Wie will der HSV das wieder gut machen? – endlich Charakter zeigen und Bittbrief nach Bielefeld schicken

Sonny Kittel (HSV). Foto: Valeria Witters/Witters/Pool via Michael Schwarz

Hamburg – Das 1:2 des HSV von Heidenheim hing noch am Montag in allen Köpfen. In der 95. Minute kassierte der Hamburger SV den Gegentreffer, der ihn von Platz drei verbannte. Der 1. FC Heidenheim traf den ehemaligen Bundesliga-Dino ins Mark. Zu viele Punkte hat das Team von Chefcoach Dieter Hecking in dieser Saison so abgegeben. Insgesamt waren es schon 20 Zähler in neun Spielen und der 55-Jährige bemerkte bei Sky danach: „Wir hätten schon lange durch sein können.“ Er war bedient, wie auch viele Fans und sicherlich die Mannschaft.

Seeler: „Ich bin so enttäuscht“

Diese Mannschaft hat es aber zu verantworten und wieder einmal nicht hinbekommen. Die Frage nach dem „warum“ stellt sich da. Die Medienschelten und Häme in der gesamten Republik taten ihr weiteres. HSV-Idol Uwe Seeler konnte es nicht fassen (Zitat: „Ich bin so enttäuscht“), war ebenfalls bedient. Der 83-Jährige war erst einige Tage zuvor nach einem Oberschenkelhalsbruch, Not-OP mit einem neuen Hüftgelenk aus dem Krankenhaus entlassen worden und schaute die Partie zuhause. Zur schnelleren Genesung trug die Vorstellung seiner „Nachfahren“ sicherlich nicht so viel bei.

Hamburgs Ehrenbürger und HSV-Ikone Uwe Seeler
Foto: Lobeca/Gettschat

Minichance gegen Sandhausen

Platz drei ist erst einmal weg und doch besteht noch die Minichance auf die Relegation. Dazu müssen sich die HSV-Profis am kommenden Sonntag im Heimspiel gegen SV Sandhausen zusammenraufen und nur ein Tor mehr als der Gegner erzielen. So schwer kann das gegen einen Tabellenzwölften der 2. Bundesliga nicht sein. Wobei…? Fakt ist: auf diesen HSV ist Verlass. Hier ist endlich der Charakter der Mannschaft gefordert und auch ein Bittbrief an Arminia Bielefeld (spielt zeitgleich gegen 1. FC Heidenheim). Deren Trainer Uwe Neuhaus kündigte dabei an: „Wir haben das letzte Ziel, bis zum Saisonende ungeschlagen zu bleiben.“ Mal schauen, ob es so ist und ob der Hamburger SV selbst seine Hausaufgaben erledigt. Viele Fans haben resigniert, doch die Mannschaft ist entscheidend und kann den verspielten Kredit zurückgewinnen. Sie ist in der Pflicht.

Trainerfrage ist absoluter Blödsinn

Natürlich musste nach der Katastrophe von Heidenheim die Trainerfrage wieder gestellt werden. Heckings Vertrag verlängert sich nur automatisch, wenn er den Aufstieg in die Bundesliga schafft. Medienberichten zufolge soll es Kandidaten für eine Nachfolge sogar schon geben. Hierbei werden die Namen Tim Walter (ehemals Holstein Kiel und im Winter in Stuttgart rausgeflogen), Andre Breitenreiter (bei Hannover 96 im Winter 2019 vor dem Bundesliga-Abstieg entlassen) und Dimitrios Grammozis (verlässt Darmstadt 98 auf eigenen Wunsch zum Saisonende) gehandelt. Hecking ist der 25. Trainer in den vergangenen 20 Jahren im Volkspark. Sportvorstand Jonas Boldt versicherte allerdings, dass Hecking der erste Ansprechpartner bleibt. Wer es mit so vielen Trainern nicht schafft, der wird auch mit dem 26. keine Neuerfindung hinbekommen.

Tim Walter (Trainer). Foto: Lobeca

Hecking: „Das ist aber keine Einbahnstraße“

Hecking äußerte sich sogar zu seiner persönlichen Situation am Montag, sagte: „Wir haben vor der Saison ganz bewusst das Vertragswerk gewählt, dass wir eine Zusammenarbeit für ein Jahr fixiert haben, die sich bei einem Aufstieg verlängert. Ich habe schon im vergangenen Januar gesagt, dass es bei mir eine generelle Bereitschaft gibt, beim Hamburger SV auch bei einem Nicht-Aufstieg weiterzumachen. Wenn, und das ist entscheidend, die Voraussetzungen dafür gegeben sind. Das ist aber keine Einbahnstraße. Intern wird kritisch und kontrovers diskutiert, das ist wichtig und gut. Wir werden das ganz in Ruhe nach der Saison besprechen, aktuell ist das überhaupt kein Thema für mich.“

HSV: Dino der 2. Liga – der ewige Vierte?

Zwar spielt der HSV erst das zweite Jahr in der 2. Bundesliga, doch man nistet sich dort langsam ein. Im vergangenen Jahr dominierte man zu Beginn und am Ende blieb die Puste aus. Ein Déjà-vu droht erneut. „Wieder Vierter, wieder gescheitert“. Das wäre die Schlagzeile, wenn es am Sonntag um etwa 17.15 Uhr (wenn der Abpfiff der Zweitliga-Saison ertönt) erneut nicht gereicht hat. Dann könnten die Hamburger zum Zweitliga-Dino werden…

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