
Elmenhorst-Fischbek – Es war das Comeback im Stormarner Amateurfußball in diesem Sommer. Die SG Bargteheide/Fischbek II, besser bekannt als „JuS Fischbek-Allstars“, gingen als neu gegründete Mannschaft ins Rennen, doch wirklich neu sind sie nicht. Vor einigen Jahren, als es beim JuS noch eigenständigen Herrenfußball gab, spielte man in der Kreisliga und war eine der Top-Adressen im Kreis. In der jüngeren Vergangenheit sah es allerdings eher durchwachsen aus, denn nur eine Spielgemeinschaft mit dem TSV Bargteheide hielt den Herrenfußball hier am Leben. Mit den „Allstars“ kam mehr als nur eine Fußballmannschaft. Sie zieht die Leute an, hat auch medial schnell eine große Reichweite gewonnen und liefert sportlich ab. HL-SPORTS blickt mit einem der Verantwortlichen auf die ersten Monate nach der Rückkehr und schaut zudem voraus.
Das Comeback der „JuS Fischbek-Allstars“
Der JuS Fischbek ist ein Sportverein im Kreis Stormarn, der einiges bietet. Verschiedene Sparten, die es den Menschen, ob jung oder alt, in der Umgebung ermöglichen, sich gemeinsam für etwas zu begeistern, ein Hobby auszuüben und vor allem eine starke Gemeinschaft zu pflegen. Auch im Fußball ist das der Fall, wobei vor allem die A-Jugend, die als Landesligist das sportliche Aushängeschild der Fußballer ist, herausragt. Es ist ein Jahrgang, der sich mit den Großen des Kreises misst. Seit Sommer gab es auch eine neue Herrenmannschaft, neben der bisherigen SG Fischbek-Bargteheide. Als Zweitvertretung ging diese in diesem Sommer neu an den Start, doch bekannt ist diese unter einem anderen Namen. Sie sind die „JuS Fischbek Allstars“. Es ist ein Projekt ehemaliger Akteure des JuS, als es noch in der Kreisliga erfolgreiche Jahre gab. Das Ziel war die Rückkehr des Herrenfußballs ins Günter-Abraham-Stadion, mit dem sich die Fans und Menschen des Ortes identifizieren können. Begleitet wurde dieses von Beginn an über Instagram, wo die Allstars erstmals auf sich aufmerksam machten und schnell einen regelrechten „Hype“ erzeugten. Follower um Follower verirrte sich auf der Seite der Lila-Weißen. Mit unterhaltsamen Vorstellungsvideos oder auch anderen Arten von Content sorgten die Fußballer für eine Menge Unterhaltung.
Allstars bekannt „vor allem aus den guten alten Zeiten“
Sportlich ist es mehr als nur eine „Spaßtruppe“, die sich auf das Drumherum statt auf die 90 Minuten fokussiert. Beim JuS ist es nämlich ganz anders, denn hier stimmt die Balance. Die Gemeinschaft steht klar im Fokus, doch auch der sportliche Erfolg soll nicht zu kurz kommen. Dazu hat man in seinen Reihen zu viel Qualität, denn nicht wenige Spieler haben bereits höherklassige Erfahrungen gesammelt. Dementsprechend ist man auch der klare Favorit in der Liga. Bahattin „Button“ Altinala, einer der führenden Köpfe der Allstars und ehemaliger Kreisligatrainer des JuS vor der Abmeldung, verriet vor einigen Monaten HL-SPORTS, woher man die Truppe zu großen Teilen kennt: „Vor allem aus den guten alten Zeiten. Rund 80 Prozent unseres Kaders haben bereits für die glorreichen Kreisliga-Mannschaften des JuS Fischbek gespielt. Nach dem Corona-bedingten Zusammenbruch der ersten Herren im Jahr 2020 hat es viele in umliegende Vereine verschlagen. Jetzt haben wir alle wieder Bock, gemeinsam die Schuhe zu schnüren und dort weiterzumachen, wo wir damals aufgehört haben.“ Nun liegen die ersten Monate nach dem Comeback in der Vergangenheit und es wird Zeit, mal genauer auf diese zu schauen.

Fußballromantik in der Kreisklasse C
Heiner Stut ist Teil der „Fischbek-Allstars“. Er verriet, wie er die ersten Monate erlebt hat: „Es ist einfach unbeschreiblich und unglaublich geil. Jede Woche bekommen wir neue Leute, die bei uns kicken wollen, sodass wir mittlerweile schon einen Aufnahmestopp machen mussten. Wir sind eine Mannschaft, die füreinander brennt, einsteht und auf, aber vor allem auch neben dem Platz solch ein Teamgefüge aufweist, das ich bis dato in 30 Jahren Fußball noch nie erlebt habe. Jeder ist hier bereit, für den anderen alles zu geben. Bei uns wird es auch mal lauter untereinander, aber spätestens mit Abpfiff ist das vorbei. Der Zulauf von Außen, die Fans, die Leute, die uns lieben, wir bekommen durchgehend positives Feedback, es ist einfach alles wie in einem romantischen Fußballtraum. Das ist echt einfach der Oberwahnsinn.“ Sie begeistern in der Kreisklasse C nicht nur sportlich und zeigen genau das, was dem Fußball an vielen Standorten fehlt. Stut verriet, was dieses Team auszeichnet: „Wir sind einfach die, die den Leuten noch ein Stück weit ehrliche Fußballromantik bieten. Die Leute, die damals, als sich die Fischbeker Mannschaft aufgelöst hat, so traurig darüber waren, dass das Team weg ist und jetzt im hohen Fußballalter nochmal die Chance bekommen, diese Truppe wiederzusehen. Genau diese Leidenschaft und Feuer, das wir füreinander haben, live miterleben zu können, das bedeutet uns eine Menge und auch den Leuten. Genau deshalb kommen die Leute auch so zahlreich zu unseren Spielen, weil es einfach geil ist. Es ist so ein schönes Gefühl auch für die Leute. Da muss man einen Hans-Werner nennen, aber auch einen Reimer, dass die sich dies einfach jede Woche angucken, auch auswärts mit auf das letzte „Kuhdorf“, nur um die Truppe zu sehen. Ein paar Leute haben Reimer damals das Versprechen gegeben, dass irgendwann der Tag kommt, wo sie nach der Auflösung wiederkommen werden. Dieses Versprechen einhalten zu dürfen, tut unglaublich gut. Sie sind bei unserem Training auch immer da zum Zugucken. Die Entscheidungsträger unserer A-Jugend sind auch alle da, die A-Jugend kommt auch regelmäßig zu unseren Spielen zugucken. Es ist einfach wie eine große Familie.“
„Wir sind das, was den Leuten vielleicht auch einfach fehlt“
Für viele sind die Allstars sicherlich noch eine Unbekannte, doch auch diese dürfen sich ein Bild machen. Eine angenehme, gastfreundliche Fußballatmosphäre am Freitagabend erwartet die Zuschauer auf der Sportanlage. Doch was genau einen Besuch im Günter-Abraham-Stadion bei den Allstars besonders macht und worauf man sich freuen darf, verriet Stut: „Womit die Leute bei uns rechnen können, ist einfach eine Truppe von „Rentnern“, die sich einfach zur Aufgabe gemacht haben, den Durchmarsch zu machen und dann mal gucken, wie weit die Reise geht. In der C-Klasse werden wir wohl aufsteigen, davon bin ich überzeugt. Aber mal gucken, wie weit man dann mit einmal in der Woche Training in der Kreisklasse B kommt. Darauf dürfen sich die Leute freuen, aber vor allem das Drumherum. Ich könnte hier über jede Storys erzählen, das ist echt unglaublich. Es ist gute Laune, Humor pur und lustig. Wenn man an Hakan denkt, der nach einem Sieg einfach eine Kamera draufgehalten bekommt und einfach authentisch lustig ist, dass sich die Leute einen ablachen und der Post dann innerhalb von vier Stunden 90 Mal geteilt wird. Das ist einfach Wahnsinn. Wir sind mehr als eine Fußballmannschaft, wir sind das, was den Leuten vielleicht auch einfach fehlt. Nach einer harten Arbeitswoche Freitagabend einfach die Sau rauslassen zu können, gemütlich eine Bratwurst zu essen und ein Bierchen zu trinken. Ich kann jedem empfehlen, sich uns mal anzuschauen und uns eine Chance zu geben.“

Ein bisschen hinter den Erwartungen und dennoch voll auf Kurs
Sportlich haben die Stormarner in der Kreisklasse C bisher acht Spiele bestritten. Die Ausbeute sind 19 Punkte und somit der zweite Platz. Direkt hinter dem SV Sülfeld II stehen die Allstars derzeit in der Tabelle, bei zwei Spielen weniger. Gewinnt man die Nachholspiele, dann zieht man in den Punkten gleich. Im Aufstiegsrennen sind die Segeberger allerdings kein Konkurrent, denn als 9er-Mannschaft darf die Zweitvertretung nicht aufsteigen. Ein Aufstieg in die Kreisklasse B ist also bisher nicht unrealistisch für Fischbek. Genau das ist das Ziel, für das man auf einem guten Weg ist. Dennoch herrscht noch nicht ganz vollständige Zufriedenheit. Die Punktverluste sowie das Ausscheiden im Pokal gegen das ambitionierte A-Klassenteam SV Hamberge II lassen den JuS hadern. Daher heißt es: „Wir sind ein bisschen hinter unseren sportlichen Erwartungen zurückgeblieben. Wir haben schon fünf Punkte verloren. Bitter und rückblickend derbe unnötig war das Aus im Pokal. Das hätte nicht notgetan, Hamberge war nicht besser als wir, aber sie haben es nur abgezockter gespielt. Das hätten wir rückblickend gerne gewonnen. Ansonsten sind wir sportlich bisher zufrieden.“ Gegen den SV Großhansdorf wurde bisher das einzige Ligaspiel verloren. In diesem musste mit personell großen Sorgen gekämpft werden, die am Ende einfach nicht kompensiert werden konnten. Eine 1:4-Pleite an einem insgesamt dann auch enttäuschenden Abend sollte die erste Ligapleite nach der Rückkehr bedeuten. Außerdem wurde gegen den FC Ahrensburg II nur 2:2 gespielt. Der Gegner war dabei allerdings gespickt mit einigen Verbandsligaspielern, die sonst zum Kader der Ersten gehören. Ansonsten hadert man mit der Aberkennung des 8:1-Sieges gegen Hoisdorf III durch den Rückzug des Gegners aus der Liga.
Besondere Highlights
Sportlich gab es bisher einige Highlights bei den Stormarnern, doch auch neben dem Platz sollten besondere Momente in Erinnerung bleiben. Die ersten Monate waren bereits ein positiver Start für die Mannschaft, die von Hansi Prieß trainiert wird. Auf die Frage, was die bisherigen Highlights waren, sagte Stut: „Highlights gab es bei uns bisher mehr als genug. Ich kann über sportliche Highlights reden, wie das Spiel gegen den FC Ahrensburg, wo Jiyan sich in der 90. Minute ein Herz fasst und einen Freistoß aus 40 Metern ansatzlos in die Maschen haut, sodass wir noch einen Punkt geholt haben. Neben dem Platz können wir von einigen unzähligen Mannschaftsabenden berichten. Explizit hervorzuheben ist unsere „Türkish-Night“, wo unsere türkische Community aus der Mannschaft sich um leckere Adana-Köfte-Spieße gekümmert hat und wir Raki bis tief in die Morgenstunden getrunken haben. Was natürlich auch hervorzuheben ist, die anderen Gemeinden und Vereine gucken durchweg positiv auf unser Projekt und das spürt man auch im Umgang. Wo am Anfang Skepsis war, hat es sich auch beim letzten Kritiker gelegt. Die Leute wissen, mit den Allstars ist wieder zu rechnen.“ Ein Besuch bei den Fischbek-Allstars lohnt sich also absolut, denn es herrscht hier die echte Fußballromantik. Wenn das Flutlicht angeht, beginnt mehr als nur ein gewöhnlicher Spieltag, es beginnt ein echtes Fußballfest. Sowohl auf als auch neben dem Platz wird hier für jedermann etwas geboten.

„Das Teamgefüge ist einfach das geilste bei uns“
Der Zusammenhalt wird hier ganz großgeschrieben und im Team auf ganz besondere Art und Weise gelebt. Es herrscht eine familiäre Atmosphäre, die selbst für Außenstehende einladend ist und auch intern steht jeder für den anderen ein. Dazu gab Stut Einblicke und erzählte auch von persönlichen Erlebnissen: „Besonders positiv in den letzten Wochen und Monaten war, neben dem ganzen Drumherum, dass, wenn sich jemand verletzt hat, sei es bei Lorenz, der sich die Achillessehne gerissen hat, oder bei mir mit meinem Fuß, wo ich mir einen leichten Mittelfußbruch zugezogen habe, oder auch andere Leute, die sich verletzt haben, dass das Team direkt da ist und man sofort merkt, dass für den, der nicht da ist, gekämpft wird. Das ist ein sehr tolles Gefühl und so geht es bei uns auch im Training zu. Wenn mal jemand einen Fehlpass spielt oder nicht richtig macht, dann kommen warme, aufmunternde Worte und man geht liebevoll miteinander um. Das Teamgefüge ist einfach das geilste bei uns.“
„Hype“ um die Allstars
Neben den sportlichen Auftritten geben die Fischbeker auch Einblicke in viele Hintergrundgeschichten. So hat man in wenigen Monaten bereits über 2.000 Follower dazugewonnen. Diese bekommen lustige Momente wie wilde Golfkartfahrten, Spielervorstellungen der besonderen Art, lustige Storys rund um den Spieltag und einiges mehr zu sehen. Hierbei ist man allerdings noch selbstkritisch. Heiner Stut ist verantwortlich für den medialen Auftritt, doch noch nicht vollständig zufrieden: „Was bisschen durchwachsen lief, ist auch auf meine Person zurückzuführen, weil ich arbeitstechnisch eingespannt bin, dass nicht so viel Content im Moment kommt.“ Dies soll sich allerdings schon bald wieder ändern, denn man verfolgt ein klares Ziel: „Wir wollen da weiter angreifen, denn wir sind auf dem besten Wege, die Nummer Zwei in Stormarn zu werden, was Instagram-Follower angeht. Wir wollen uns da noch etwas weiterentwickeln. Wir finanzieren unsere ganze Arbeit komplett selbst. Wir hätten auch gerne eine VEO-Kamera für Torhighlights. Wir versuchen es weiter so aufzuziehen, versuchen weitere Sponsoren für diese Fußballromantik zu gewinnen und dann auch stetig weiterzuwachsen.“
Vorfreude auf das „Trinklager“ in Kappeln
Mit Blick auf die Zukunft schaut man nun noch auf vier geplante Ligaspiele, in denen es um zwölf weitere Punkte geht. Zwei Heimspiele stehen an, zudem gastiert man noch in Großhansdorf und Pölitz. Dann wartet die Winterpause, doch in dieser hat man noch etwas vor. „Wir freuen uns jetzt im Januar auf unser Trainingslager, beziehungsweise eher „Trinklager“, in Kappeln durchzuführen. Dort wollen wir mit der Mannschaft einfach mal die Seele baumeln lassen, im Whirlpool hängen, das ein oder andere Kaltgetränk uns nehmen und einfach zeigen wollen, dass wir auch außerhalb des Fußballplatzes Content liefern können. Da wird es das ein oder andere Video geben“, sagt Stut. Sportlich ist der Blick in dieser Saison klar auf den Aufstieg gerichtet. Es soll bei einem Jahr in der C-Klasse bleiben. Auch im Falle des Schrittes eine Liga höher möchte man sich dort nicht unbedingt lange aufhalten. Es heißt: „Wir wollen diese Saison über die Bühne bringen, nächstes Jahr die B-Klasse rasieren und zwischendurch Party, Party, Party und Tore, Tore, Tore. Wenn wir aufsteigen sollten, dann geht direkt der Flieger nach Malle, dann wird am Ballermann oder in Cala Ratjada, da sind wir uns noch nicht ganz einig, gezeigt, dass die Allstars mehr zu bieten haben als nur geilen Fußball.“

Strukturen sollen wachsen
Sportlich will man wieder nach oben, die Erste beim JuS werden und sich auch in den Strukturen noch weiter entwickeln. Man träumt von Entwicklungen auch neben dem Platz. Eine VEO-Cam ist ein Wunsch, doch nicht der einzige. Es soll etwas entstehen, ein neuer Anstrich in der Fußballabteilung her und dazu startet man auch einen Aufruf: „Jede Firma, die einen Cent dazu beitragen möchte, sei es durch Geld- oder Sachspende, es wäre einfach unfassbar. Ein bisschen Drumherum, dass es noch etwas professioneller aufgezogen wird, wir wollen unsere Kabine restaurieren und der JuS Fischbek ist einfach Familie.“








