VfB Lübeck wie in einem Hollywood-Film: Florian Riedel ist raus! – Verein nimmt Stellung

Florian Riedel (VfB Lübeck). Foto: Lobeca/Michael Raasch

Lübeck – Man kann aus Sicht des VfB Lübeck nur hoffen, dass der Zenit des Chaos nun erreicht ist. Für Donnerstagmittag wurde eine Pressekonferenz mit Vorstandssprecher Thomas Schikorra und Cheftrainer Rolf Landerl angekündigt. Kurzfristig wurde diese zeitlich nach hinten gelegt. Um 13.30 Uhr traten die beiden und Pressesprecher Christan Jessen virtuell vor die Medienvertreter.

Riedel wurde handgreiflich

„Der VfB Lübeck hat am heutigen Donnerstag den Spieler Florian Riedel dauerhaft vom Spielbetrieb ausgeschlossen. Zuvor hatte der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Timo Neumann die Information erhalten, dass Riedel am Samstag in der Halbzeitpause des Spiels gegen Türkgücü München gegen Trainer Rolf Landerl handgreiflich geworden war. Landerl, der diesen Vorfall zunächst mannschaftsintern lösen wollte, bestätigte den Sachverhalt auf Nachfrage des Vorstands ebenso wie weitere Zeugen“, las Jessen vor.

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Trainer wollte keine Kapitänsbinden

Landerl äußerte sich dazu wie folgt: „Es gab die Aktion mit den Kapitänsbinden, die von Florian Riedel initiiert wurde, von der das Trainerteam nicht informiert war. Ich bat in der Pause die Binden abzunehmen, weil Türkgücü auch nicht mit Binden spielt. Daraufhin ist Flo dann handgreiflich geworden.“ Weil der Coach den „Fokus auf das Spiel legen wollte“ hat er siich gegen eine sofortige Auswechslung Riedels entschieden. „Es gab im Spielertunnel auch sofort die Entschuldigung von ihm und auch nach dem Spiel“, so der 45-Jährige.

Landerl: „habe mit der medialen Hetze nicht gerechnet“

Am Mittwochabend ist der Vorfall an den Vorstand gelangt. Landerl wollte das intern lösen: „Wir haben das, wie unter Männern, an- und mit ihm ausgesprochen“, so der Trainer. Schikorra erklärte dazu, dass „Timo Neumann einen Anruf erhielt, wobei dieser mitbekam, was in der Öffentlichkeit mit dem Verein gemacht wird“. Dieser gab Neumann die Info aus der Pause weiter. „Ich habe Rolf dann gestern Abend angerufen, der mir den Vorfall bestätigt hat. Wir haben uns heute sehr früh getroffen und Rolf hat mir den ganzen Ablauf sehr genau geschildert. Es ist ein unglaublicher Vorgang, dass ein Spieler den Cheftrainer körperlich angeht. Wir haben Florian Riedels Berater informiert, der nach Rücksprache mit Florian den Vorfall im Nachhinein eingeräumt hat. Der Berater hatte davon keine Kenntnis“, so Schikorra weiter. Riedel muss jetzt mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen. „Florian wird nicht mehr für uns spielen.“ Landerl bedauerte, dass er „nun auf einen erfahrenen Spieler verzichten muss“, will aber schnell nach vorne schauen. „Mit der „medialen Hetze“ und dem Ganzen, was da passiert ist in den vergangenen Tagen habe ich auch nicht gerechnet“, unterstrich er. Schikorra sagte noch zu dem Thema: „Ab jetzt muss einfach nur noch der Fußball zählen. Die Mannschaft wurde heute informiert.“

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Vorstand sieht Kampagne gegen VfB Lübeck

Zur Kritik in der jüngeren Vergangenheit meinte Schikorra: „Wir haben uns in den vergangenen Tagen über die unreflektierte Berichterstattung gewundert, diese als Kampagne gegen den VfB Lübeck empfunden. Uns hat es auch gewundert, wie teilweise richtige Informationen aus der Kabine an die Öffentlichkeit gelangten – Dinge, die niemals in der Presse landen dürften. Das war nicht das erste Mal und dürfen überhaupt nicht passieren und sie waren auch teilweise sachlich falsch. Mir ist wichtig, dass die Mannschaft uns nie unter Druck, in Richtung eines Streiks, gesetzt hat. Das Streikszenario wurde mir und Rocco zweimal von der Berateragentur angesprochen. Zur Personalie Florian Riedel hatten wir mit dem Mannschaftsrat sehr vernünftige Gespräche, die sich auf die Umstände bezogen, die wir bis gestern Abend hatten. Da hat sich die Mannschaft für ihn eingesetzt und das ist erst einmal eine gute Maßnahme und steht ihr auch zu, aber unter Druck hat sie uns zu keinem Zeitpunkt gesetzt und man muss das sehr voneinander trennen.“ Der Vorstandsvorsitzende erklärte weiterhin, dass Riedel eine höhere Geldstrafe anbot. Über die Wendung danach war man sehr enttäuscht. Schikorra: „Es ging auch nie darum, dass die Strafe nur wegen der Kritik am Sportdirektor ausgesprochen wurde. Der Spieler hat sie im Übrigen akzeptiert. Bei uns kann jeder seine Meinung sagen. Es war sehr viel mehr, als zu lesen war und jetzt haben wir eine andere Sachlage. Jeder kann sich vorstellen, dass wir nicht glücklich waren, dass diese Information über Bande an uns gelangte.“

Übereinander, statt miteinander?

Sportdirektor Rocco Leeser wurde in Schutz genommen. Schikorra sagte: „Wir haben in der gesamten Saison die Mannschaft nicht öffentlich kritisiert. Dann spielst du so eine erste Halbzeit in Dresden, die für alle quälend war. Dann übt der Sportdirektor Kritik. An dem Wort, an dem man sich gestört hat, war „unwürdig“ und wir sollten nicht so empfindlich sein… was es manchmal in anderen Vereinen an klaren Worten gibt… Rocco hat der Mannschaft nie Charakter abgesprochen, denn natürlich hat sie diesen. Darum geht es auch nicht, da muss man auch mal runterschlucken. Der Sportdirektor muss auch nicht vorher um Erlaubnis fragen. Es hat sich von den Jungs auch niemand beschwert.“ Dass man mehr übereinander spricht, statt miteinander, kommentierte er wie folgt: „Wir können das besser machen, trotzdem finde ich den Grund der Aufregung etwas erhöht.“

Causa Riedel beendet

Das Kapitel Riedel ist damit nach knapp drei Jahren bei den Grün-Weißen ad acta gelegt. Der Vertrag endet somit spätestens im Sommer. Wie der Verein mit der Kritik an der Gesamtsituation umgeht, lest ihr später bei HL-SPORTS.

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aha, jetzt sind also auch die Journalisten Schuld, so so, mediale Hetzjagd……

Aus der Perspektive der beteiligten Personen kann das schon so aussehen, da Hr. Riedel medial relativ viel Zuspruch bekommen hat.

Ändert aber alles nichts an der sportlichen Situation, also vielleicht entwickeln alle involvierten Personen mal etwas Rückgrat, beenden ihre persönlichen Fehden und konzentrieren sich darauf Fussballspiele zu gewinnen.

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