
Lübeck – Der Lübecker Fußball trauert um einen seiner ganz Großen. Peter „Eiche“ Nogly ist am Donnerstag, 24. September, nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 79 Jahren verstorben. Der gebürtige Travemünder gehörte zu den erfolgreichsten Fußballern, die Lübeck hervorgebracht hat. Seine Karriere führte ihn vom Priwall bis in die deutsche Nationalmannschaft und auf die große europäische Fußballbühne – seiner Heimat blieb Nogly dennoch über Jahrzehnte eng verbunden.
Nogly wurde am 14. Januar 1947 in Lübeck-Travemünde geboren und wuchs auf dem Priwall auf. Beim TSV Travemünde begann er mit dem Fußball, ehe er 1964 für eine Saison zum Eichholzer SV wechselte. Anschließend schloss er sich dem damaligen LBV Phönix an. Mit den Adlerträgern stieg er 1967 in die seinerzeit zweitklassige Regionalliga Nord auf. Für Phönix absolvierte er 62 Spiele und erzielte 22 Tore. Für den VfB Lübeck war er als Spielertrainer aktiv.
Vom Lübecker Jung zur HSV-Legende
1969 folgte der entscheidende Schritt seiner Karriere. Nogly wechselte zum Hamburger SV und entwickelte sich dort zu einem der herausragenden deutschen Abwehrspieler seiner Generation. Zunächst als Vorstopper und Manndecker, später als Libero, wurde der kompromisslose, kopfballstarke und torgefährliche Verteidiger zu einer der prägenden Figuren einer der erfolgreichsten Epochen der Hamburger Vereinsgeschichte.
Elf Jahre trug Nogly das HSV-Trikot. Allein in der Bundesliga kam er auf 320 Spiele und 38 Tore. Insgesamt verzeichnet der HSV für seinen langjährigen Kapitän 634 Einsätze für die Liga-Mannschaft, darunter 414 Pflichtspiele. Zwischen 1973 und 1980 führte Nogly die Hamburger allein in 122 Bundesliga-Partien als Kapitän aufs Feld.
Auch die großen Titel ließen nicht auf sich warten. 1976 gewann Nogly mit dem HSV den DFB-Pokal und erzielte beim 2:0 im Finale gegen den 1. FC Kaiserslautern selbst das Führungstor. Ein Jahr später führte er die Hamburger als Kapitän zum Gewinn des Europapokals der Pokalsieger. 1979 folgte die Deutsche Meisterschaft. Bereits 1973 hatte er mit dem HSV den damaligen Ligapokal gewonnen.
Seinen Spitznamen „Eiche“ erhielt der robuste Verteidiger nach einer schweren Gesichtsverletzung. Trotz seiner kompromisslosen Spielweise wurde Nogly während seiner gesamten Karriere nie vom Platz gestellt.
Beim HSV genoss er Kultstatus. 2006 gehörte er zu den ersten Persönlichkeiten, die auf dem „Walk of Fame“ am Volksparkstadion verewigt wurden. Bei der Wahl der HSV-Fans zur Jahrhundert-Mannschaft anlässlich des 125-jährigen Vereinsjubiläums 2012 gehörte Nogly ebenfalls zum ausgewählten Kader.
Vier Länderspiele für Deutschland
Auch das Trikot der deutschen Nationalmannschaft trug der Lübecker. Bereits 1976 gehörte Nogly zum Kader der DFB-Auswahl, die bei der Europameisterschaft in Jugoslawien Vizeeuropameister wurde. Zum Einsatz kam er dort nicht. 1977 folgten vier A-Länderspiele. Sein Debüt gab er am 23. Februar bei der 0:1-Niederlage gegen Frankreich in Paris.
Nach seinem Abschied vom HSV 1980 zog es Nogly nach Nordamerika. Für die Edmonton Drillers in Kanada und die Tampa Bay Rowdies in Florida spielte er in der damaligen North American Soccer League. 1983 kehrte er nach Deutschland zurück und lief zunächst für Hertha BSC auf. Ab 1984 spielte er für den FC St. Pauli. Mit den Kiezkickern gelang ihm 1986 der Aufstieg in die 2. Bundesliga.
Rückkehr nach Lübeck
Danach schloss sich der Kreis zunächst in seiner Heimatstadt. Nogly übernahm 1986 den VfB Lübeck und stand dabei auch selbst noch auf dem Platz. Insgesamt bestritt er elf Pflichtspiele für die Grün-Weißen und erzielte drei Tore. Bis 1989 arbeitete er an der Lohmühle als Trainer beziehungsweise Spielertrainer.
Damit war seine Trainerkarriere allerdings noch lange nicht beendet. Nogly führte Eutin 08 1990 in die damalige Amateur-Oberliga, trainierte anschließend unter anderem den SC Wentorf und kehrte 1995 zu einem weiteren Verein seiner Lübecker Vergangenheit zurück: Bis 1997 war er Cheftrainer des 1. FC Phönix Lübeck.
Weitere Stationen waren unter anderem der TuS Hoisdorf, der 1. SC Norderstedt, der SC Victoria Hamburg, St. Georg-Horn, der VfL 93 Hamburg, der Wedeler TSV und Hamm United. Zwischenzeitlich arbeitete Nogly zudem als Co-Trainer von Al-Shaab in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Auch dem HSV blieb die „Eiche“ nach seiner aktiven Laufbahn verbunden. Nogly spielte für Traditionsmannschaften des Clubs und gehörte von 2014 bis 2017 dem Aufsichtsrat der HSV Fußball AG an.
Trauer bei seinen ehemaligen Vereinen
Die Nachricht von Noglys Tod löste bei seinen früheren Vereinen große Anteilnahme aus. Der Hamburger SV würdigte seinen ehemaligen Kapitän als herausragende Persönlichkeit, Leitfigur und Publikumsliebling sowie als einen der besten Verteidiger der Vereinsgeschichte.
Auch in Lübeck ist die Trauer groß. Der 1. FC Phönix erinnerte an seinen ehemaligen Spieler und Trainer und verabschiedete ihn mit den Worten „Ruhe in Frieden, Lübecker Jung“. Beim VfB Lübeck wird der frühere Spielertrainer ebenfalls ein ehrendes Andenken erhalten.
Der FC St. Pauli erinnerte an Noglys zwei Jahre bei den Kiezkickern. Auch der Eichholzer SV, bei dem er 1964 für eine Saison spielte, nahm Abschied von seinem ehemaligen Spieler.
Peter Nogly war dabei weit mehr als nur die Summe seiner Titel und Spiele. Vom Priwall führte sein Weg in die Bundesliga, zu großen Endspielen, zum Europapokalsieg und in die Nationalmannschaft. Später führte ihn der Fußball nach Nordamerika und als Trainer zu zahlreichen Vereinen. Doch Lübeck blieb ein Fixpunkt seiner außergewöhnlichen Laufbahn.
Mit Peter „Eiche“ Nogly verliert der norddeutsche Fußball eine seiner prägenden Persönlichkeiten – und Lübeck einen seiner erfolgreichsten Fußballer.
Peter Nogly wurde 79 Jahre alt.








