Willkommen auf dem Planeten Balla-Balla

WM-Kolumne „Mein Ka-Tag“ von Wolfgang Stephan

Zwölf Tage dreht sich meine neue Welt in Katar nur um Fußball. Pressekonferenzen, Spiele live im Stadion oder am TV, dazwischen viele mit Wartezeiten verbundenen Fahrten mit den Shuttlebusen der Kataris.

Und jetzt das: Der DFB-Sponsor VW lädt zu einer Bootstour auf dem Persischen Golf ein. Abfahrt 15 Uhr, was beschleunigtes Arbeiten am Morgen bedeutet.

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Die Entschädigung ist grandios, denn wir starten in der Marina von The Pearl. Katarisches Highlife auf höchstem Niveau. Eine künstlich geschaffene Insel mit Protz und Prunk auf der 30 000 Menschen auf allerhöchstem Niveau leben. Unvorstellbar. In den künstlich angelegten Vierteln rund um diese Perle wurden allerlei Baustile der Welt kopiert. Apartmenthäuser im Stil der Toscana, der Provence oder Andalusiens. Nirgendwo sind die Zukunftsvisionen der katarischen Stadtplaner so verwirklicht, wie auf dieser künstlichen Perle.

Kleines Klugscheißer-Wissen: Zur Jahrtausendwende war Doha von dem Reisejournal Lonely Planet zum langweiligsten Ort der Welt ernannt worden. Doch das sollte sich schnell ändern, denn 1989 wurde gemeinsam mit dem Iran das größte Flüssiggasfeld der Welt zur Wohlstandsquelle der Kataris. Die sagenhafte Entwicklung zeigt sich am Bruttosozialprodukt, das von 7,4 Milliarden US-Dollar im Jahre 1990 auf jetzt 179,6 Milliarden US Dollar angestiegen ist. Zeitweise hatten die 300 000 Kataris (90 Prozent der Einwohner sind Ausländer) das höchste Pro-Kopf-Einkommen der Welt. Zuerst wurden Luxushotels geschaffen, um Doha in eine neue Ära des Seins zu katapultieren.

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Die Bootsfahrt ist grandios, der Sonnenuntergang fantastisch, der Blick auf die Silhouette Dohas atemberaubend. Man muss das nicht mögen – aber gesehen haben. Selbst das so selten zu trinkende Bier wurde auf dem Boot zur Nebensache. Jedenfalls für mich. „Ihr könnte gerne noch in Ruhe austrinken“, hatte VW-Organisator Ingo unserer Medien-Truppe nach dem Anlegen am Pier zugerufen. „Sorry, ich muss los, ich muss sofort zum Spiel Brasilien gegen die Schweiz“, sagte ich entschuldigend.

„Du musst“, stellte Ingo mit Ausrufezeichen fest. Ja, er hatte Recht. Manchmal vergesse ich, auf welchem privilegierten Niveau ich mich bei einer Fußball-WM bewegen darf. Alleine das Tor von Casemiro wäre eine bezahlte Eintrittskarte wert gewesen.

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