
Wahlstedt – Es war wieder einmal ein denkwürdiger Spieltag in der Kreisliga Südwest. Es gab Spannung, Spektakel und Drama pur in den vier Spielen des siebten Spieltags am Sonnabend und Sonntag. Das Nachbarschaftsduell in Travenbrück hatte bereits einiges zu bieten und sollte ein dramatisches Ende finden. Am Folgetag gab es souveräne Siege für Henstedt-Ulzburg und den TuS Hartenholm II. In Wahlstedt dagegen geschah Unfassbares.
Tralauer SV – Leezener SC 3:2 (1:0)
Der Tralauer SV war nach eineinhalb Wochen mal wieder in der Liga gefordert. Nachdem man im Trainingslager in Dänemark war und sich dort auf die kommenden Wochen vorbereitet und eingestimmt hat, sollte der Vorjahresdritte den Leezener SC empfangen. Es war ein Derby, vor dem man bereits im Vorfeld warnte, denn gegen die Mannschaft von der Hamburger Straße tat sich Tralau in der Vergangenheit enorm schwer. Personell sollte es nicht ganz optimal sein, denn schon am Dienstagabend war man im Pokal gegen den SSV Pölitz gefordert. Die Aufgabe wurde souverän gemeistert. Nun vor dem Spiel am Sonnabend sollte es personell einige Wackelpartien geben. Kavin Öz und Marius Krebs blieben angeschlagen draußen. Bei Sven Garken und Tolga Abanoz reichte es trotz dickem Fragezeichen zu einem Einsatz von Beginn. Max Vamboldt kehrte in den Kader zurück, doch war noch auf dem Rückweg aus dem Urlaub, sodass ein Einsatz mehr als unwahrscheinlich schien.
Führung kurz vor der Pause
Die Heimelf sollte mehr Spielanteile haben. Sie machten erwartbar das Spiel, ließen den Ball viel laufen, doch der Gegner hielt gut dagegen. Leezen nahm die Rolle sehr gut an und sollte wie bereits gegen den SV Henstedt-Ulzburg kämpferisch überzeugen. Trainer Phil Paustian sagte: „Es war das erwartet schwere, intensive Spiel gegen einen sehr guten Gegner. Es war ein faires und ich fand eigentlich auch recht ausgeglichenes Spiel. Die erste Hälfte gehörte meiner Meinung nach etwas mehr zu uns. Wir haben uns da wirklich gut reingekämpft, wenig zugelassen und auch drei Halbchancen, wenn nicht sogar eine richtig gute. Dann hat Tralau etwas umgestellt und darauf haben wir aber erst einmal gut reagiert.“ Kurz vor der Pause sollte es dennoch den Gegentreffer geben. Bei einer einstudierten Ecken-Variante pennte Leezen einmal, sodass Tolga Abanoz (42.) für die Pausenführung der Stormarner sorgte.
Tralau kassiert in guter Phase den Ausgleich
Tralaus Cheftrainer Roman Ismagilov sagte zur ersten Hälfte: „Beide Mannschaften sind auf jeweils eigene Art und Weise gut in die Partie gestartet. Leezen war griffig und gerade bei Standardsituationen und schnellen Umschaltmomenten sehr unangenehm. Wir hatten etwas mehr vom Spiel und konnten den Ball ganz okay laufen lassen. Es gab Chancen auf beiden Seiten. Cedric hält uns mit zwei guten Paraden auf Kurs und kurz vor der Pause können wir dann mit 1:0 in Führung gehen.“ Im zweiten Durchgang wollte sich die Heimmannschaft nochmals steigern. Dazu verriet der Coach, was er seiner Truppe in der Pause sagte: „Es ging darum, die Sinne zu schärfen und weiter Vollgas zu geben. Die Führung war gut und wichtig, aber wir mussten aktiv bleiben, was uns auch in der zweiten Halbzeit noch etwas besser gelungen ist. Umso bitterer war es, dass wir in unserer eigentlich besten Phase den Ausgleich zum 1:1 kassieren. Wir mussten uns kurz schütteln, konnten dann aber wieder erhöhen und sind anschließend zu unclever, sodass wir erneut den Ausgleich kassieren.“ Mit Öz kam nun mehr Offensivpower, der Nico Ploog ersetzte, welcher zur Arbeit musste.
Paustian sieht 2:2 als leistungsgerecht
„Zum Seitenwechsel kamen sie dann aber deutlich frischer aus der Kabine. Da haben sie echt einen Gang zugelegt“, sagte Gästecoach Paustian. Der Treffer fiel allerdings für seine Mannschaft, die sich gut durchkombinierte und in Person von Tobias Neumann (54.) ausglich. Dies sollte allerdings nur wenige Minuten halten, denn dann sollte der eingewechselte Kevin Öz (62.) zur erneuten Führung für Tralau treffen. Die Entscheidung war dies allerdings erneut nicht, denn Leon Kovacevic (76.) stellte auf 2:2. Es war der erkämpfte Ausgleich, der für Paustian auch nicht unverdient war: „Ich fand 2:2 hätte das Spiel auch ausgehen können. Es wäre ein leistungsgerechtes Unentschieden gewesen. Natürlich mit mehr Spielanteilen auf Tralau-Seite, aber allein für den Kampfgeist und die Intensität, die wir gebracht haben, wäre das völlig in Ordnung gewesen.“ Es sollte allerdings noch den Lucky-Punch geben. Der Tralauer SV lief an, eine Flanke konnte der LSC nicht klären, sodass Joker Max Vamboldt (95.) am zweiten Pfosten einköpfte. Dies sollte die Belohnung für ein „unermüdliches Anrennen“ sein, wie der Trainer des TSV verriet. Kurios war dabei, dass der Stürmer direkt aus dem Urlaub kam und eigentlich direkt aus dem Flugzeug auf den Platz kam und tatsächlich zum späten Helden wurde. Sein Trainer sagte dazu: „Überraschenderweise ist Max Vamboldt noch zurück in den Kader gekommen, quasi direkt aus dem Urlaubsflieger zum Sportplatz. Dass Max dann auch noch den Siegtreffer erzielt, hat dem Wahnsinn natürlich irgendwo die Krone aufgesetzt.“
LSC ist trotz Niederlage „total zufrieden“
Es gab den Sieg für die Hausherren, die erneut in der letzten Minute zuschlugen und die drei Punkte einfuhren. Somit setzt sich die Tabellenführer oben ab, denn die Konkurrenz hat gepatzt. Der siegreiche Coach Ismagilov sagte: „Es war ein sehr wichtiger Sieg für uns gegen eine Leezener Mannschaft, die mit und ohne Ball sehr gut im Spiel war und uns mal wieder vor richtige Probleme gestellt hat. Auch wenn es unser Nachbarschaftsduell war und Emotionen zum Fußball gehören, war es insgesamt ein sehr faires Spiel von beiden Mannschaften.“ Es war bitter für die Gäste, die ein starkes Spiel ablieferten, allerdings dann doch mit leeren Händen dastanden. Ihr Trainer sagte: „Wir sind total zufrieden. Ich habe meiner Mannschaft überhaupt nichts anzukreiden, denn es war über 95 Minuten eine überragende Leistung und bis auf den einen Ball in der letzten Sekunde, den wir nicht mehr verteidigt bekommen haben, war es ein super Spiel. Am Ende stehen wir trotzdem mit leeren Händen da, auch wenn es ein gutes Spiel von uns war. Dienstag geht es weiter im Pokal gegen Segeberg, da wollen wir an der Leistung anknüpfen, aber auch etwas Zählbares herausschlagen.“
VfL Oldesloe – TuS Hartenholm II 2:5 (1:3)
Der VfL Oldesloe hat sich defensiv seit dem Trainerwechsel zu Jan Vogelsang enorm stabilisieren können. Man war hinten sicherer, doch vorne hakte es noch. Die wenigen Chancen, die sich boten, wurden nicht konsequent genutzt, sodass es unter der Leitung des neuen Trainers noch keinen Treffer gab. Drei Spiele stand die Null auf der eigenen Seite. Nun gastierte mit dem TuS Hartenholm II eine Mannschaft, die zuvor dreimal sieglos blieb. Einen Punkt holte die Zweitvertretung in diesen Spielen, wo die Defensive etwas an Stabilität verlor. Sechs Gegentore gab es in der Vorwoche gegen den SV Henstedt-Ulzburg, doch dieses Spiel bewertete man realistisch. Schließlich war es gegen den Top-Favoriten der Liga, wo es insbesondere in der ersten Hälfte kein schlechtes Spiel gegen den Ball war. Nun war es ein anderes Spiel, doch in diesem sollte es eine Kuriosität geben. Beide Cheftrainer fehlten urlaubsbedingt, sodass sie jeweils vertreten wurden. Für Oldesloes Vogelsang war dies sicherlich ärgerlich, denn er war bis vor wenigen Wochen noch Co-Trainer in der Ersten des jüngsten Gegners.
Oldesloe verpennt den Start
Auf dem Oldesloer Exer sollten die Gäste aus dem Kreis Segeberg besser ins Spiel finden. Frerk von Schoen sagte: „Wir sind sehr gut ins Spiel gekommen, die Jungs hatten sich vorgenommen, die Leistung vom vergangenen Wochenende vergessen zu lassen und waren von Anfang an griffig. Wir hätten in der Anfangszeit durchaus noch höher in Führung gehen können.“ Ebuka Obimdike (4.) traf nach einer Ecke zur frühen Führung. Lennart Gossow, Sportlicher Leiter und Vertreter des VfL-Coachs, sagte: „Wir kommen leider denkbar schlecht ins Spiel und sind von Beginn an nicht ganz wach. Bereits in der 4. Minute führt eine Ecke zum frühen 0:1 – in unserer aktuellen Situation natürlich alles andere als ein optimaler Start. Danach zeigen wir allerdings eine starke Reaktion, nehmen die Zweikämpfe an und finden sowohl kämpferisch als auch spielerisch deutlich besser in die Partie. Der Ausgleich zum 1:1 ist die logische Konsequenz.“ Upendo Kinoka (14.) glich für die Heimelf aus. Gossow setzte fort: „Anschließend entwickelt sich ein offenes Spiel mit Chancen auf beiden Seiten. Leider nutzen wir unsere Möglichkeiten nicht konsequent genug und werden im Gegenzug noch zweimal vor der Halbzeit bestraft.“ David Schmuck (29.) und Alban Velija (39.) sorgten für die 3:1-Pausenführung der Gäste.
VfL schnuppert am Ausgleich
Im zweiten Durchgang sollte die Heimmannschaft Moral beweisen und durch Bassir Schinwary (55.) verkürzen. In der Schlussphase waren es allerdings Tobias Möller (77.) per Elfmeter und Jannis Oldenburg (92.), die den Deckel draufmachten. Für den Oldesloer Gossow war dies allerdings besonders bitter: „In der zweiten Hälfte machen wir es dann richtig gut. Der Ball läuft teilweise sehr ansehnlich und wir spielen weiterhin mutig nach vorne. Das 2:3 erarbeiten wir uns entsprechend und schnuppern anschließend mehrfach am Ausgleich – unter anderem trifft ein schöner Distanzschuss nur die Latte. Was danach passiert, ist aus unserer Sicht natürlich bitter. Wir wollen und werden die Niederlage nicht allein an den Entscheidungen des Schiedsrichtergespanns festmachen, denn wir hatten selbst genügend Möglichkeiten, das Spiel in eine andere Richtung zu lenken. Dennoch wurden aus unserer Sicht zweimal fragwürdige Abseitsentscheidungen gegen uns getroffen und auch der Elfmeter zum entscheidenden 2:4 war zumindest diskussionswürdig. Beim 2:5 zeigt der Linienrichter zunächst an, dass der Ball im Aus gewesen sei, ehe letztlich doch auf Tor entschieden wird. Gerade wenn man ohnehin mit dem Rücken zur Wand steht, tun solche Situationen besonders weh. Trotzdem müssen wir bei uns bleiben, aus dem Spiel die positiven Dinge mitnehmen und weiterarbeiten. Die Mannschaft hat heute trotz des frühen Rückschlags eine gute Reaktion gezeigt und über weite Strecken mutig und engagiert gespielt. Darauf müssen wir aufbauen.“
Hartenholm hadert mit individuellen Fehlern
Der Sieger hieß am Ende TuS Hartenholm II, was am Ende nicht unverdient war. Die Zweitvertretung hatte im Spiel immer etwas die Nase vorn, auch wenn es nicht unbedingt der souveränste Auftritt war. Die Punkte gingen dennoch an die Landesliga-Reserve. Deren Co-Trainer sagte: „Leider haben wir zwischenzeitlich den Faden verloren und Oldesloe durch individuelle Fehler wieder ins Spiel zurückgeholt. Dank einer überragenden Torwartleistung sind wir aber durchgehend in Führung geblieben und konnten unsere bessere Spielanlage letztlich in Zählbares ummünzen. Am Ende haben wir verdient gewonnen, es blieben aber auf beiden Seiten gute Chancen ungenutzt.“
Bargfelder SV – SV Henstedt-Ulzburg 0:5 (0:3)
Nach dem erlösenden 2:1-Auswärtssieg beim SV Borussia Möhnsen peilte der Bargfelder SV nun auch den ersten Heimsieg an. Man wollte mit Selbstvertrauen ins Spiel gehen, auf Sieg spielen und die ersten Punkte zu Hause behalten. Die Aufgabe war mit dem SV Henstedt-Ulzburg allerdings alles andere als einfach. Der Top-Favorit kam zuletzt immer mehr in Fahrt und sollte die zwischenzeitliche Ergebniskrise von drei Niederlagen hinter sich haben. Ihr Trainer Keven Bostelmann erwartete in Bargfeld-Stegen einen Gegner, der wie auch die vergangenen, sehr tiefverteidigt und auf Konter lauern würde. Die Heimelf sollte ihn allerdings überraschen. Dennoch änderte es nichts am Auftreten seiner Mannschaft. Er sagte: „Bargfeld ist überraschend mutig und offensiv aufgetreten, das hat aber nichts an unserem Plan geändert. Von Beginn an dürften wir eine sehr faire, aber intensive Partie sehen. Auch dem Schiedsrichtergespann gilt ein großes Lob für eine souveräne Leistung. Wir haben das Spiel von der ersten Minute an kontrolliert und unseren Matchplan konsequent umgesetzt. Die Jungs waren sehr diszipliniert, haben die Vorgaben hervorragend angenommen und über weite Strecken unseren Fußball auf den Platz gebracht. Unser Ziel war es, möglichst früh für klare Verhältnisse zu sorgen, um anschließend etwas Ruhe ins Spiel zu bekommen und angesichts unseres aktuell sehr kleinen Kaders Kräfte zu schonen. Die Belastung ist momentan durchaus spürbar. Umso wichtiger war es, das Spiel seriös zu Ende zu bringen und die vorhandenen Kräfte gut einzuteilen. Natürlich hätten wir uns am Ende über das eine oder andere Tor mehr gefreut, aber unter den aktuellen Umständen können wir mit dem Spielverlauf sehr zufrieden sein.“
Bargfeld gibt dem Top-Favoriten zu viel Raum
Die Gäste stellten bereits zur Pause auf 3:0. Luka Hartwig (18.) sowie der doppelte Kevin Saam (25./36.) ebneten den Weg zum vierten Saisonsieg. Bargfeld tat sich enorm schwer und machte es dem Gegner zu einfach. Trainer Michael Burg sagte: „Wir sind nicht gut in die Partie gekommen, haben zu viele einfache Bälle hergeschenkt und Henstedt-Ulzburg dadurch viel zu viel Raum gegeben. Eine technisch so starke Mannschaft nutzt das natürlich konsequent aus. Dazu haben wir uns die Gegentore wieder zu leicht eingefangen. Wir waren nicht eng genug am Mann, hatten individuelle Fehler und haben in den Ketten nicht konsequent genug verschoben.“ Kurz nach dem Seitenwechsel erhöhte Janek Hellmuth (52.) auf 4:0, sodass es nun richtig deutlich wurde. Eine Minute vor dem Ende sollte Hartwig (89.) den Doppelpack schnüren und den Schlusspunkt zum 5:0 setzen. So gab es für die Stormarner durchaus einen herben Dämpfer nach dem Sieg in der Vorwoche. Die Enttäuschung beim BSV war enorm, doch man bleibt ruhig. Trainer Burg sagte: „Unterm Strich war die Heimniederlage gegen einen guten Gegner verdient. Das tut weh, gerade weil wir uns für unsere Arbeit endlich belohnen wollten. Aber jetzt gilt es, den Kopf oben zu behalten. Wir werden die nächsten Trainingstage nutzen, die Dinge klar ansprechen und weiter hart arbeiten. Wir lassen uns nicht beirren und werden alles dafür tun, dass wir uns endlich mit den Punkten belohnen, die wir uns so sehr wünschen.“
Trainer freut sich vor allem über Mädler-Debüt
Der SV Henstedt-Ulzburg ist nun richtig in der Saison angekommen. 12:1 Tore aus den vergangenen beiden Spielen und drei Siege in Serie sollten zeigen, dass die Mannschaft aus dem Beckersbergstadion durchaus zurecht ambitioniert ist. Die Qualität ist hoch und auch wenn es zuletzt drei vermeintliche Pflichtaufgaben waren, sollten nicht die leisesten Zweifel aufkommen und die Punkte souverän eingefahren werden. Den Trainer freuen die Siege logischerweise sehr, doch es gab noch etwas, das Bostelmann sehr positiv stimmte: „Ein besonderes Highlight war zudem der Einsatz von Noah Mädler aus unserer A-Jugend. Er durfte heute seine ersten Minuten im Herrenbereich sammeln und hat seine Sache richtig gut gemacht. Das freut uns als Verein natürlich besonders, weil genau diese Entwicklung und der Übergang unserer Jugendspieler in den Herrenbereich ein wichtiger Bestandteil unseres Weges sind.“ Zur Ausbeute seines Teams setzte er fort: „Mit aktuell 20:10 Toren stehen wir insgesamt sehr ordentlich da. Trotzdem haben wir klare Ansprüche an uns selbst: In der kommenden Woche wollen wir unsere Offensive auf Platz Zwei schieben und gleichzeitig die beste Defensive der Liga stellen. Die Mannschaft weiß, worauf es ankommt – jetzt gilt es, weiter konsequent zu arbeiten und den eingeschlagenen Weg fortzusetzen.“
SV Wahlstedt – FSG Alsterland 4:5 (4:1)
Beim SV Eintracht Segeberg sollte es einen späten Sieg für den SV Wahlstedt geben. Es war ein furioses Spiel, das vor allem in den Schlussminuten seinen Höhepunkt erreichen sollte. Zunächst wurde der Ausgleich kassiert, doch im Gegenzug sicherte sich der SVW tatsächlich doch noch die drei Punkte. Bei der FSG Alsterland sah dies anders aus. Der Verbandsligaabsteiger blieb viermal sieglos und verlor gegen die SG Bargteheide/Hammoor. Es waren schwache Auftritte und personell sah es zudem alles andere als gut aus. Der Trainer musste massiv improvisieren und hatte kaum Optionen von der Bank. Nun stand das Duell an der Scharnhorststraße gegen den Tabellenzweiten an. FSG-Coach Harjas Ahluwalia sagte: „Heute mussten wir auswärts beim SV Wahlstedt auf Kunstrasen spielen. Unsere personelle Situation sollte sich im Vergleich zu den Vorwochen etwas verbessern, jedoch hatten wir trotzdem mit ein paar kleineren Verletzungen zu tun. Wir bereiten uns die Trainingswoche erneut auf einen Gegner vor und versuchen diese Analysen mit ins Spiel zu nehmen. Kommen die ersten 5-6 Minuten gut ins Spiel und haben mehr Aktionen mit dem Ball.“
Alsterland verliert komplett den Faden
Ein Eigentor von Fynn Mack brachte allerdings nach nur sieben Minuten den SVW in Führung. Danach sollten die Gäste komplett den Faden verlieren und innerhalb kürzester Zeit deutlich in Rückstand geraten. „Aus einer Unkonzentration fällt dann jedoch das 1:0 und wir verlieren komplett den Faden, sodass es nach 23 Minuten bereits 4:0 für die Heimmannschaft steht. Durch zu einfache Fehler und unkonsequenter Defensivarbeit in allen Mannschaftsteilen auch völlig verdient“, sagte Ahluwalia. Alexander Braun (10.), Yannick Klahn (17.) und Enrik Nrecaj (23.) stellten noch vor der 25. Minute auf 4:0. Der Coach der Gäste sagte: „Fortan sollte Wahlstedt mehr und mehr Kontrolle über das Spiel bekommen und wir mussten uns anpassen. Es dauerte einige Zeit, bis wir uns fangen konnten und Stürwohld erzielte unseren Anschlusstreffer. Mit einem völlig verdienten 4:1 für die Heimmannschaft ging es dann in die Kabine. Es war der Inbegriff der letzten Spiele und dabei müssen wir den Schalter unbedingt umlegen.“
Irre Aufholjagd
Zur Pause brauchte es eine klare Leistungssteigerung der Spielgemeinschaft aus Oering/Seth und Dänisch-Müssen. Die erste Hälfte war absolut nicht nach dem Geschmack der Verantwortlichen dieser. 1:4 hieß es aufgrund einer katastrophalen Phase zwischen der siebten und 25. Minute. Danach fand die FSG nach und nach besser ins Spiel. Ahluwalia sagte: „In der Halbzeit besprechen wir viele Dinge sachlich und drehen gemeinsam mit der Mannschaft an ein paar Stellschrauben. In der zweiten Halbzeit wurde es dann ein ganz anderes Spiel, das wir komplett im Griff hatten. Wir hatten Ballbesitz, waren ruhig in eigenen Momenten und spielten konzentriert nach vorne und verteidigten geschlossen.“ Die Folge war, dass Nico Post (56./57./73.) einen Dreierpack schnürte und seine hohe individuelle Qualität ausspielte. Er sorgte für den Ausgleich und den absoluten Wahnsinn an der Scharnhorststraße. Aus 0:4 wurde 4:4 und es stand noch die Schlussphase an. Das Momentum war nun längst auf Seiten Alsterlands. Sie wollten nun noch mehr und tatsächlich gelang der Siegtreffer. Marcel Stührwold (82.) besorgte den fünften Treffer und sorgte für absolute Ekstase. Es gab den Sieg, mit dem nach 23 Minuten wohl niemand mehr gerechnet hat. Der siegreiche Coach ordnete den Erfolg allerdings realistisch ein, fand Lob für sein Team und den Matchwinner: „Post vollendete drei rausgespielte Tore, eher Stührwold das Ding komplett auf unsere Seite zog. Für den Jungen freut es mich sehr, dass der Knoten hoffentlich endlich geplatzt ist. Aufgrund der sehr dominanten zweiten Halbzeit sehe ich hier einen verdienten Sieg in einem hart umkämpften Spiel.“
Wahlstedt liefert ein „komplettes Armutszeugnis“
Zudem übte der Alsterland-Coach Kritik, doch nicht an seinem Team: „Mich macht sehr stolz, dass die Jungs so eine Moral bewiesen haben und sich auch durch sehr fragwürdige Pfiffe des Schiedsrichters und seinem sehr schwachen Team haben nicht weiter anstecken lassen. Dazu muss man sagen, dass auch einige Pfiffe gegen Wahlstedt nicht korrekt waren. Die Arbeit der Unparteiischen ist keine dankbare, und völlig zurecht wird immer Respekt gefordert, aber dieser muss auch entgegengebracht werden, und das war heute nicht der Fall. Abschließend darf meine Mannschaft diesen Wahnsinns-Erfolg feiern, wir wissen aber auch um die Einordnung dieser Partie. Wir müssen alles daran legen, kommende Woche einen Dreier zu landen, erst dann ist dieser Sieg heute vergoldet.“ Es waren zwei Extrem-Gefühlswelten, denn während die Gäste in Ekstase wegen der Aufholjagd waren, sollte Wahlstedt es nicht fassen, was in der zweiten Hälfte geschah. Trainer Nimet Jusufi fand klare Worte: „23 Minuten lang führen wir 4:0 und haben das Spiel komplett unter Kontrolle. Mit 4:1 gehen wir in die Halbzeit. Was danach passiert, ist schlichtweg peinlich und nicht zu akzeptieren. Wir geben nach der Pause alles aus der Hand und lassen jegliche Basics vermissen: Einstellung, Zweikampf, Laufbereitschaft, Konzentration und Siegeswillen. Ein 4:0 darf man niemals so herschenken. Wer nach so einer Führung aufhört, Fußball zu spielen, muss sich am Ende nicht wundern, wenn man mit leeren Händen dasteht. 4:5 verloren und das völlig verdient. Diese zweite Halbzeit war ein komplettes Armutszeugnis. So darf man sich als Mannschaft niemals präsentieren.“








