VfB Lübeck startet im Mädchenfußball

21 Spielerinnen für eigene B-Juniorinnen

Marco Krebs wurde als Trainer der U17w vorgestellt. Foto: Jan Lampe/Hanseatisch Fotografisch/oH

Lübeck – Der VfB Lübeck freut sich, ab der Saison 2026/2027 eine neue U17-Mädchenmannschaft ins Leben zu rufen. An drei Sichtungstagen an der Lohmühle konnten rund 60 talentierte Mädchen der Jahrgänge 2010 bis 2013 aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern ihr Können mit viel Spaß und Ehrgeiz unter Beweis stellen. Aus diesem großen Teilnehmerfeld wählte das Trainerteam 21 engagierte Spielerinnen aus elf Vereinen aus, die ab dem 1. Juli 2026 gemeinsam als neue U17w des VfB Lübeck starten werden. Am Dienstag, den 12. Mai 2026, fand die erste offizielle Zusammenkunft mit den Spielerinnen, ihren Eltern und dem Funktionsteam des Vereins statt. Dabei präsentierte der VfB Lübeck seine Vision, den Mädchen- und Frauenfußball in Lübeck und Schleswig-Holstein nachhaltig zu stärken und zu einer festen Größe im regionalen Fußball zu entwickeln.

Trainervorstellung und Fahrplan

Ein besonderes Highlight der Veranstaltung war die Vorstellung des neuen Trainers Marco Krebs. Der 48-Jährige bringt umfassende Erfahrung aus seiner aktiven Zeit als Spieler bei Vereinen wie FC Eintracht Bamberg, 1. FC Nürnberg, Kickers Würzburg und den HSV Herren im e.V., sowie aus seinen bisherigen Trainerstationen mit. Mit vier Jahren als Turnier-Trainer beim Hamburger SV sowie zwei Jahren als Frauen-Trainer bei TuS Alveslohe ist er hervorragend gerüstet, die jungen Talente individuell und taktisch weiterzuentwickeln. Marco Krebs wird zudem im kommenden Jahr seine UEFA B-Lizenz erwerben. Den Spielerinnen wurden ebenfalls erstmals ihre neuen Heim- und Auswärtstrikots vorgestellt, mit denen sie künftig auf dem Platz antreten werden.

Folgende erste Meilensteine sind für das Team bereits geplant:
– Trainingsauftakt am 1. Juli 2026
– Teilnahme an einem Turnier beim FC St. Pauli am 4. Juli 2026
– Erstes Testspiel auswärts gegen die U17w von F.C. Hansa Rostock am 15. August 2026

Stimmen aus dem Verein

Tino Spörk, sportlicher Leiter der Frauen- und Mädchenabteilung des VfB Lübeck, betont: „Mit der Gründung der U17w machen wir einen wichtigen Schritt in der Weiterentwicklung unserer Abteilung. Wir freuen uns sehr, 21 motivierte Mädchen für dieses spannende Abenteuer in der Landesliga der B-Juniorinnen gewonnen zu haben. Mit Marco Krebs haben wir einen engagierten Trainer gefunden, der die Mädchen mit seiner Erfahrung sowohl als Spieler als auch als Coach optimal begleiten und fördern wird.“

Marko Krebs, Trainer U17w: „Es macht mich unglaublich stolz und glücklich, ein Teil der VfB-Familie zu sein. Die herzliche Aufnahme durch alle Beteiligten ist einfach nur mega und zeigt, wie stark der Zusammenhalt hier gelebt wird. Besonders beeindruckt hat mich die professionelle Vorgehensweise von Vorstand Tobias Redlich und dem sportlichen Leiter Tino Spörk. Mit ihrem klaren Vorhaben, ihrer durchdachten Strategie und dem großen Ziel, den Frauenfußball beim VfB Lübeck nachhaltig aufzubauen und voranzubringen, haben sie mich sofort überzeugt. Die Aufgabe, als Cheftrainer der weiblichen U17 tätig zu sein, betrachte ich als große Ehre. 21 talentierte Mädchen trainieren zu dürfen, ist eine tolle Herausforderung und Chance zugleich. Jetzt gilt es, dass wir schnellstmöglich zusammenwachsen und als echte Einheit auftreten. Schon die erste kurze Trainingseinheit am Dienstag den 12.05.26 hat gezeigt, welches enorme Potenzial und Können in den Mädels steckt. Ich möchte keine konkreten Saisonziel ausgeben, doch ich bin mir sicher: Die U17w des VfB Lübeck wird in der Landesliga 2026/2027 für einige Überraschungen sorgen. Wir sind auf einem richtig guten Weg – und ich freue mich riesig, diesen Weg gemeinsam mit den Spielerinnen, dem Trainerteam und dem gesamten Verein zu gehen!“

Tobias Redlich, Vorstand Breitensport: „Das Interesse am Frauenfußball beim VfB ist riesig. Die letzten Monate haben gezeigt wie viel Potential hier im Verein und in der Region schlummert. Dadurch dass die Entwicklung innerhalb der ersten Saison auf und neben dem Platz so gut läuft, wollen wir das natürlich nutzen und weiter wachsen. Allerdings wollen wir auch gesund wachsen, die Strukturen in Ruhe aufbauen und das ganze vor Allem nachhaltig weiterentwickeln. Rein von den Anfragen und Anmeldungen her, wäre auch eine 3. Frauen, eine zweite U17 und bereits eine U15 möglich, aber wir wollen nichts überstürzen und den einzelnen Mannschaften vollumfänglich gerecht werden.“

Der VfB Lübeck blickt voller Vorfreude auf die neue Saison und darauf, den Frauen- und Mädchenfußball in der Region weiter nach vorne zu bringen.

Kritik aus der Region

Der Name VfB Lübeck und die aufgezeigten Ideen haben also überzeugt. Der Zulauf ist enorm vorhanden. Doch verbessert diese die allgemeine Situation im Frauen- und Mädchenfußball in Lübeck? Erfolgt hierdurch eine Ausweitung des Angebotes im Mädchenfußball oder konzentrieren sich leistungsorientierte Fußballerinnen nun auf einen Verein zu Lasten der Breitensportvereine? Und wie konkurrenzfähig kann der VfB im „Kampf“ um die Top-Talente wirklich sein, die seit Jahren Ihre Erst- oder Zweitspielmöglichkeiten bei Holstein Kiel oder dem Hamburger SV haben? Eines scheint zumindest ausgelöst worden zu sein, die umliegenden Vereine scheinen näher zusammenzurücken, um ein gemeinsames Gegengewicht dazustellen. HL-SPORTS hat in Lübeck nach Meinungen gefragt:

Kai Leptien, Koordinator Frauen- und Mädchenfußball beim SV Viktoria 08: „Ich fand es gut, das nach dem Rückzug des ATSV Stockelsdorf vom Frauenfußball die verbliebenen Spielerinnen ein neues zu Hause beim VFB Lübeck gefunden haben und ein Neuanfang starten konnten. Nur, was der VFB jetzt im Juniorinnen-Bereich macht, finde ich charakterschwach. Da sind Vereine, Trainer und Offizielle, die mit viel Herz und Aufwand über Jahre am Mädchenfußball hängen und alles dafür tun, um den Spielerinnen das Fußball spielen bei zu bringen sowie den Teamgeist zu fördern. Jeder, der Erfahrung hat, weiß das da mehr zu gehört, als drei mal die Woche auf dem Sportplatz zu stehen. Das ist für diese Personen und Vereine ein heftiger Rückschlag. Der VFB macht es sich zu einfach. Warum bilden sie nicht selber aus von klein an? Können sie es nicht? Absolut egoistisch, ohne an die Anderen Vereine und deren Ehrenamtler zu denken. Es waren 60 Mädels da und 21 wurden genommen. Genauso wird es auch weitergehen. Es kommt wieder eine Spielerin und eine Andere wird dann nicht mehr gebraucht und kann gehen. Leider sind die Mädels in dem Alter noch etwas naiv und checken es erst später, was da überhaupt passiert. Es gibt Vereine und Privatpersonen aus den Vereinen, die dem VFB Lübeck geholfen haben, um nicht in die Insolvenz zu geraten, weil diese Menschen wissen, wie schwer es sein kann, Mannschaften und Vereine aufrecht zu erhalten. Was der VFB davon hält, bekommen jetzt ja genug Vereine zu spüren. Vielen Dank! Ich hoffe, dass die Vereine auf ihre Ausbildungsvergütung bestehen, um die Spielerinnen frei zu geben. Leidtragend sind leider die Spielerinnen, aber die Vereine müssen in irgendeiner Art reagieren. Trotzdem sollten wir weiter mit vollem Herzen und Ehrgeiz am Mädchen-/ Frauenfußball in unseren Vereinen arbeiten.“

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Brigitte Michaelis, Jugendleitung Bereich Juniorinnen bei Fortuna St. Jürgen: „Die letzten zwei Jahren hatten wir durch unsere (teilweise mühsame) Arbeit in den Vorjahren und guten Austausch von Spielerinnen innerhalb der einzelnen Mannschaften die Situation, dass wir der einzige Lübecker Verein waren, die ein Team der B-Juniorinnen in der Landesliga stellen konnten. Dadurch kamen auch immer ein paar Spielerinnen zur Saison neu hinzu, die gerne in der Landesliga spielen wollten. Dass wir durch die Neugründung einer wU17 beim VfB Lübeck keinen Zulauf zu erwarten hatten, war uns bewusst. Gleichzeitig hätte die aktuell erfolgreiche Landesliga-Mannschaft der B-Juniorinnen fast ohne Veränderungen weiter antreten können. Nun verlassen sieben Spielerinnen des Jahrgangs 2010 unseren Verein, um in derselben Liga anzutreten. Mit dem Ausmaß haben wir ehrlicher Weise nicht gerechnet. Das führt sehr wahrscheinlich dazu, dass wir keine B-Juniorinnen in der Landesliga melden können. Spielerinnen, die diese Saison noch Landesliga spielen konnten, „müssen“ nun wieder in der Kreisliga antreten. Gleichzeitig fällt die Option weg, Spielerinnen aus der C-Landesliga an die B-Landesliga heranzuführen. Wir haben aus dieser für uns bisher ungewohnten Konkurrenzsituation Einiges gelernt und hoffen, dadurch für die darauf folgende Saison besser aufgestellt zu sein. Um schnell VfB-Nachwuchs zu generieren, finde ich den Ansatz bei den B-Juniorinnen zu beginnen, aus Vereinsperspektive verständlich. Im Sinne der regionalen Talentförderung hätte ich mir allerdings gewünscht, in den jüngeren Jahrgängen grundlegend zu starten. Bei einem Start direkt in der U17 hätte ich zumindest befürwortet, dass der VfB Lübeck entweder in einer Junioren-Liga oder in der überregionalen Talenteliga antritt, um ambitionierte Spielerinnen über das bisher Vorhandene weiterzuentwickeln. Mit einer „Auswahlmannschaft“ aus Lübeck und Umgebung nun in der Landesliga zu starten, halte ich nicht für zielführend um den Mädchenfußball in der Region nachhaltig zu stärken. Ich nehme an, dass diese Auswahlmannschaft ähnlich erfolgreich sein wird, wie die Mannschaft der 1. Frauen des VfB aktuell. Allen gewechselten Spielerinnen wünschen wir viel Einsatzzeit und Spaß beim VfB Lübeck.“

Hanifi Demir, 1. Vorsitzender beim Eichholzer SV: „Es tut mir leid für Fortuna St. Jürgen, denn dort wurde über viele Jahre hinweg hervorragende Arbeit im Frauen- und Mädchenfußball geleistet. Gerade in diesem Bereich entsteht nachhaltiger Erfolg nicht über Nacht, sondern durch kontinuierliche Nachwuchsarbeit, Engagement im Ehrenamt und die langfristige Entwicklung von Spielerinnen und Mannschaften. Aktuell entsteht jedoch der Eindruck, dass VfB Lübeck im Frauenfußball vor allem versucht, möglichst schnell starke Teams zusammenzustellen, um perspektivisch höherklassigen Fußball – möglicherweise sogar Regionalliga-Fußball – in Lübeck zu etablieren. Sportlicher Ehrgeiz ist selbstverständlich wichtig und auch verständlich. Dennoch sollte dabei nicht vergessen werden, wie bedeutend nachhaltige Entwicklung, Vereinsidentität und die jahrelange Arbeit kleinerer Vereine für den gesamten Fußballstandort Lübeck sind. Viele Menschen wünschen sich, dass zunächst stabile Strukturen aufgebaut und Spielerinnen langfristig entwickelt werden, anstatt ausschließlich auf kurzfristige sportliche Stärke zu setzen. Denn nachhaltiger Erfolg entsteht nicht allein durch die besten Spielerinnen, sondern vor allem durch Vertrauen, Kontinuität und eine gesunde Zusammenarbeit innerhalb der regionalen Fußballlandschaft. Gerade deshalb wächst bei vielen Vereinen außerhalb des VfB der Wunsch, künftig enger zusammenzuarbeiten, um ihre jahrelange Aufbauarbeit und ihre Identität zu schützen. Es gibt bereits Gespräche darüber, wie man sich zukünftig besser vernetzen kann, damit engagierte Nachwuchsarbeit nicht einfach verloren geht oder vollständig an einen einzelnen Verein abgegeben werden muss. Am Ende sollte das gemeinsame Ziel sein, den Frauen- und Mädchenfußball in Lübeck insgesamt zu stärken – respektvoll, nachhaltig und mit Anerkennung für die Arbeit aller Vereine, die diesen Bereich über Jahre hinweg aufgebaut haben.“

Welche Note würdet ihr dem VfB Lübeck für die Regionalliga-Saison geben?

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