath gab ebenfalls kurz seinen Eindruck aus den ersten Tagen im neuen Amt ab. Zur aktuellen Situation meinte er: „Wir sind tatsächlich aktuell auf einem sehr guten Wege. Diese finanzielle Teilfreigabe bedeutet, dass wir zu 100 Prozent handlungsfähig sind und wir haben schon weiteren Spielern aus der aktuellen Mannschaft unterschriftsreife Verträge vorlegen können. Und wenn alles gut läuft, dann werden wir auch in dieser Woche hoffentlich weitere Unterschriften von den Spielern einsammeln können. Da bin ich relativ guter Dinge.“

Klar ist auch, dass er im Vereinsvorstand bleibt und nicht in die GmbH wechseln wird. Es bleibt also weiterhin spannend, wie der Aufsichtsrat nun agiert, wie die neue VfB Lübeck Fußballspielbetrieb GmbH und der Vorstand des Vereins aussehen wird. Fakt ist, dass Gudel, Rath und Tobias Redlich als aktuelle Vorstände sowie die Lenkungsgruppe viel arbeiteten, um den Verein mit seinem Breitensport vom Lizenzfußball zu trennen. Fortsetzung folgt…

Schaffen die Lübeck Cougars den direkten Wiederaufstieg?

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